Kommentar

Protest in progress

  • 29.09.2012, 17:16

Das Studium Internationale Entwicklung an der Uni Wien soll abgeschafft werden – die Studierenden und Lehrenden demonstrieren dagegen lautstark. Doch wie kritisch ist das Studium wirklich und wie unterstützenswert sind die Proteste? Im Pro und Contra gehen die Meinungen auseinander.

 

Das Studium Internationale Entwicklung an der Uni Wien soll abgeschafft werden – die Studierenden und Lehrenden demonstrieren dagegen lautstark. Doch wie kritisch ist das Studium wirklich und wie unterstützenswert sind die Proteste? Im Pro und Contra gehen die Meinungen auseinander.

Contra: Goodbye Bonokids

Die Universität Wien wird zum Wintersemester wohl auf einen neuen Bachelorjahrgang motivierter Internationale-Entwicklung-Studierender verzichten. Auch wenn dies leider einmal mehr Ausdruck von Sparmaßnahmen ist, und daher vor allem auf die gegenwärtige Krise des Kapitals verweist, kann der Einebnung des IE-Bachelorstudiums durchaus etwas abgewonnen werden. So steht doch gerade das IE-Studium für das menschliche Antlitz des grüngewaschenen Kapitalismus: Für einen hübschen Entschuldigungsbrief der Ersten Welt gen Süden, der im Endeffekt aber doch nichts anderes ist als die Freikarte für eine weitere Rundfahrt auf realkapitalistischer Safari.

Da derartige Freikarten aber schlechterdings von eingefleischten Liberalen auszustellen sind, sind es vor allem interventionistische Linke und jungschargestählte KatholikInnen, die sich der globalen Sozialarbeit verschreiben wollen. Geeint darin, im missionarischen Eifer auszuziehen, um für die unmündigen Menschen des Südens die Welt zur Gerechtigkeit zu reformieren. Eine Reformierung freilich, die ganz im Geiste der einstigen Missionare, die bekanntlich mit Glasperlen die Welt beglückten, mit dem schönen Schein die elenden Verhältnisse zum Glitzern bringen will. Eigentlich kann man dies noble Anliegen ja auch niemandem verübeln. Denkt man an die ursprüngliche Akkumulation in Übersee, die Ausrottung und Versklavung von Zigtausenden zu Gunsten der europäischen KolonisatorInnen, erscheint der Wunsch, heute nicht mehr ganz so grobmotorisch durch die Welt zu stampfen, durchaus nachvollziehbar. Aber es wäre schon etwas gemein, den Studierenden hier schlechtes Gewissen oder gar bösen Willen zu unterstellen. Vielmehr muss man wohl davon ausgehen, dass sie wirklich selber glauben, was sie in den Medien zum Besten geben: Dass man im IE-Bachelorstudium mal so richtig querdenken, entwicklungspolitische Diskurse beeinflussen und der neoliberalen Bestie eins auswischen könne. So etwas kommt dabei heraus, wenn JungschargruppenleiterInnen ihr entwicklungspolitisches Engagement im Rahmen von Sternsingeraktionen entdecken. Und genau zu solch einem moralinsauren Blödsinn hat Oscar Wilde in The Soul of Man under Socialism schon alles Nötige gesagt: „Daher tritt man mit bewundernswerten, jedoch irregeleiteten Absichten sehr ernsthaft und sehr sentimental an die Aufgabe heran, die sichtbaren Übel zu heilen. Aber diese Heilmittel heilen die Krankheit nicht: sie verlängern sie bloß. In der Tat sind sie ein Teil der Krankheit selbst.“

Pro: Kritikspektakel

Die hochschulpolitischen Proteste müssen mit laufender Kritik leben und diese verarbeiten. Das kann durchaus produktiv sein und Bewegungen vorantreiben. Dies gilt insbesondere, wenn Protestbewegungen einen lebendigen und emanzipatorischen Bildungsbegriff für sich in Anspruch nehmen. Wenn Kritik allerdings unbeteiligt von außen zugerufen und nicht in die Proteste getragen wird, bleibt sie meist unproduktiv. Nicht selten lauten die Zurufe: Die Forderungen seien zu partikular, die Analyse nicht tiefgehend genug, die zugrundeliegenden Austausch - und damit Ausbeutungsverhältnisse würden nicht berücksichtigt oder der Bildungsbegriff sei oberflächlich. Diese Kritiken können teilweise berechtigt sein oder auch nicht. Oft gehen sie an den unmittelbaren Lebensrealitäten der Beteiligten, die sich in ihre eigenen Angelegenheiten einmischen, aber vorbei. Wenn etwa Beihilfen gekürzt, neue Zugangshürden zum Studium errichtet oder Studienrichtungen gestrichen werden, bedeutet das zunächst einen massiven Einschnitt in das Leben und Studieren der Betroffenen. Dass Protest dann direkt an diesen zündenden Themen entbrennt, ist wenig verwunderlich, ja sogar erforderlich. Auch aus strategischer Sicht ist es regelmäßig notwendig, einzelne Anliegen herauszugreifen, um eine Intervention stark machen zu können. Natürlich müssen die jeweiligen Forderungen laufend kritisch überprüft, kontextualisiert und die Wurzeln ihrer zugrundeliegenden Widersprüche freigelegt werden. Bildungsprotest ist eben auch ein Bildungsprozess. Die Kämpfe der Studierenden der Internationalen Entwicklung haben dies in den vergangenen Jahren recht eindrücklich bewiesen. Je nach Kalkül des Rektorats sollte das IE-Studium einmal ganz, dann wieder nur teilweise abgeschafft werden oder gar in ein Elitestudium umgewandelt werden. Um dagegen anzukämpfen, haben sich die Protestierenden der IE aber nicht nur auf Demonstrationen oder Besetzungen als Methoden beschränkt, sondern die Diskussion rund um den Protest in die eigenen Lehrveranstaltungen getragen und Workshops sowie Guest-Lectures organisiert.

Die Protestierenden selbst, das gilt nicht nur für jene der IE, gestalten den Widerstand oft entgegen der anhaltenden Tendenz der Verschulung universitärer Bildung. Die Proteste werden, ob der anhaltenden Debatten, weitergehen, so viel ist klar. Kritik, die sich dabei darauf beschränkt, von außen und unbeteiligt zuzurufen, wird weiterhin kaum dazu beitragen, die Proteste voranzutreiben. Aber sie wird eines bleiben: Spektakel.
 

FHs abschaffen? Ja! Und auch nein.

  • 29.09.2012, 16:58

Die oftmals vorgebrachte Kritik an Fachhochschulen läuft darauf hinaus, dass sie nicht wissenschaftlich bilden, sich den Anforderungen der Arbeitsmärkte unterwerfen, sie auf schnellen Studierendendurchlauf aus und ihre Entscheidungsstrukturen stark hierarchisch sind.

Die oftmals vorgebrachte Kritik an Fachhochschulen läuft darauf hinaus, dass sie nicht wissenschaftlich bilden, sich den Anforderungen der Arbeitsmärkte unterwerfen, sie auf schnellen Studierendendurchlauf aus und ihre Entscheidungsstrukturen stark hierarchisch sind. An den FHs werden Studierende sowohl als Kund_innen als auch als Produkte behandelt, die es auf dem Markt zu positionieren gilt. Gleichzeitig wird die Studienplatz-Zahl als anhand arbeitsmarktlicher Bedürfnisse objektivierbar dargestellt. Ein früherer FH-Rektor bezeichnete das als „höheres Kaffeesudlesen“. Ebenso problematisch sind die hohe persönliche Abhängigkeit der Studierenden, die starren schulischen Strukturen, die in einer vorgeschriebenen Anwesenheitspflicht gipfeln, sowie die faktisch kaum vorhandenen akademischen Selbstverwaltungsmöglichkeiten (wie zum Beispiel Mitbestimmungsmöglichkeiten der Studierenden).

Das sind Probleme, die allesamt nicht der FH-Zieldefinition einer stärkeren Anwendungsorientierung immanent sind, aber oft als Kern des  FH-Wesensverkannt werden. So wären gerade die Studien der Rechtswissenschaften und der Medizin prototypisch für FHs, werden aber dort nicht angeboten. Sollen die FHs daher abgeschafft werden? Wenn alle Hochschultypen beispielsweise in einen einheitlichen Hochschulraum transformiert werden, bitte gerne. Andernfalls greift die Kritik an den FHs zu kurz, und blendet parallellaufende Entwicklungen an den Universitäten aus.

HIV/AIDS eine chronische Erkrankung?

  • 29.09.2012, 00:21

Der medizinische Fortschritt, der im Bereich HIV/AIDS in den letzten Jahrzehnten erzielt wurde ist beispiellos, ohne Frage. Es sterben – zumindest in den Industrieländern, wo Menschen Zugang zu diesem Fortschritt haben – nicht mehr so viele an AIDS. Die Lebenserwartung ist gestiegen. Möglicherweise liegt sie sogar ebenso hoch wie jene von Menschen ohne HIV-Infektion.

Der medizinische Fortschritt, der im Bereich HIV/AIDS in den letzten Jahrzehnten erzielt wurde ist beispiellos, ohne Frage. Es sterben – zumindest in den Industrieländern, wo Menschen Zugang zu diesem Fortschritt haben – nicht mehr so viele an AIDS. Die Lebenserwartung ist gestiegen. Möglicherweise liegt sie sogar ebenso hoch wie jene von Menschen ohne HIV-Infektion. Den meisten geht es mit ihrer HIV-Infektion deutlich besser. Weniger Medikamente, seltener zu schlucken, weniger zusätzliche Krankheiten. Die Lebensqualität ist gestiegen.

AIDS ist tödlich – aber nicht mehr so. Eine HIV-Infektion ist nicht heilbar – aber behandelbar. HIV ist ansteckend – immer noch!

Dennoch ist die Aussage, eine HIV-Infektion sei eine chronische Erkrankung, vergleichbar mit Diabetes, zynisch. HIV-Positive werden medikamentös behandelt, ebenso wie DiabetikerInnen. Das erhöht die Lebensqualität und steigert die Lebenserwartung. Doch ein Unterschied bleibt: HIV ist ansteckend - immer noch! Menschen, die mit HIV/AIDS leben, werden diskriminiert, stigmatisiert, ausgegrenzt, verlieren Arbeit, Freunde und den Mut. Soziales AIDS heißt das Schlagwort.
Jede/r aufgeklärte Erwachsene weiß heute über die Übertragungswege von HIV Bescheid und dass es möglich ist, sich davor zu schützen. Und dennoch: Das gleiche Geschirr benützen, auf dieselbe Toilette gehen, gleichzeitig in der Sauna sitzen... Trotz Aufklärungsarbeit von mehr als 20 Jahren bleiben die Mythen bestehen. Bei einer Umfrage im Jahr 2006 war sich jede/r fünfte Erwachsene in Wien nicht sicher, ob man sich beim Küssen mit HIV infizieren kann oder nicht.
Kein Wunder, dass viele der Betroffenen mit niemandem über ihre HIV-Infektion sprechen und vollkommen zurückgezogen leben. Kein Wunder, dass die Lebenssituation vieler HIV-infizierter Menschen immer schlechter wird, sie unter psychischen Problemen wie Depressionen und Ähnlichem leiden. Von zehn Betroffenen, die von den SozialarbeiterInnen der Aids Hilfe Wien betreut werden, leben neun unter der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Einkommen dieser Menschen beträgt EUR 570 pro Monat. Aussicht, wieder ins Arbeitsleben einzusteigen und so ihre finanzielle Situation zu verbessern, haben sie so gut wie keine. Denn: Das gleiche Geschirr benützen, auf dieselbe Toilette gehen...

Dr.in Sigrid Ofner, Aids-Hilfe Wien

Die kulinarische Kodifizierung des Terrors

  • 26.09.2012, 01:57

Die Behörden des deutschen Innenministeriums können sich erst nach einer Serie rechtsextremer Morde und Gewalttaten zum öffentlichen Eingeständnis durchringen, dass rechtsextremer Gewalt zu wenig Gefahrenpotential beigemessen wurde.

Die Behörden des deutschen Innenministeriums können sich erst nach einer Serie rechtsextremer Morde und Gewalttaten zum öffentlichen Eingeständnis durchringen, dass rechtsextremer Gewalt zu wenig Gefahrenpotential beigemessen wurde. Die Verstrickungen und personellen Überschneidungen von Verfassungsschutz, Polizei und Neonazis leisten dazu ihren Beitrag und behindern die Aufklärungsarbeit. So erweist sich der in die Jahre gekommene Gemeinplatz, dass auf die Behörden kein Verlass sei, wenn es um antifaschistische Arbeit geht, als krisensicher und brandaktuell. Und nicht nur das: Die Nazi-Connection beim Verfassungsschutz ist seit mindestens zehn Jahren bekannt, und wird noch immer nicht in Frage gestellt.

Strategien der Verharmlosung. Ob die Schuldeingeständnisse, Reuebekundungen und Entschädigungsankündigungen der Justiz und der Polizei mehr als bloße Lippenbekenntnisse sind, wird noch zu zeigen sein. Was jedoch von Anfang an, im schlechtesten Sinne und in besonderer Deutlichkeit, zu Tage trat, sind die Versuche, rechtsextreme Gewalt zu verharmlosen: Zwei spezifische Phänomene, die im Zusammenhang mit der Neonazi-Mordserie häufig zur Geltung kommen, verweisen auf weitaus allgemeinere gesellschaftliche Probleme als „bloß“ kriminalistische Mängel. Es ist die rassistische Rede von „Döner-Morden“, die den Opfern noch den letzten Rest an Würde und Betrauerbarkeit nimmt. Indem die Opfer dieser rassistisch motivierten Morde mit einem kulturalistisch kodifizierten Gegenstand (Döner) gewaltsam identifiziert werden, verlieren sie ihren Status als Menschen. Sie sind tot. Und Döner lassen sich nicht betrauern. In dieser leichtfertigen Rhetorik zeichnen sich bereits die Konturen einer Strategie ab, die sowohl von Rechtsextremen, als auch von denen, die vor deren Auftreten, deren Gewalt, die Augen verschließen und verstummen, angewandt wird.

Alibi. Doch das Entsetzen und die Erschrockenheit über die Details, die nach und nach ans Tageslicht geraten, sind oft vor allem eines: Ausdruck der deutschen Normalität und Zeichen der Verharmlosung der menschenverachtenden Ideologie von Neonazis, NationalistInnen und Rechtsextremer aller Couleur, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. In Österreich hingegen, wo sich die Elite der europäischen Rechten alljährlich in der Hofburg, wohl nicht nur zum Tanze, versammelt, gibt es, wie man meint, keine Probleme mit „diesen“ Rechtsextremen, sitzen sie doch domestiziert im Parlament und in anderen großen Häusern – gleich nebenan. Aber verstellt der Blick auf diese „RepräsentantInnen“ nicht gerade die Sicht auf die, die sie repräsentieren?

An Tagen wie diesem

  • 26.09.2012, 01:45

Am 27. Jänner 2012 ist der 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Truppen. Weltweit wird an diesem Tag der Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie gedacht. In Österreich jedoch findet ein anderes Ereignis statt

Am 27. Jänner 2012 ist der 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Truppen. Weltweit wird an diesem Tag der Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie gedacht. In Österreich jedoch findet ein anderes Ereignis statt: In der Hofburg, in den Prunksälen der Republik, feiert sich der Wiener Korporationsring (WKR) anlässlich seines alljährlichen Balles – unter Vorstand der Burschenschaft Olympia. Diese wird vom Dokumentationsarchiv Österreichischen Widerstands (DÖW) als rechtsextrem und revisionistisch eingestuft.
Am letzten Freitagabend im Jänner hat sich in der Wiener Innenstadt eine ungewöhnliche Tradition eingebürgert: Sie gleicht einer Geisterstadt, der oberirdische öffentliche Verkehr kommt zum Erliegen und ihre einzigen legitimen BewohnerInnen scheinen Polizeikräfte und schlagende Burschenschafter samt Begleitung zu sein. Dieses Jahr hat die dafür verantwortliche Veranstaltung einen besonders schalen Beigeschmack: Der Balltermin überschneidet sich mit dem internationalen Holocaust-Gedenktag, der seit dem Beschluss der UN-Generalversammlung im Jahr 2005 auf den 27. Jänner fällt.
An diesem Tag gelang es der sowjetischen Armee Auschwitz-Birkenau zu befreien, wo Schätzungen zufolge über eine Million Menschen, hauptsächlich Jüdinnen und Juden aus Ungarn, ums Leben kamen. Die sowjetische Armee fand jedoch nur mehr rund 7000 Inhaftierte im Lager vor. Unter den Befreiten befand sich auch Otto Frank, Anne Franks Vater. Weitere 60.000 waren in den Tagen und Wochen zuvor auf Todesmärsche in Richtung Westen geschickt worden.
An diesem Jahrestag wird der schlagende Burschenschafter und Klubchef der Wiener FPÖ Johann Gudenus wohl in der Hofburg tanzen. Für ihn stellt das kein Problem dar, denn er sieht deutschnationale Burschenschaften als bürgerliche Bewegungen. Die dem WKR vorsitzende Verbindung Olympia, welcher auch der dritte Nationalratspräsident Martin Graf angehört, zeigt allerdings mit ihrer Einladungspolitik mit Faible für prominente Holocaustleugner eindeutig, welchen Geistes Kind sie ist. Auf der Gästeliste standen bereits der wohl bekannteste revisionistische Historiker David Irving, der 2005 auf dem Weg zu einer Veranstaltung der Olympia in Wien festgenommen und später wegen Wiederbetätigung verurteilt wurde, sowie die rechtsextremen Liedermacher und NPD-Politiker Michael Müller („(...) mit sechs Millionen Juden fängt der Spaß erst richtig an“).
Hinter der bürgerlichen Fassade sind die antisemitischen und revisionistischen Botschaften leicht auszumachen. Und den schlagenden Verbindungen wird mit dieser Veranstaltung einmal mehr ermöglicht, ihre menschenverachtende Ideologie zu inszenieren. 2013 wird der WKR Ball nach momentanem Stand nicht in der Hofburg feiern dürfen. Damit reagierten die GesellschafterInnen der Hofburg auf den öffentlichen Druck, der sich in den letzten Jahren verstärkte.

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!

  • 13.07.2012, 18:18

Sommer – was war das noch einmal genau?

Sommer – was war das noch einmal genau? Ein Blick ins Lexikon verschafft Klarheit: Sommer der; Jahreszeit zwischen Frühling u. Herbst; wärmste Zeit des Jahres; Meteorologisch ordnet man dem Nordsommer die Monate Juni, Juli und August zu. Davon, dass der Sommer die wärmste unserer vier Jahreszeiten sein soll, konnte in den letzten Wochen allerdings noch herzlich wenig bemerkt werden. Regen und kühle Temperaturen standen auf der Tagesordnung. Doch jenen, die nicht an die Aschewolke als Ursache hierfür glauben, soll gesagt sein: Der Sommer kommt bestimmt und mit ihm auch die oftmals schwierige Frage nach einer geeigneten Ferienplanung. Denjenigen unter uns, die sich ihr Taschengeld heuer nicht durch einen, in der Regel eher bescheiden entlohnten, Ferialjob aufbessern müssen, bei denen aber auch das bereits Angesparte nicht reicht, um groß in der Weltgeschichte herum zu reisen, sei ein Sommer in Österreich nahe gelegt. Denn dieses Land hat in Sachen  Freizeitaktivität weit mehr zu bieten als Après-Ski und Bergsteigen. Zwar ist die Suche nach Strand, Palmen und Meer vergebens. Jedoch lassen Events in den Bereichen Musik, Sport und Kunst (S. 26) so manches Studierendenherz höher schlagen. Auf dass auch ihr das von Goethe angesprochene „Gute“, welches bekanntlich so nah liegt, für euch entdecken und euren Sommer so gestalten könnt, dass er ein unvergessliches Erlebnis wird.

 

Sinn und Unsinn von Praktika

  • 13.07.2012, 18:18

Der offizielle Sinn eines Praktikums während der Studienzeit ist relativ naheliegend: Berufserfahrungen zu sammeln. Doch wird dieses Ziel auch wirklich erreicht und vor allem: Ist dieses Ziel genug, um den oft steinigen Weg zu rechtfertigen? – Ein Kommentar.

Der offizielle Sinn eines Praktikums während der Studienzeit ist relativ naheliegend: Berufserfahrungen zu sammeln. Doch wird dieses Ziel auch wirklich erreicht und vor allem: Ist dieses Ziel genug, um den oft steinigen Weg zu rechtfertigen? – Ein Kommentar.

Viele PraktikantInnen werden als billige Arbeitskräfte missbraucht und nur allzu oft lernen sie dabei nicht einmal sonderlich viel über den eigentlichen Job, sondern bekommen Aufgaben zugeteilt, die sonst niemand machen möchte. Gerade im sozialen Bereich dürfen sie nicht einmal mit einer Entlohnung für ihre Dienste rechnen, und wenn, dann ist es meist eher angebracht, diese kleine Summe als Entschädigung zu bezeichnen denn als tatsächlichen Lohn. Aber auch hier bestätigen natürlich Ausnahmen die Regel: Einige wenige glückliche PraktikantInnen können gleich mit dem Einstiegsgehalt von regulären MitarbeiterInnen in einem Betrieb anfangen. Da dies aber eben leider nur die Ausnahme ist, stellt sich die Frage: Warum sollte ich tun, was von mir verlangt wird, wenn ich dies absolut nicht will und ich noch nicht einmal dafür entlohnt werde? In einigen Studienrichtungen sind Praktika ja verpflichtend. Gerade hier und wiederum gerade im Sozialbereich ist die Wahrscheinlichkeit, dafür bezahlt zu werden, sehr gering. Dafür ist allerdings ein anderer Ansporn gegeben: Du wirst für das, was du tust, bewertet und diese Bewertung fließt in den Studienerfolg ein. Wenn ich jedoch aus eigenem Antrieb ein Praktikum mache und mir dieses dann nicht zusagt, ich das Gefühl habe, bloß ausgebeutet zu werden – was hält mich davon ab, alles sofort wieder hinzuschmeißen, wenn ich dafür weder sinnbringende Erfahrung, noch verwendbare Kontakte, noch Geld bekomme? Ich würde sagen, nichts. Also, fades Praktikum ade, ich wende mich lieber einem anderen zu, das mir Spaß macht. Und vielleicht gibt’s als i-Tüpfelchen sogar noch ein bisschen Bares oben drauf. Studierende haben’s ja schließlich nicht unbedingt so dick.

Der richtige Zeitpunkt. Ob es überhaupt notwendig ist, während des Studiums Berufserfahrung zu sammeln, ist eine andere Frage. Eigentlich sollte ein Studium an sich schon genug Vorbereitung auf das Berufsleben bieten, vor allem die Bachelorstudiengänge, die sich ja genau damit so sehr zu rühmen versuchen. Ich halte es allerdings sehr wohl für sinnvoll, sich das wirkliche Leben außerhalb der Uni oder FH einmal anzusehen, bevor sie eineN sozusagen ins kalte Wasser schmeißen. Klug wäre es wahrscheinlich auch, dies nach einer nicht allzu hohen Semesteranzahl zu tun. Wenig ist zermürbender als mit einem Studienabschluss in der Tasche in einem Beruf zu landen, von dem du dann herausfinden musst, dass er nicht das Richtige für dich ist. Außerdem kann es natürlich auch bereits während der Ausbildung nicht schaden, sich gewisse Bänder zu knüpfen.

Kontakte knüpfen. Im Zuge eines Berufspraktikums erschließt sich die Möglichkeit, nicht nur einen Arbeitsbereich und die wirkliche Arbeitswelt kennen zu lernen, sondern auch gleich einige Pfade auszutreten, deren Betreten nach dem Studium dadurch erleichtert wird. Und wenn du nach dem Studienabschluss schon weißt, welches Arbeitsklima und welche KollegInnen dich im Beruf erwarten, dann ist die wirkliche Welt doch gleich um einiges weniger anonym und beängstigend. Selbst wenn ich in einem Praktikum herausfinden sollte, dass ich diese Arbeitsstelle sicher nie wieder betreten möchte, so bin ich zumindest um diese Erfahrung reicher geworden und weiß, wo ich mich später nicht mehr bewerben muss. Auch die umgekehrte Variante des Kontakte-Knüpfens ist sicherlich nützlich: In einem Betrieb, in dem ich schon gearbeitet habe, muss ich nicht mehr lange getestet und eingeschult werden, sondern ich kann direkt dort eingesetzt werden, wo ich gut bin. Dies ist sowohl ein Argument für den Betrieb, mich zu nehmen, da die dortigen MitarbeiterInnen sich dadurch natürlich Arbeit sparen und auch für mich selbst vorteilhaft, weil ich schon weiß, was ich hier machen kann und möchte.

Was können GenossInnenschaften heute schaffen?

  • 13.07.2012, 18:18

Bereits das Wort GenossInnenschaft klingt schon nach verstaubtem Gerümpel am Dachboden der Großelterngeneration. Ein genauerer Blick auf die Geschichte dieser Zusammenschlüsse ergibt, dass der erste Eindruck nicht getäuscht hat.

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Bereits das Wort GenossInnenschaft klingt schon nach verstaubtem Gerümpel am Dachboden der Großelterngeneration. Ein genauerer Blick auf die Geschichte dieser Zusammenschlüsse ergibt, dass der erste Eindruck nicht getäuscht hat. GenossInnenschaften gibt es schon lange. Der Grundgedanke ist seit damals gleich geblieben. Die Mitglieder sind gleichzeitig auch BesitzerInnen und KapitalgeberInnen. Entscheidungen werden demokratisch getroffen.
GenossInnenschaften sind trotz ihrer langen Geschichte aber keinesfalls reif für den Müllcontainer. Ganz im Gegenteil. Auch wenn manche bekannte Vereinigungen zu großen Firmen herangewachsen oder bereits wieder in der Versenkung verschwunden sind, bilden sich weiterhin auf der ganzen Welt neue GenossInnenschaften. Sie versuchen, ihren Mitgliedern wirtschaftlich unter die Arme zu greifen oder bessere Arbeitsbedingungen für sie zu schaffen.
Diese Ziele klingen nach Weltverbesserung. In einigen Bereichen gelingt das auch. Fairtrade ist wohl das bekannteste Beispiel dafür, dass durch faire Entlohnung bessere Lebensbedingungen für ganze Dörfer geschaffen werden können. Das Vorleben von neuen Formen der Produktion und des Konsums trägt mit Sicherheit dazu bei, Impulse für die Wirtschaft außerhalb der GenossInnenschaften zu geben.
Gleichzeitig erschleicht einen bei der Beschäftigung mit dieser Form von Zusammenarbeiten und Konsumieren auch ein wenig das Gefühl, dass viele dieser neuen Co-Ops, die es auch in Österreich gibt, zwar von einer besseren Welt träumen, diese aber nur im kleinen Kreis für ihre Mitglieder schaffen. Ein Umsturz des kapitalistischen Systems ist über die Grenzen der eigenen Vereinigung hinaus nur schwer bewirkbar. Hinzu kommt noch, dass viele der neuen GenossInnenschaften eine eingeschränkte Zielgruppe haben – die Bevölkerung der gehobenen Schichten kann so ohne schlechtes Gewissen einkaufen und hat dabei noch das Gefühl, die Welt zu verändern. Mit fair gehandelten und demokratisch produzierten Produkten wollen sie zeigen, dass sie trotz voller Geldbörse nicht auf die Probleme dieser Welt vergessen haben. Ein Statussymbol also für ein paar wenige, die es sich leisten können.
Das bewusste Konsumieren darf nicht die einzige engagierte Tat bleiben, wenn das derzeitige ausbeuterische System verändert werden soll. Allerdings sind GenossInnenschaften ein wichtiger Schritt in Richtung einer Gesellschaft, in der alle Menschen ihre Umwelt demokratisch mitgestalten können, und sie schaffen heute schon faire Arbeitsbedingungen.

Wider dem Winterschlaf

  • 13.07.2012, 18:18

Wir haben ja nicht mehr daran geglaubt, aber kürzlich ist das Unfassbare geschehen

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Wir haben ja nicht mehr daran geglaubt, aber kürzlich ist das Unfassbare geschehen – der Frühling hat sich angekündigt. Und so wie die Umwelt mit neuem Elan drangeht, den grauen Winter zu verdrängen, tun sich auch in der ÖH neue Projekte auf. Wir starten mit aktualisierten Broschüren, frischen Kampagnen und großen Kongressen ins Semester (die entsprechenden Berichte findet ihr wie immer im Blattinneren).
Im Gegensatz zu uns ist die Politik noch im Winterschlaf, hochschulpolitische Innovationen sind momentan nicht in Sicht. Aber zumindest eine neue Ministerin haben wir bekommen – Beatrix Karl ist seit geraumer Zeit für die österreichischen Unis und FHs verantwortlich. Noch sieht es nicht so aus, als würde sie die Hochschulpolitik revolutionieren, aber wer weiß, vielleicht erwartet uns ja das Unerwartete. Von „more of the same“ haben wir jedenfalls die Schnauze voll, darauf lautstark hinzuweisen wird unsere Aufgabe in den nächsten Monaten sein.
Auch der Studierendenprotest hat eine Frühlingsmetamorphose hinter sich, er hat sich europäisiert und international vernetzt. Während 46 BildungsministerInnen Anfang März den Erfolg des Bologna-Prozesses präsentieren, zeigen zwischen 11. und 14. März Studierende aus verschiedensten Ländern, warum die europäische Bildungspolitik keinesfalls ein Grund zu feiern ist.
Mit der Rückkehr des Sonnenscheins steht auch ein neues Semester vor der Tür. Wir wünschen euch viel Durchhaltevermögen im alltäglichen Studi-Wahnsinn - don‘t let the system get you down!

Karl hat viele Versprechen einzulösen

  • 13.07.2012, 18:18

Beatrix Karl wird in manchen Zeitungen mit Claudia Schiffer verglichen. Ein Vergleich, der die neue Wissenschaftsministerin nicht stört, wie sie sagt.

Beatrix Karl wird in manchen Zeitungen mit Claudia Schiffer verglichen. Ein Vergleich, der die neue Wissenschaftsministerin nicht stört, wie sie sagt. Weniger gerne wird Karl wohl mit ihrem Vorgänger verglichen, dem glücklosen Johannes Hahn. Ob dieser auch wegen dem Druck der Audimax-BesetzerInnen nach Brüssel geschickt wurde, ist eine Frage für ZeithistorikerInnen. Fest steht jedoch: Beatrix Karl wurde ins Amt bestellt, um die Ruhe auf den Universitäten wieder herzustellen. Ob ihr das gelingt, hängt von ihrem Geschick ab, und von uns, den Studierenden.
Karls Vorstellung davon, wie die Hochschulen aussehen sollten, ist klassische ÖVP-Ware. Die Fachhochschulen denkt sie als bessere Lehrstellen. An den Universitäten sollen Zugangshürden die Reihen der StudentInnen lichten. Auch kritisierte Karl in Interviews kurz nach ihrer Amtseinführung die Besetzung von Hörsälen als illegitim. Dennoch muss die Wissenschaftsministerin ein Interesse daran haben, mit den Studierenden zu verhandeln und ihre demokratische Vertretung zu stärken: Sie wird die Studis von der Straße wegholen wollen, und an den Verhandlungstisch bringen. Scheitert sie damit, wird sie ihr Amt ebenso geschlagen verlassen wie ihr Vorgänger.
Die Voraussetzungen für erfolgreiche Verhandlungen sind durchaus gegeben. Zwischen der Ministerin und der Studierendenbewegung gibt es Schnittmengen. Studienplätze will die Ministerin in Zukunft ausfinanzieren, also den Unis für jeden einzelnen Studierenden Geld geben. Bisher gab es für die Hochschulen nur einen Pauschalbetrag, egal wie viele inskribierten. Auch sollen die durch die Einführung des Bachelors vollgestopften Studienpläne wieder entrümpelt werden. Die Studierenden könnten dann mehr freie Wahlfächer machen und damit Raum für die freie Entfaltung ihrer Interessen haben. Sollten das nicht nur liberale Duftmarken zum Amtsantritt sein, sondern ernst gemeinte Versprechen, bleibt von Beatrix Karl womöglich einmal mehr in Erinnerung als ihre Ähnlichkeit mit Claudia Schiffer.

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