Zwei mal „Wo kommen Kinder her?“, ohne heteronormative Kackscheiße

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Cai Schmitz-Weicht, Ka Schmitz: Wie Lotta geboren wurde | Cai Schmitz-Weicht, Ka Schmitz: Maxime will ein Geschwister | Atelier 9 ¾ | je 10 Euro | empfohlen ab zwei Jahren

Zwei Bücher, zwei Kinder, zwei unterschiedliche Familien, zwei Geschichten darüber, wie Eltern zu Kindern kommen. Zwei Mal kinderfreundliche Erklärungen, die darauf verzichten, die Mär von Zweigeschlechtlichkeit und Vater-Mutter-Kind-Familien zu zementieren.

Wie Single-Vater Tobias mit Lotta schwanger wurde, erfährst du in „Wie Lotta geboren wurde“.

Die Geschichte fängt bereits vor seiner Schwangerschaft an, erzählt von Tobias Hobbys und seinen Freund_innen. Ein Freund schenkte ihm die Samen, die er benötigte, um Lotta zu bekommen. Dass Tobias vermutlich ein trans* oder inter* Mann ist und weshalb er eine Gebärmutter hat, wird nicht unnötig thematisiert. Stattdessen betont das Büchlein Tobias' Vorfreude – und wie er zusammen mit Freund_innen und Verwandten jubelte, als Lotta endlich auf der Welt war.

„Maxime will ein Geschwister“! Oder gleich mehrere. Dabei ist für ihn das Geschlecht des potentiellen Geschwisterchens gänzlich irrelevant und wird nicht mal angesprochen. Macht einfach mal, Mamis! Die beiden Mütter sind einverstanden, greifen zur anonymen Samenspende und neun Monate später kann Maxime sein Geschwister Nikola im Arm halten.

Test

Beide Bücher behandeln eine ähnliche Thematik und eignen sich beide dafür, Kindern zu erklären, wie sie auf die Welt kamen, ohne ihnen dabei gleich cissexistische Unwahrheiten à la „alle Frauen können schwanger werden, alle Männer können das nicht“ aufzutischen. Auch die Mär von der Familie, die unbedingt genau einen Vater und genau eine Mutter bräuchte, bleibt den Kindern so erspart. Ein klares Plus für alle Kids: Sowohl für die, deren Familie nie in Kinderbüchern vorkommt, als auch für alle anderen, die so ein bisschen über den Tellerrand raus schauen können, von Kindern bis Erzieher_innen. Je nach Alter der Kinder können sie auch als Anstoß dienen, über Geschlecht zu sprechen: z.B. warum wir bei jedem Menschen unbedingt das Geschlecht wissen wollen. Oder warum die meistern Eltern auf „Bruder oder Schwester“ beharren, statt einfach wie in Maximes Geschichte „Geschwister“ zu benutzen.

Die Erklärungen zum Ablauf einer Schwangerschaft sind liebevoll und kleinkindgerecht. Körperteile sind weniger wichtig als das Wesentliche: Die Freude, die mit den Kindern und dem Kinderbekommen verbunden ist. So dass jedes Kind weiß: Die Hauptsache ist, dass meine Eltern sich bewusst für mich entschieden haben und sich darüber freuen, dass es mich gibt!

Auch die Vielfalt von möglichen Bezugspersonen und Familienformen wird betont. Nicht nur Maxime und seine Mütter oder deren Verwandten freuen sich über das Baby , sondern auch Mitbewohner_innen und Freund_innen sind gleichberechtigt dabei. Nicht angesprochen, aber gezeigt wird, dass nicht alle in einer Familie die gleiche Hautfarbe haben müssen: Maxime ist ebenso wie eine seiner Mütter Schwarz, Baby Nikola und die andere Mutter weiß.

Der Zeichenstil der Bücher ist liebevoll minimalistisch auf das Wesentliche reduziert. Verbunden mit tuscheähnlicher Zeichnung spricht das stringente Farbkonzepte sehr an: Keine Hintergründe, als Farben nur Schwarz, Gelb und ein Hauch Rot in Lottas Geschichte, Schwarz, Lila und Grautöne in Maximes Büchlein.

Hinter den Mini-Format-Büchern (13,6 x 13,6 cm) steht der neue, reichlich queere Zwei-Personen-Verlag „Atelier 9 ¾“ , der sich auf Comics und Kinderbücher spezialisiert hat.  „Wie Lotta geboren wurde“ gibt es sogar schon auf Schwedisch.

Non Chérie studiert mitunter versehentlich an der Universität Wien, macht meist feministisches Gedöns und queeren Krempel.

Beide Bücher könnt ihr euch auch gleich ausleihen – in der queer_feministischen Bibliothek der ÖH Bundesvertretung. Dort gibt es einen ganzen Schwerpunkt zu nicht-normativen und queerfreundlichen Kinderbüchern für verschiedene Altersstufen und zu diversen Themen. Schaut vorbei.

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Kommentare

Hi, es gibt außerdem noch das Buch "Wie entsteht ein Baby?" (original: "What makes a baby?"), in dem das Ganze sehr allgemein beschrieben wird, mit sehr vielen sehr bunten Bildern. Die Vorlesenden müssen seeehr viel selbst erklären, das ist auch so gedacht. Hier ist die Website: http://www.what-makes-a-baby.com/ :)
Huhu Julia, vielen lieben Dank für deinen Tipp! Habe das Buch gleich mal in der deutschen Version für den Kinderbücherschwerpunkt der Bibliothek von FemRef und queer_ref bestellt :).
Zu dem Buch gab es auch eine Rezi von uns: http://www.progress-online.at/artikel/aufkl%C3%A4rung-f%C3%BCr-alle
"So das jedes Kind weiß..." Ist die Einhaltung von Grammatik und Rechtschreibung auch sexistisch oder habt ihr keinen Lektor?
Danke für den äußerst informativen Kommentar zu einem Tippfehler. Wir haben ihn korrigiert. Und tatsächlich, wir haben zufälligerweise nur Lektorinnen!
Ich empfinde die Betonung des Geschlechts Ihrer Lektor_innen als ziemlich sexistisch.
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Eine Familie besteht aus Vater, Mutter und den eigenen Kindern. Idealerweise sind Vater und Mutter verheiratet, lieben einander und leben in einer stabilen Liebesbeziehung. Alles andere ist lediglich der unvollständige Versuch, Familie zu kopieren.
Was ist mit Oma und Opa? Passen Sie auf, dass die das nicht lesen, sonst werden sie ganz schnell enterbt! Aber im Ernst: Glauben Sie das eigentlich selbst oder waren sie seit 1955 nicht mehr vor der Tür?
nur weil etwas alt ist, ist es nicht schlecht. haben sie schon mal aristoteles gelesen? familie ist ein schönes ideal, ähnlich wie gerechtigkeit, ...
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Ich war 1955 noch nicht geboren, wuchs aber in einer intakten und normalen Familie auf. Diese "heteronormative Kackscheiße" hat mir nicht geschadet. Normale Familien sind einfach natürlich und haben sich seit jahrtausendelang bewährt. Die ganze Genderwissenschaft ist nur ein Hype und hat sich in ein paar Jahren erledigt.
Na hoffentlich sind sie nicht unnatürlich per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Oder tragen eine unnatürliche Brille (auch das ist nur ein neumodischer Hype) oder gar Schuhe. Immerhin hat es sich jahrtausendelang bewährt, barfuß herum zu laufen! Und: Glauben Sie eigentlich wirklich, dass was gut für sie ist, automatisch für alle anderen auch gut sein muss? Wie egozentrisch kann eins sein …
Ich werd dann, wenn ich heim fahre, meinrr jahrelang alleinerziehenden Mutter wohl leider sagen müssen, dass wir keine Familie sind... "Spaß" beiseite: Bitte so kruse Weltvorstellungen überdenken. Sie verletzen und entsprechen kaum der Realität vieler Menschen. Familie ist und kann viel mehr sein. Und das ist doch was positives. Grad f Konservative ;)
Oha. Kein Vater? Jungfrauengeburt?
Haben Sie schon mal davon gehört, dass es Männer gibt die zuerst ein Kind zeugen und dann nichts davon wissen wollen? Sowas gibt's auch...ja ganz im Ernst. Wie "kurzsichtig" muss man sein um das nicht zu sehen...schon einige Jahre, gibt es eine steigende Tendenz bei alleinerziehenden Elternteilen und mittlerweile gibt es jenes öfters als eine "intakte" Familie (Mann, Frau & Kind,...) Mir kommt es einfach so vor, als könne ein gewisser Teil der Männerwelt nicht damit umgehen, dass sie nicht mehr unbedingt für Frauen notwendig sind um eine Familie zu gründen. Das ist nur das gekränkte Ego...also lasst bitte diese kläglichen Hilferufe als stärkeres Geschlecht sein...und erkundigt euch zuerst über Fakten, bevor ihr über andere urteilt ;)
mag sein, nur werd ich ihnen nicht zustimment solange sie mich nicht mit wahren argumenten davon überzeugen können ein lächerliches berufen auf tradition und die "es ist so weil es so ist" lasse ich nicht gelten
"Ein Geschwister": Ungerechtigkeiten werden nicht aus der Welt geschafft, indem man Unterschiede wegdenkt bzw. als Kontruktion abtut. Es gibt Unterschiede (z.B. Geschlecht) und das Leben kann sehr schön sein, wenn wir lernen mit ihnen umzugehen. Da muss nichts abwertendes dabei sein.
ps: bitte habt erbarmen bzgl. tippfehler
der einzig relevante unterschied ist, dass ein pimmel in die muschi passt und nicht umgekehrt ansonsten sind wir frei unser leben ohne rücksicht auf gendernormen zu gestalten
Ich lese gerne, doch zerstört der _ das Textbild. Unerträglich! Entweder kommt es zu einer Einigung und der _ fällt oder die Deutsche Rechtschreibung übernimmt einfach eine simple Regel aus dem Lateinischen/Spanischen/Italienischen...
Im Übrigen: "und wie er zusammen mit Freund_innen und Verwandten jubelte" Dieses selektive anwenden der Grammatik macht keinen Sinn. Hier zwei Vorschläge: "und wie er zusammen mit Freundinnen und Verwandtinnen jubelte" "und wie er zusammen mit Freunden und Verwandten jubelte" "Maxime will ein Geschwisterlein" würde auch besser klingen.
Ich finde es ja eher verwirrend, wenn ich Dinge wie "der weibliche Erzieher" lese. An den Gendergap_ oder das Sternchen habe ich mich gewöhnt. Denken Sie nur an die "neue deutsche Rechtschreibung": Groß war die Aufregung, heute haben sich alle daran gewöhnt. Sprache ist flexibel, genauso wie Familie.
Es gibt nur Vater, Mutter und hoffentlich mehr als ein Kind in unserer Kultur, die zusammenleben und eine Familie bilden koennen. Der Rest ist sicher auch gegeben, von euch aber - wie immer - gnadenlos ueberrepraesentiert, und auszerdem keine Familie.
10,9 % der mit Kindern unter 18 Jahren leben in Deutschland in sogenannten "Stieffamilien", das was heute gemeinhin "Patchworkfamilie" genannt wird. 16 % der Kinder leben in "Ein-Eltern-Familien". Aber ja, alles "überrepräsentiert." Vor allem, da es hier um eine Rezension eines Kinderbuches geht. Wenn Bücher über den Weltuntergang rezensieren, repräsentieren wir dann auch Weltuntergänge über? Insgesamt muss ich doch sehr lachen, wie viele Menschen sich von einem simplen Kinderbuch, das eine andere Realität als die eigene darstellt, angegriffen fühlen.
Auch in "Stieffamilien" oder "Patchworkfamilien" gibt es einen Vater und eine Mutter die zusammengekommen sind. Leider nicht für lange. Mit den eigenen Eltern aufwachsen zu können, ist ein wunderschönes Ideal. Es wird nicht ohne Grund von so vielen hochgehalten. Früher oder später beginnt man (frau) nach ihnen zu suchen. In der Praxis sind "Stieffamilien", "Zieheltern" etc. komplizierte Konstellationen, die viel zusätzliche emotionale Arbeit aller beteiligten erfordern. Die meisten Menschen sind schon mit der Vater-Mutter-Kind-(Groß/Schwiegereltern)-Konstellation gefordert. :) Darüber hinaus rechtfertigen diese Statistiken in keiner Weise das "Ich bekomme ein Geschwister"-Umerziehungsprogramm.
Zwei sehr dünne Kinderbücher sind also ein "Umerziehungsprogramm". Ich lache immer noch.
Bitte verkaufens uns nicht für dumm. Man muss nur zwei Augen im Kopf haben um zu bemerken, dass es sich bei dem Thema nicht nur um "zwei sehr dünne Kinderbücher" sondern um intensive Wissens- und Ideologieproduktion handelt.
Vielleicht klicken Sie die Links zum Verlag mal an und versichern sich, dass es sich nur um zwei Kinderbücher handelt?
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Hier sachlich zu bleiben ist schwierig. Warum kann Familie nicht einfach Familie bleiben. Die einzig logische Schlussfolgerung die ich habe ist, dass irgendwann alles gleich ist.. ziehen wir uns doch alle grau an um keinen zu diskriminieren. Nur Langeweile und den Kindern ist auch nicht geholfen...
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Leute, bitte! Also 1.: Es ist gut und sinnvoll, dass auch Kinder, die nicht in "normalen" Familien aufwachsen erklärt bekommen, woher sie kommen. Dass es für diese Kinder ein eigenes Buch gibt ist doch schön! Das sorgt auch dafür, dass den Kindern gezeigt wird: Mit euch ist alles in Ordnung, mit euch stimmt alles, ihr seid richtig, wie ihr seid. Eure (Stief/Adoptiv/leiblichen) Eltern haben euch gewollt, ihr werdet (hoffentlich) geliebt. Und auch das Leben eurer (...)Eltern ist völlig in Ordnung, weil jeder so leben können soll, wie er/sie möchte. Weil es schön ist, diese Freiheit zu haben und niemandem schadet und keinem weh tut. Und 2. ganz ehrlich: Wenn ihr, die ihr ein lesbisches/schwules/trans-gender/feministisches-was auch immer Leben lebt, wollt, dass andere euch ernst nehmen und respektieren, dann geht bitte selbst auch respektvoller mit den Lebensentwürfen anderer Menschen um. Entweder alle diese Lebensentwürfe sind in Ordnung oder keiner. Ungerechte Behandlung führt zu einer Gegenreaktion, ich weiß. Und leider habt ihr es noch lange nicht so leicht, wie ihr es haben solltet. Mit verhärteten Fronten hat nur keiner was gewonnen. Was ich damit sagen will: Liebt euch gegenseitig, liebt eure Kinder, habt Respekt voreinander. Damit ist allen geholfen.
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Mir wurde der Link zu diesem Artikel geschickt. Mir ist schon klar, dass es sich um eine ÖH-Seite handelt. Aber der Text ist Satire, oder?
Es handelt sich um eine Rezension bestehender Kinderbücher. Was Sie wüssten, wenn Sie den Text gelesen und nicht gleich kommentiert hätten.

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