• 18.03.2021, 16:23

Corona-Härtefonds

Seit 13. März 2020 steht unser aller Leben Kopf. An diesem Freitag wurde der erste Lockdown aufgrund des neuartigen, hoch ansteckenden Virus SARS-CoV-2 verkündet. Spätestens an diesem Tag stand fest, dass das Virus und die zur Eindämmung angeordneten Maßnahmen gravierende Spuren in unserer Gesellschaft hinterlassen würden. 

Die Corona-Krise und ihre psychischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen treffen die gesamte Bevölkerung. Doch knapp ein Jahr nach der Verkündung des ersten Lockdowns steht fest, dass Menschen unter 30 Jahren besonders hart von den Auswirkungen der Krise betroffen sind. Unter ihnen spüren vor allem Studierende die Folgen nahezu tagtäglich: Distance Learning, Ausgangsbeschränkungen und daraus resultierende Einsamkeit, weil man weder Studienkolleginnen und -kollegen, Freund_innen oder Familie treffen kann, sind nur ein Teil der vielen Einschränkungen, mit denen Studierende zurechtkommen müssen.

Auch wenn seit Beginn der Pandemie in nahezu allen Altersgruppen ein Anstieg der Betroffenen von Ängstlichkeit und Suizidgedanken beobachtet werden kann, treten diese bei jungen Menschen seit April in größerem Maße auf als bei älteren Menschen. Frauen sind hiervon sogar noch stärker betroffen als Männer.

Die wirtschaftlichen Folgen der Krise spürt vor allem die junge Generation. 

Besonders belastend ist nicht nur die Einschränkung sozialer Kontakte, sondern auch Zukunftsängste, denen sich junge Menschen auch ohne globale Pandemie stellen müssen. Jobsuche, Konkurrenzkampf am Arbeitsmarkt und niedrige Einstiegsgehälter haben jungen Menschen schon vor der Corona-Krise das Berufsleben erschwert. Jüngere arbeiten oft in prekären Arbeitsverhältnissen, die leicht gekündigt werden können oder einfach nicht verlängert werden. Die Krise verschärft diese Schlechterstellung. Corona-spezifisch kommt hinzu, dass jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den am stärksten von der Krise getroffenen Branchen überproportional vertreten sind. Vor allem Beschäftigte im Tourismus oder in der Gastronomie, im Handel sowie in der Arbeitskräfteüberlassung haben ihren Job verloren. Auch hier ist es so, dass der Jobverlust mehr Frauen als Männer betrifft.

Es gibt für Österreich bereits Statistiken, die diese neuen Schwankungen am Arbeitsmarkt belegen. Die Arbeitsmarktdaten vom April zeigen, dass die Beschäftigung vor allem bei Jüngeren stark gesunken ist, während sie für die Bevölkerung im Alter von 50+ fast gleich geblieben ist. Zu befürchten ist, dass unsere Generation diese Auswirkungen ihr gesamtes Berufsleben lang spüren wird.

Obwohl bereits viele, auch staatliche, Unterstützungsangebote bestehen, erfüllen oft geringfügig Beschäftigte nicht die Kriterien für deren Gewährung. Hinzu kommt, dass nicht nur Studierende selbst, sondern auch ihr Umfeld von den wirtschaftlichen Folgen betroffen sein können. Sind Lebenspartnerinnen oder -partner, Eltern, Kinder oder andere Nahestehende von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen, wirkt sich dies auch auf die Studierenden aus.

Besonders Studierende mit Kindern, Studierende mit Erkrankungen oder Behinderungen oder eben auch solche, die in der aktuellen Situation den Job verloren haben, mit dem sie ihr Studium finanziert hatten, werden vor große Herausforderungen gestellt.

Soforthilfe durch ÖH-Fonds

Um jenen Studierenden, die durch die Auswirkungen der Corona-Krise in eine finanzielle Notlage geraten sind, finanziell unter die Arme zu greifen, haben bereits im Frühjahr 2020 diverse lokale Hochschulvertretungen Hilfsfonds eingerichtet. Für viele Studierende war diese Hilfe eine dringend notwendige finanzielle Unterstützung. 

Um darüber hinaus ein weiteres Unterstützungsangebot zu schaffen, hat die ÖH Bundesvertretung einen weiteren Corona-Fonds eingerichtet und diesen mit insgesamt 700.000 Euro dotiert. 

Hinter den bisher 1.300 bewilligten Anträgen stehen Schicksale von Studierenden, die durch die Corona-Krise in eine Notlage geraten sind. Die zahlreichen Anträge und unterschiedlichen Lebensumstände zeigen, wie notwendig diese zusätzliche Hilfe in vielen Fällen war. 

Mit den Sommermonaten und der warmen Jahreszeit nahmen auch die Ausgangsbeschränkungen ab, Schanigärten waren geöffnet, Treffen waren wieder erlaubt: Zumindest was die Sozialkontakte betraf, war ein Aufatmen möglich. Eine Verbesserung der finanziellen Situation war jedoch weiterhin nicht absehbar. 

Seit 01.01.2021: Corona-Härtefonds II

Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und ÖH-Vorsitzende Sabine Hanger waren sich daher schnell einig: Es muss weitere Hilfen geben! 

Aus diesem Grund wurde im Dezember 2020 gemeinsam der Corona-Härtefonds II ins Leben gerufen. Dieser Fonds ist mit insgesamt 450.000 Euro dotiert und wird zur Hälfte vom Wissenschaftsministerium, zur anderen Hälfte von der ÖH Bundesvertretung finanziert. Eine Förderung kann seit 01.01.2021 beantragt werden.

 

Antragsberechtigt sind Studierende, die unverschuldet in eine Notlage geraten sind. Das ist der Fall, wenn ihre monatlichen Ausgaben die monatlichen Einnahmen übersteigen und das nicht in ihrer Verantwortung liegt. 

Antragstellerinnen und Antragsteller können maximal 800 Euro erhalten, wenn sie die Voraussetzungen für die Förderung, unter anderem den Nachweis eines adäquaten Studienerfolges, erfüllen und noch keine Unterstützung durch den Sozialfonds der ÖH Bundesvertretung oder durch ihre lokale Hochschulvertretung erhalten haben.

Wie kannst du einen Antrag stellen?

Die genauen Details zu den Antragskriterien, Formulare und alle weiteren Infos findest du auf der ÖH-Webseite (www.oeh.ac.at).

 

AutorInnen: Jennifer Pietsch