• 20.06.2017, 22:04
Wer hat behauptet, dass sich Philosophie nur in miefigen Uni-Hörsälen, in zentnerschweren Büchern oder elitären Talk-Runden auf ORF III oder 3sat abspielen muss?

Wer hat behauptet, dass sich Philosophie nur in miefigen Uni-Hörsälen, in zentnerschweren Büchern oder elitären Talk-Runden auf ORF III oder 3sat abspielen muss? Auch in der Pop-Kultur hat sie sich – meist unsichtbar – eingenistet. Das zeigt Philosophin und Kulturjournalistin Catherine Newmark in dem von ihr herausgegebenen und mitgeschriebenen Sammelband: „Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie“.

18 AutorInnen analysieren George Lucas’ siebenteilige Science-Fiction-Filmserie nach Denktraditionen von Descartes, Hobbes und Co. – abgepackt in extrem kurze Kapitel, um postmoderne Leser_innen nicht zu überfordern. Dabei werfen sie Fragen auf, die sicher vielen „Star Wars“-Nerds schon Schmerzen in den Gehirnwindungen bereitet haben, wie etwa: Wie ist es eigentlich möglich, dass die menschlichen „Star Wars“-Held_innen so locker flockig mit Chewbacca und R2D2 kommunizieren? Immerhin bestehen deren Sprachen nur aus Brüll- und Pfeiflauten. Und was hätte der Sprachphilosoph Wittgenstein zu diesem Phänomen gesagt? In den frühen Episoden (IV bis VI) treten die Jedi als zurückgezogene und apathische Outcasts auf. Asketisch, nur auf die eigenen Tugenden bedacht, bar jeglichen Anspruchs, die Welt zu ändern. „Sind die Jedi Stoiker?“, fragt sich Catherine Newmark. Das Taschenbuch arbeitet sich aber nicht bloß an den „verstaubten“ Klassiker_innen der Philosophie ab. Auch Gender-Analysen fordern das Weltraum-Märchen heraus. Warum sind fast alle „Star Wars“-Held_innen Männer? Und wieso können Frauen in dieser Chauvi-Veranstaltung nur bestehen, wenn sie ihnen nacheifern und sich beweisen?

Newmarks Buch ist ein Balance-Akt: Von „Star Wars“-affinen Philosophiestudent_innen bis hin zu „Star Wars“-Freaks ohne jeglichen Philosophie- Hintergrund soll für alle etwas dabei sein. Erfolgreich ist sie mit diesem Vorhaben leider nicht immer. Manche Kapitel erfordern sehr viel Vorwissen, an anderer Stelle werden sich philosophisch bewanderte Leser_innen eher langweilen. Aber immerhin: „Viel zu lernen du noch hast“ ist ein intellektueller Appetizer, der streckenweise verdammt unterhaltsam geschrieben ist.

Catherine Newmark
„Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie“
12,99 Euro Rowohlt Taschenbuch Verlag

Johannes Mayerhofer studiert Soziologie und Psychologie an der Universität Wien.

AutorInnen: Johannes Mayerhofer