• 21.09.2012, 11:22

progress schnuppert in die österreichische Poetry-Slam-Szene. Stoff geben jahrelange Erfahrungen und Erlebnisse von Österreichs Poetry-Slam-„Mama“ Mieze Medusa, U20-Slam-Meisterin Yasmin Hafedh und Slam Newcomerin Mara Ban.

progress schnuppert in die österreichische Poetry-Slam-Szene. Stoff geben jahrelange Erfahrungen und Erlebnisse von Österreichs Poetry-Slam-„Mama“ Mieze Medusa, U20-Slam-Meisterin Yasmin Hafedh und Slam Newcomerin Mara Ban.

DER WETTBEWERB. Das A und O im Poetry Slam. Ob bei lokalen Poetry Slams, beim Ö-Slam oder direkt bei den Meisterschaften - ohne Wettbewerb kein Slam. Auch wenn der Grundsatz lautet: „Vom, fürs und mit dem Publikum“, kann es nur eineN GewinnerIn geben. Wer als ErsteR drankommt, hat es am Schwersten. Hier kommt das sogenannte „Opferlamm“ ins Spiel. Dieses wird zu Beginn dem Publikum zum Fraß vorgeworfen. Wenn man aber doch mal als ErstgereihteR gewinnt, ist die Freude groß. Alle SlammerInnen wollen MeisterIn werden; nur nicht Yasmin Hafedh, die will es ein zweites Mal werden. Nicht zu verwechseln ist die/der MeisterIn mit dem/der Slam-MasterIn. Die/Der ist da, damit alles rund läuft. Die Startplätze zu ziehen, einem lahmen Publikum einzuheizen oder ihnen das angemessene Kleingeld aus der Tasche zu ziehen – davon kann Mieze Medusa einen Text slammen.

DIE OFFENE BÜHNE. Ein wichtiges Prinzip, auf das sich das Poetry-Slam-Konzept stützt: Sagen darfst du alles - aber die anderen auch. Durch die unmittelbare Reaktion des Publikums kann die offene Bühne auch zum Gericht werden. Geurteilt wird sofort. Auch SlammerInnen untereinander scheuen nicht vor ihrem Recht zurück, im Positiven wie im Negativen. Für Mieze Medusa wird’s bei Rassismus und Sexismus aber dann doch heikel. Als Slam-Masterin und Organisatorin scheut sie sich nicht, zu kommentieren. Klare Sache. Aus Erfahrung kann Yasmin Hafedh aber sagen, dass diskriminierende SlammerInnen meist nur ein Mal das Mikro in die Hand nehmen, um es dann liegen zu lassen.

DAS PUBLIKUM. Als „hart aber herzlich“ haben Mieze Medusa, Yasmin Hafedh und Mara Ban das Poetry-Slam-Publikum erlebt. Hier gibt’s kein Erbarmen. Reaktionen auf vorgetragene Texte kommen unmittelbar und lautstark. Von Buhrufen bis rasende Begeisterung ist alles dabei. Davon lebt Poetry Slam. Dass man lernt, damit umzugehen, ist Teil des Konzepts. Für Yasmin Hafedh ist Feedbackfähigkeit für längerfristiges Slammen ein Muss. Also nicht unterkriegen lassen, wenn ein Text mal nicht funktioniert! Denn bei jedem Poetry Slam ist auch das Publikum anders.
Verstecken gibt’s nicht! Das gilt für die SlammerInnen wie für das Publikum. Wer glaubt, sich bei einem Poetry Slam mit verschränkten Armen zurücklehnen zu können, kann schon mal einen bösen Blick von der/m Slam-MasterIn abfangen.

DER TEXT. Text, Text und noch mal Text! Formregeln gibt’s keine. Nur Gesang soll’s keiner sein. In der Kürze liegt bekanntlich die Würze, und die liegt meist bei fünf, aber maximal bei acht Minuten. Grob werden beim Poetry Slam Story Telling, Spoken Word und Rap unterschieden. Beim Story Telling kann man sich schon mal bei der Performance etwas mehr Zeit für einzelne Wörter nehmen. Anders sieht’s bei Spoken Word und Rap aus. Doch nicht nur die Quantität, auch die Qualität des Inhalts zeichnet einen guten Slam-Text aus. Mara Ban schreibt konsequent viel, doch eignet sich nicht jeder Text für die Schärfe eines Poetry Slams. Zwei oder drei sollten’s dann aber schon pro Slam sein. Und immer aus eigener Feder!

DIE PERFORMANCE. Was du hast, ist eine Bühne, ein Mikro, deinen Text und dich. Was du nicht hast, sind Requisiten. Mara Ban weiß aus Erfahrung, dass das meiste an Performance tatsächlich direkt auf der Bühne passiert. Was sich gut anfühlt, bleibt. Für Yasmin Hafedh hat sich ein individueller Performancestil nach und nach herausgeschält. Wenig ist kalkuliert, authentisch soll es sein. Nix ist fix im Poetry Slam: „Immer dann, wenn eine Regel aufgestellt wird, was bei Poetry Slams nicht geht, und was man nie machen darf, kommt ein/e SlammerIn, stellt sich hin, macht genau das und knackt damit das Publikum“, so Mieze Medusa.

DER ORT. Es heißt nicht zu Unrecht, Kärnten sei ein hartes Pflaster für neuere Kunstformen. Mit „Slam if you can“ findet in Klagenfurt nur ein unregelmäßiger Poetry Slam statt. Zu Leiden der Kärntnerin Mara Ban. Für Poetry Slams geht sie dann schon mal ins Exil auf Zeit. Anders sieht’s für die Wienerin Yasmin Hafedh und Wahlwienerin Mieze Medusa aus. Bei sechs koexistierenden Poetry Slams müsste der Umkehrschluss heißen: Wien ist ein weiches Pflaster für Poetry Slam. Doch jeder Veranstaltungsort hat seine eigenen Macken. Als Organisatorin des Poetry Slams Textstrom fühlt sie sich seit Jahren im Wiener rhiz wohl. Ebenfalls in Wien fand Yasmin Hafedh im lokativ eine geeignete Stätte, um ihr Baby D.T.S. Poetry Slam heranzuziehen. Im Wiener Dschungel nimmt sie sich mit U20 Poetry Slam besonders den Slamküken bis 20 an.

DAS LAMPENFIEBER. Dagegen haben sogar unsere drei Slammerinnen kein Rezept. Tipps gibt’s trotz- dem. Die junge Slammerin Mara macht Neulingen Mut: „Wenn man’s machen will, soll man es auf jeden Fall machen!“ Falls doch mal Angst aufkommt, ist es gut, sich vorher zu überlegen, wie man die am Besten rumkriegt. Um es mit Mieze Medusas Worten zu sagen: „Poetry Slam und Sex haben gemeinsam, dass es besser wird, wenn man es öfter macht.” Also: Üben was das Zeug hält!

POETRY SLAM TERMINE
>> poetryslam.at

AutorInnen: Marlene Brüggemann