Sara Schausberger

Der Weltuntergang, eine grausame Idylle

  • 25.06.2015, 11:40

Die Katastrophe bahnt sich langsam ihren Weg in „Winters Garten“. Valerie Fritschs Roman beginnt mit Antons Kindheit, die er in einer Idylle von Haus- und Gartengemeinschaft verbringt.

Die Katastrophe bahnt sich langsam ihren Weg in „Winters Garten“. Valerie Fritschs Roman beginnt mit Antons Kindheit, die er in einer Idylle von Haus- und Gartengemeinschaft verbringt.

Die Großeltern sind ihm näher als die Eltern, die Erwachsenen kümmern sich gemeinschaftlich um die vielen Kinder und auch mit den Toten wird mit einer Selbstverständlichkeit umgegangen, die es nur in einer Gesellschaft geben kann, die mit den Gesetzen der Natur sehr vertraut ist. Selbst die Fehlgeburten der Großmutter stehen in  großen  Einmachgläsern in  der Speisekammer.

Fritschs Roman ist wie ein Stillleben in Worten. Etwas Entrücktes haftet den Orten und Ereignissen an, die keine zeitliche  und  örtliche Einordnung erfahren. Anton verschwindet nach dem Tod der Großmutter wortlos. Er zieht in die Stadt am Meer, wo er exotische Vögel am Dach eines Hochhauses züchtet. Die Stadt ist der Kontrast zur Kindheitsidylle. Die Gemeinschaft ist dem Alleinsein gewichen, Anton ist einsam und er hat noch nie  geliebt.

Es dauert bis man das Untergangsszenario begreift. Weitgehend poetisch sind Fritschs Formulierungen, wenn sie die Welt beschreibt, in der alles aus den Fugen gerät. Wilde Tiere, Elefanten und Giraffen, haben sich in die Stadt verirrt, Kinder bringen den Erwachsenen das Schießen bei und im Radio heißt es, man solle sich nicht an den Massenselbstmorden im  Park beteiligen.

Kurz bevor die Welt untergeht, verliebt sich Anton in Friederike, die als Freiwillige in einer Geburtenklinik arbeitet. Hier tauchen zwischen all den schönen Worten interessante Fragestellungen auf: Was ist Liebe, wenn man weiß, dass in wenigen Wochen alles zu Ende ist? Und wie soll man dann noch ein Kind in diese Welt bringen?

Manchmal rückt die geschönte Sprache  zu sehr in den Vordergrund und man sehnt sich nach ein bisschen weniger Sprach-Idylle. Stellenweise verliert sich der Text in Stereotypen, wie zum Schluss, wenn die Brüder Anton und Leander mit ihren Frauen in den Garten ihrer Kindheit zurückkehren: Die Männer heizen den Ofen mit trockenen Ästen an, während die Frauen sich mit großer Selbstverständlichkeit um das Kind kümmern. Insgesamt aber ist der 1989 geborenen Valerie Fritsch ein interessantes Debüt gelungen. Zurecht wird sie dieses Jahr beim Bachmann-Wettbewerb  lesen.

Valerie Fritsch: „Winters Garten“
Suhrkamp,  154 Seiten
17,50  Euro, E-Book 14,99  Euro
 

Sara Schausberger ist freie Journalistin und hat  in Wien  Germanistik studiert.

An die Wand fahren

  • 26.03.2015, 08:36

Der Nullpunkt kommt früh in Leylas Leben. „Man braucht nicht auf die Midlife-Crisis zu warten, man kann sein Leben auch schon mit Mitte Zwanzig wunderbar gegen die Wand fahren.“

Der Nullpunkt kommt früh in Leylas Leben. „Man braucht nicht auf die Midlife-Crisis zu warten, man kann sein Leben auch schon mit Mitte Zwanzig wunderbar gegen die Wand fahren“, heißt es in Olga Grjasnowas zweitem Roman “Die juristische Unschärfe einer Ehe”, in dem Leyla ihr Leben buchstäblich an die Wand fährt, als sie bei einem illegalen Autorennen in Baku verhaftet werden soll.

Der Roman beginnt bei Kapitel „0“ in einer Gefängniszelle, um dann ganz vorne anzufangen und zu erzählen, wie Leyla in diese Schieflage geraten konnte.

Leyla ist Balletttänzerin und mit dem Arzt Altay verheiratet. Was in Aserbaidschan als Zweckehe begonnen hat – sie ist lesbisch und er schwul – ist irgendwann zu richtiger Liebe geworden, in der andere Beziehungen aber zugelassen oder sogar gewollt sind. Und weil man in Berlin offen homosexuell sein kann, leben die beiden in der deutschen Hauptstadt. Hier trifft Leyla auf die amerikanische Medienkünstlerin Jounon.

Wie auch schon das Debüt „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ der 1984 in Baku geborenen Autorin ist ihr neues Buch betont transnational und macht gleich mehrere Ebenen zugleich auf. Es geht um das korrupte, postsowjetische Baku, das homophobe Moskau, das sexuell befreite Berlin. Die Städte bilden die Achsen dieser Dreiecksgeschichte, in der Leyla, Altay und Jounon versuchen, sich eine Liebe zu teilen. Aber wie viel Liebe ist nötig, damit die polyamouröse Ehe klappt? Grjasnowa erzählt abwechselnd aus der Perspektive der einzelnen Figuren, trotzdem kommt man ihnen erstaunlich wenig nah. Das mag vielleicht auch an Sätzen wie: „Das Wegdenken der heteronormativen Werte bereitete ihr mehr Probleme, als sie zugeben mochte“ liegen, die zwar so sehr ins heutige Berlin passen mögen, auf einer Gefühlsebene dann aber nicht wirklich funktionieren. Zum Schluss scheinen dann doch nur die Eheleute Leyla und Altay übrig zu bleiben, die schon von Anfang an als Einheit aufgetreten sind. Und dann kommt da auch noch ein Kind und man weiß nicht: Ist das bitterböse Ironie oder romantischer Ernst?

Olga Grjasnowa: „Die juristische Unschärfe einer Ehe“
Hanser Verlag, 272 Seiten
20,50 Euro 

 

Sara Schausberger hat Germanistik studiert und arbeitet als Kulturjournalistin in Wien.

Prime Time Forever

  • 05.02.2015, 08:00

Alle reden über Serien. Aber warum machen sie eigentlich so süchtig und wie hat sich unser Schauverhalten in den letzten 15 Jahren verändert? progress hat mit dem Medienexperten Christian Stiegler über den Boom gesprochen.

Alle reden über Serien. Aber warum machen sie eigentlich so süchtig und wie hat sich unser Schauverhalten in den letzten 15 Jahren verändert? progress hat mit dem Medienexperten Christian Stiegler über den Boom gesprochen.

progress: Warum machen Serien so süchtig?
Christian Stiegler: Es sind vor allem die dramaturgischen Elemente, die süchtig machen. Wenn eine Episode mit einem Cliffhanger aufhört, dann bleibt man dabei. Außerdem mögen wir die Wiederholung und episodenhaftes Erzählen. Es gibt uns eine gewisse Sicherheit, die Charaktere zu kennen, wir entwickeln eine Beziehung zu ihnen.

Was für einen Stellenwert nehmen Serien im Leben der Rezipient_innen ein? 
Ich sage immer, im besten Fall schaffen sie eine eigene Medienrealität. Baudrillard hat Hyperrealität dazu gesagt, also eine Realität, die wichtiger ist als die eigene Wirklichkeit.So funktioniert Disneyland, so funktioniert Fußball, so funktionieren all diese Geschichten, die für uns wichtig bleiben, obwohl wir schon ausgeschaltet haben. Wenn Serien gut gemacht sind, dann leisten sie genau das, entweder weil sie Themen bearbeiten, die so weit weg von uns sind, dass sie zu einer Realitätsflucht werden, oder weil sie uns persönlich ansprechen.

Funktioniert die Serie als Fluchtmittel besser als ein Kinofilm?
Natürlich! Es ist viel mehr Zeit zu erzählen, das eröffnet Möglichkeiten, stärker in die Charaktere einzusteigen und ihnen größere Aufmerksamkeit zu widmen. Außerdem kann man sie daheim ansehen und kann so gleich eine ganze Staffel, die mehrere Stunden dauert, anschauen. Das ist das perfekte Mittel zur Alltagsflucht.

Das ist dann das berühmte Bingewatching.
Der Begriff bezieht sich darauf, dass man den üblichen Episoden-Ablauf zerstört, indem man individuell entscheidet, wann man eine Serie ansieht und wie viel davon. Wir sind nicht mehr abhängig davon, dass eine Serie zu einer gewissen Uhrzeit auf einem bestimmten Sender läuft. Genau das hat Netflix mit „House of Cards“ so populär gemacht: Es war revolutionär, als sie gleich die ganze Staffel auf einmal online gestellt haben.

Wie hat sich die Serienkultur in den letzten 15 Jahren verändert?
Schon in den 70er Jahren gab es die ganz großen TV-Serien wie „Dallas“ und danach in den 90ern „Seinfeld“, „Friends“ oder „Beverly Hills 90210“. Heute sind jedoch die sogenannten „Qualitäts-TV-Serien“ im Gespräch. Man nimmt immer das Wort „Quality“ dazu und versucht so die neuen Serien von den herkömmlichen abzugrenzen. Die Entstehung der „Quality-TV-Series“ hat vor allem einen wirtschaftlichen Hintergrund. Als man gemerkt hat, dass das Blockbuster-Kino nicht mehr so rentabel ist, haben die großen US-Medienkonglomerate, zu denen sowohl Filmstudios als auch Fernsehsender zählen, stärker in Serienformate investiert. Dadurch sind qualitätsvollere Produkte und die Möglichkeitim Fernsehen mehr auszuprobieren entstanden.

Ich will das nicht rein wirtschaftlich erklären, aber man darf den Aspekt nicht aussparen. Dass man mehr Geld investiert, bewirkt auch, dass Serien mit größeren Stars besetzt werden. Da sich die aber nie für eine längere Zeit verpflichten lassen, hat sich auch die Serien-Machart verändert und neue Formate sind entstanden, wie die Mini-Series oder Serien wie „True Detective“, in der jede Staffel für sich alleine steht. Durch Formate wie Netflix und die Möglichkeit, Serien in einem selbstbestimmten Rhythmus anzusehen, hat sich auch das serielle Erzählen verändert und so etwas wie der Cliffhanger hat immer weniger Bedeutung.

Der Serientrend kommt aus den USA und ist dann nach Europa übergelaufen. Sind diese Qualitätsserien nun auch bei uns im Fernsehen zu sehen oder hat sich hier lediglich verändert, wo und wie wir Serien schauen?
Vor allem dem deutschsprachigen Publikum traut man das leider nicht zu, deshalb laufen diese ganzen Qualitätsserien auch hauptsächlich in Sparten-Kanälen oder zu günstigen Sendeplätzen spät nachts.

Das heißt, wir sind umso mehr auf neue Medien angewiesen, wenn wir Qualitätsserien schauen wollen?
Auf jeden Fall. Im deutschsprachigen Raum musste man dank dem Internet nicht mehr warten und konntedort auf (semi-)illegalen Portalen alle Serien finden, sobald sie in den USA liefen. Gerade so etwas wie Netflix funktioniert hauptsächlich deshalb, weil es nun legale Anbieter_innen für unsere Serien-Bedürfnisse gibt, die wir bisher hauptsächlich auf (halb-) illegale Weise gestillt haben.

Früher sind am Samstagabend alle vor dem Fernseher gesessen und haben dieselbe Show gesehen. Haben Netflix und das Internet das kollektive Fernseherleben zerstört?
Ich glaube, das ist eher eine Antwort auf eine gesellschaftliche Entwicklung. „Wetten, dass...“ ist ein gutes Beispiel dafür, das kommt aus einer Zeit, in der sich Familien vor dem Fernseher versammelt haben. Aber irgendwann gab es nicht mehr nur einen Fernseher im Haushalt, sondern auch einen im Schlafzimmer und einenim Kinderzimmer, weil verschiedene Familienmitglieder eben verschiedene Präferenzen haben. Früher hat man sich auch nicht am Samstag Abend vor den Fernseher gesetzt, um Zeit miteinander zu verbringen, sondern um etwas Bestimmtes am einzigen TV-Gerät im Haushalt anzuschauen. Die Digitalisierung ist also nicht die Ursache für die Individualisierung des Fernseherlebens, sondern vielmehr Resultat davon.

Stimmt das Prinzip: Sag mir, was du schaust und ich sag dir, wer du bist?
Absolut. Aber das gilt ja nicht nur bei TV-Serien, sondern auch bei Musik oder Filmen. Medieninhalte sind stark identitätsstiftend. Und es mag Schubladendenken sein, aber ich bin mir sicher, dass Menschen, die hauptsächlich Quality-TV-Serien anschauen, anders beurteilt werden als Menschen, die „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ sehen.
 

Christian Stiegler lehrt an der Universität Wien und ist Professor für Medienmanagement, Consumer Culture und New Media an der Karlshochschule in Karlsruhe.

Sara Schausberger ist freie Journalistin und hat in Wien Germanistik studiert.

Macondo – eine Fantasie, ein Dorf, ein Film

  • 28.10.2014, 01:45

Eine Filmrezension.

Eine Filmrezension.

In der Literatur ist Macondo ein fiktiver Ort, in Wien ist Macondo Realität. Im Bezirk Simmering liegt das Flüchtlingsdorf, in dem seit Mitte der 50er Jahre über 3.000 Flüchtlinge aus über 20 Ländern zusammenleben. Seinen poetischen Zweitnamen hat die Kaserne Zinnersdorf von chilenischen Flüchtlingen erhalten, Vorbild war ein fiktives Dorf in Gabriel García Márquez’ Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“. „Macondo“ heißt auch der Spielfilm von Sudabeh Mortezai, der bei der diesjährigen Viennale seine Österreich-Premiere feiert. Macondo ist ein Fußballplatz hinter einer Wellblechwand, ein Sofa im Wald und eine Busstation im Nirgendwo. Macondo ist Brachland und eine Wohnanlage mitten im Industriegebiet. Macondo ist ein Kinderspielplatz, ein Einkaufszentrum und ein Baggerpark. Vor allem aber ist Macondo das Zuhause des elfjährigen Tschetschenen Ramasan (Ramasan Minkailov), der mit seiner Mutter (Kheda Gazieva) und seinen beiden Schwestern in der Flüchtlingssiedlung lebt. Seit dem Tod des Vaters spielt Ramasan den „Mann im Haus“. Als eines Tages Isa (Aslan Elbiev) – ein Kriegskamerad des Vaters – auftaucht, gerät Ramasans Welt aus den Fugen und das idealisierte Bild des Vaters zerbricht.

Fast protokollierend erzählt die Regisseurin vom Leben des Elfjährigen. Keine Sekunde weicht der Film von seiner Seite, was die große Stärke dieser Geschichte ist. Die Behördengänge, die Gespräche mit dem Sozialarbeiter, der Deutschkurs der Mutter: Bei allem steht Ramasans Erleben im Mittelpunkt.

„Macondo“ wurde ausschließlich mit Laien gedreht; Profi-Schauspieler_innen hätten es auch nicht besser machen können. Der Film lebt vom eindrücklichen Spiel Minkailovs und der beobachtenden Kameraführung Klemens Hufnagls. Sudabeh Mortezai, die bisher Dokus gedreht hat und mit „Bazar der Geschlechter“ bekannt wurde, ist ein einfühlsames und beeindru ckendes Spielfilmdebüt gelungen. Jetzt ist „Macondo“ also nicht nur ein fiktiver Ort und ein reales Flüchtlingsdorf in Wien, sondern auch ein toller Film.

 

Sara Schausberger hat Germanistik studiert und arbeitet als Kulturjournalistin in Wien.

Ein Spiegel der Gesellschaft?

  • 04.08.2014, 15:09

Die Forderung, Schauspieler_innen mit migrantischem Hintergrund auf die Bühne zu bringen, ist nicht neu. Trotzdem sind Markus Subramaniam und Nancy Mensah-Offei noch immer Ausnahmefälle in der deutschsprachigen Theaterlandschaft. progress hat mit den beiden Schauspieler_innen über ihre Erfahrungen gesprochen.

Die Forderung, Schauspieler_innen mit migrantischem Hintergrund auf die Bühne zu bringen, ist nicht neu. Trotzdem sind Markus Subramaniam und Nancy Mensah-Offei noch immer Ausnahmefälle in der deutschsprachigen Theaterlandschaft. progress hat mit den beiden Schauspieler_innen über ihre Erfahrungen gesprochen.

Bei seinem ersten Vorsprechen an einer Schauspielschule wurde Markus Subramaniam gesagt, er solle sich auch nach Job-Alternativen umsehen. „Ich finde es in Ordnung, dass man den Leuten, die vorsprechen, realistisch sagt, dass ihr Talent nicht ausreicht. Aber dann haben sie mir noch ein paar Rollen vorgeschlagen, die ich beim nächsten Mal vorsprechen solle und das waren ausschließlich dunkelhäutige Paraderollen, wie zum Beispiel der ‚Mohr‘ bei Shakespeare. Da habe ich mir gedacht: Also groß ist eure Fantasie nicht.“

Subramaniam hat sich nicht nach Job-Alternativen umgesehen und wurde kurz danach am Max Reinhardt Seminar in Wien zum Schauspielstudium aufgenommen. Während seines Studiums war seine Hautfarbe kein Thema, erzählt er: „Aber ich glaube schon, dass sie trotzdem eine Rolle spielt. Allein, weil ich auffalle. Weil es im staatlichen Theaterbereich kaum andere Dunkelhäutige gibt. Und ich spüre schon immer eine besondere Aufmerksamkeit, wenn ich wo vorspreche.“ Direkt nach dem Studium ging der gebürtige Deutsche, dessen Vater aus Sri Lanka kommt, ans Landestheater Linz, wo er vier Jahre lang festes Ensemblemitglied war. „Als ich auf der Schauspielschule war, habe ich mir gedacht, dass ich bestimmte Rollen wahrscheinlich nicht bekommen werde, aber meine zweite Rolle war gleich ‚Karl Moor’ in Schillers ‚Die Räuber‘, wo ich einen weißen Bruder und einen weißen Papa hatte. Die Theaterleiter in Linz haben mich nie in eine Ecke gedrängt, dafür bin ich ihnen sehr dankbar.“

Ausnahmefälle. Daraus zu schließen, dass in der deutschsprachigen Theaterlandschaft alles eitel Wonne sei, wäre aber zu kurz gegriffen. Immer wieder war das Theater in den letzten Jahren repräsentationspolitischen Debatten ausgesetzt. Unter anderem wird dabei die Frage verhandelt, welche Rolle Rassismus auf den deutschsprachigen Theaterbühnen spielt. Subramaniam ist als dunkelhäutiges Ensemblemitglied an einem österreichischen Theater ein Ausnahmefall. „Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt er. In seinem vierten und letzten Jahr am Landestheater in Linz wurde das von den Theaterleitern genutzt und Markus Subramaniam als „Othello“ besetzt. Als er den Vertrag für Linz unterschrieb, war seine Bedingung, dass er die Paraderolle, die sonst nach wie vor meist mit weißen Schauspielern besetzt wird, spielen dürfe.

Auch Nancy Mensah-Offei hat es wie Markus Subramaniam auf eine staatliche Schauspielschule geschafft. Mensah-Offei, die in Ghana geboren wurde und mit sieben Jahren nach Österreich kam, wird dieses Jahr mit dem Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien fertig. Auch ihr wurde ein Festengagement an einem Theater angeboten, das sie aber abgelehnt hat, um erst mal als freie Schauspielerin zu arbeiten. „Bis jetzt hat man mir am Theater oder in der Schauspielschule nie das Gefühl gegeben, dass meine Hautfarbe ein Problem wäre. Bei der Aufnahmeprüfung war nur mein Bein ein Thema, weil ich humple. Die Frage war, ob man darüber hinwegsehen kann oder nicht. Das heißt, es sind insgesamt drei Faktoren, die es in Österreich für mich schwieriger machen: Ich bin eine Frau, ich bin schwarz und ich habe eine körperliche Behinderung.“

Im Theater sei bisher nie ihre Hautfarbe der Grund für ihre Besetzung gewesen, so die Schauspielerin. Im Gegensatz zum Film: „Bei der ORF-Produktion ‚Schlawiner‘ war klar, dass eine dunkelhäutige Schauspielerin gesucht wird.“ Obwohl Nancy Mensah-Offei am Theater durchwegs positive Erfahrungen gemacht hat, kam es in Kritiken auch schon zu fragwürdigen Aussagen aufgrund ihrer Hautfarbe. So schrieb beispielsweise die Wiener Zeitung in einer durchaus begeisterten Kritik über die „Argonauten“ am Rabenhoftheater: „Die Entdeckung des Abends ist Nancy Mensah-Offei. Ihre Medea ist wie eine hoheitsvolle Voodoo-Priesterin.“

Reproduktion von Rassismen. Nicht nur in Theaterkritiken kommt es immer wieder zu (subtilen) Rassismen. Erst kürzlich wurde es um das Thema in der Theaterlandschaft wieder laut, als vor ein paar Monaten die Wiener Festwochen ihr diesjähriges Programm veröffentlichten. Der Verein Pamoja – The Movement of the Young African Diaspora in Austria initiierte via Facebook eine Petition zur Absetzung eines Stücks von Jean Genet, das in der deutschen Übersetzung mit „Die Neger“ betitelt wurde. Die Kritik: Durch den Titel werde eine rassistische Haltung reproduziert, der man entgegenwirken müsse. Der Regisseur Johan Simons schlug eine
Titeländerung zu „The Blacks“, in Anlehnung an die englische Übersetzung, oder zu „Die Weißen“ vor. Der Übersetzer der deutschen Fassung, Peter Stein, lehnte das jedoch ab, da der Titel für die Clownerie aus den 50er-Jahren, die auf gleichnishafte Weise mit Klischees arbeitet, bewusst provokant gewählt sei.

Für Aufregung sorgte auch ein Bild im Programmheft der Festwochen, auf dem schwarz angemalte weiße Gesichter zu sehen waren. Diese Praxis des Blackfacing wird oft mit „Minstrel-Shows“ in den USA des 19. Jahrhunderts in Verbindung gebracht, in denen weiße Schauspieler_innen schwarz und oft mit grotesken Mienen geschminkt wurden, um sich auf der Bühne mit Hilfe klischeehafter Zuschreibungen über Schwarze lustig zu machen. Blackfacing wird allerdings bereits seit dem Mittelalter auch in Europa betrieben.

Die Prämisse des Autors Jean Genet, „Les nègres“, wie der Titel des Stücks im französischen Original lautet, nur mit schwarzen Schauspieler_innen zu besetzen, wurde von Regisseur Johan Simons in seiner Festwochen-Produktion bis auf eine Ausnahme jedenfalls nicht eingehalten. „Wäre es nicht wenigstens drin gewesen, dass Simons den einzigen Witz des Stoffes nicht kaputtmacht? Genets Regieanweisung, nur schwarze Schauspieler zu besetzen, hatte immerhin verstanden, dass es beim Rassismus im Theater um konkrete Repräsentationsfragen geht. Dass Simons nun weiße Schauspieler schwarze Schauspieler spielen lässt, die weiße Kolonialisten spielen, zeigt dagegen, dass er das Stück überhaupt nicht begriffen hat“, schrieb Die Zeit. Im Endeffekt passierte dann nicht viel. Die Aufführungen von Genets Stück gingen nach den Protesten im Vorfeld still über die Bühne. Beim Salongespräch zur Inszenierung, das ebenfalls im Rahmen der Festwochen unter dem Titel „Political Correctness auf der Bühne. Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ stattfand, saßen auf dem Podium ausschließlich Weiße. Im Falter hieß es dazu: „Intendant Hinterhäuser sagt, man habe vergeblich versucht schwarze Diskutanten zu finden.“

Weiße Norm und schwarze Schminke. In den letzten Jahren war es in Zusammenhang mit Blackfacing immer wieder zu heftigen Diskussionen gekommen: In der Inszenierung von „Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung“ 2010 am Schauspielhaus Wien, in dem es um das Schicksal afrikanischer Boat People ging, malten sich die Schauspieler_innen in der Inszenierung von Felicitas Brucker schwarz an und machten sich dann mit Mehl wieder weiß. Die Blackfacing-Debatte wurde damals noch nicht aufgegriffen, die Kritik hob den dadurch verursachten Verfremdungseffekt hervor. Wiederbelebt wurde die Blackfacing-Debatte dann 2011, als in Deutschland gleich zwei Theaterhäuser Premieren mit weißen Schauspielern, die schwarz angemalt werden sollten, ankündigten. Eine hitzige Diskussion entbrannte, die Inszenierung am Deutschen Theater wurde schließlich abgesagt, weil der Autor des Stücks, der Pulitzer-Preisträger Bruce Norris, dem Theater, das die Figuren nicht werkgetreu besetzte, die Aufführungsrechte entzog. Das Deutsche Theater, eines der vier subventionierten Sprechtheater Berlins, scheiterte daran, Schwarze
als Schwarze zu besetzen.

Am Linzer Landestheater wurde 2012 „Lulu“ von Frank Wedekind inszeniert. „Da kommt am Ende eine als ‚Neger‘ bezeichnete Figur mit dicken Lippen und singt Gospels. Genau so ist die Rolle angelegt. Als Reaktion auf die damalige Blackfacing-Debatte hat der Linzer Schauspieldirektor Gerhard Willert einen Kollegen von mir schwarz angemalt und ihn diese Rolle spielen lassen, während ich weiß angemalt wurde und den Weißen gespielt habe“, erzählt Markus Subramaniam.

Nancy Mensah-Offei sagt zu Blackfacing: „Ich finde es schon störend, dass ein ‚Othello‘ fast immer schwarz angemalt wird. Es gibt genug dunkelhäutige Schauspieler hier in Österreich, die das könnten, aber nicht die Chance bekommen.“ Dass es an den deutschsprachigen Theatern nach wie vor kaum Schauspieler_innen gibt, die nicht einer herrschenden Norm entsprechen, die sich nach wie vor als „weiß“ definiert, ist eine Tatsache.

Migrant-Mainstreaming. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum die Auseinandersetzung mit Themen wie Rassismus und Migration bisher fast ausschließlich in einer Nische geschieht. Die Forderung, Schauspieler_innen mit migrantischem Hintergrund auf die Bühne zu bringen, ist keineswegs neu. Obwohl in Wien mehr als 50 Prozent der Einwohner_innen migrantischen Hintergrund haben, hat die Realität der Einwanderungsgesellschaft noch nicht wirklich auf die großen Bühnen gefunden. Die rot-grünen Kulturpolitiker_innen fordern seit 2010 zwar von den geförderten Kulturbetrieben, dass sie aktiv „Migrant-Mainstreaming“ betreiben, trotzdem sind große gesellschaftliche Gruppen im Sprechtheater noch immer unterrepräsentiert. Postmigrantisches Theater findet nicht an den großen Häusern, sondern vor allem im Off-Bereich und auf den Wiener Mittelbühnen statt. Dass Wien eine Stadt der Eingewanderten ist, spiegle sich auf den Bühnen viel zu wenig wider, meint auch der Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ).

So meint auch Nancy Mensah-Offei, dass sie manche Rollen und an manchen Häusern wahrscheinlich nie spielen werde: „Ich habe mich nicht unbedingt am Burgtheater oder an der Josefstadt beworben. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich im deutschsprachigen Raum als Gretchen besetzt werde, ist gering. Ebenso hält sich die Chance, die Julia zu spielen, in Grenzen. Ich werde wahrscheinlich auch nie in Salzburg im ‚Jedermann’ spielen. Und ich glaube schon, dass meine Hautfarbe der Grund dafür ist. Wenn man mir eine Rolle in einem dieser großen Klassiker anbieten würde, würde ich aber natürlich sofort ja sagen.“

Anne Wiederhold, die künstlerische Leiterin des Kunst- und Sozialraums Brunnenpassage, hält es angesichts dieser Situation für nötig, dass sich die großen Häuser umorientieren: „Die Idee von öffentlicher Kulturförderung ist ja im Prinzip, dass Kunst ein Spiegel für die Gesellschaft sein soll. Wenn sich die Gesellschaft komplett verändert hat, dann muss da was passieren. Alle zahlen Steuern, aber nur ein Bruchteil rezipiert. Im Off-Theater-Bereich zu bleiben, ist aus meiner Perspektive absolut zu wenig.“

Postmigrantisches Theater. Die deutsche Theaterszene ist da vielleicht schon einen Schritt weiter. Seit der Saison 2013/14 wird das staatlich geförderte Maxim Gorki Theater in Berlin als Theater, das sich der kulturellen Vielfalt nicht verschließt, geführt. Man geht davon aus, dass das Leben längst transkulturell ist und bringt das auch auf die Bühne. Das Ensemble ist vielfältig, gespielt wird Neues und Klassisches. Geleitet wird das Maxim Gorki Theater von Jens Hillje und Shermin Langhoff, die den Begriff des postmigrantischen Theaters nach Deutschland gebracht hat. Ihr ehemaliges Theater Ballhaus Naunynstraße wurde unter ihrer Leitung zum Inbegriff eines Theaters für Menschen, die vielleicht nicht selbst migriert sind, aber in diesem Kontext leben, und zum „Kristallisationspunkt für Künstlerinnen und Künstler migrantischer und postmigrantischer Verortung“. Dass die dort uraufgeführte Inszenierung „Verrücktes Blut“ von Nurkan Erpulat und Jens Hillje als erstes postmigrantisches Stück zum prestigereichen Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, war ein bedeutender Schritt.

Seit ein paar Jahren findet durchaus auch in Wien eine Auseinandersetzung mit postmigrantischem Theater statt. So vergibt etwa das interkulturelle Autorentheaterprojekt der Wiener Wortstätten seit 2007 jährlich einen Preis an Stücke, die sich mit Identität und Interkulturalität auseinandersetzen. Ibrahim Amir wurde 2013 für seine Ehrenmord-Komödie „Habe die Ehre“ mit dem Nestroypreis für die beste Off-Produktion ausgezeichnet und die Theatergruppe daskunst arbeitet seit Jahren unter der Leitung von Asli Kislal zur Hybridisierung der Gesellschaft. Das Wiener Mittelbühnen-Theater Garage X, das sich auf zeitgenössische Dramatik spezialisiert hat, startete 2011 zusammen mit Kislals Theatergruppe eine Schwerpunktreihe zum Thema „Pimp my Integration“. Mit exemplarischen Theateraufführungen und Podiumsdiskussionen wurde der Frage nachgegangen, welche kulturpolitischen Maßnahmen es braucht, damit postmigrantische Positionen und Themen zunehmend auf die Wiener Theaterbühnen finden. Als Fortsetzung der Reihe wurde 2012 das Erfolgsstück „Verrücktes Blut“ in der Garage X in einer eigenen Wiener Version von Volker Schmidt inszeniert. In dem Stück geht es darum, sich nicht darauf reduzieren zu lassen, Migrant_in oder Postmigrant_in zu sein. Nancy Mensah-Offei hat mitgespielt: „Obwohl es im Stück viel um Herkunftsfragen geht, hat meine Hautfarbe in der Inszenierung keine Rolle gespielt. Es ging hauptsächlich um das Kopftuch, das ich getragen habe“, erzählt sie.

Große Pläne, wenig Geld. Die Garage X, das Kabelwerk und die Theatergruppe daskunst haben sich nun auch zusammengetan und das Werk X gegründet. Dort soll inhaltlich progressives Theater mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen auf internationalem Niveau und unter Einbezug der Diversität der Wiener Bevölkerung geboten werden. Teil des neuen Programms ist das DiverCITYLAB von Asli Kislal, das sich der Heranführung migrantischer Publikumsgruppen an das Theater widmet. Es will „dem Gegenwartstheater ein neues, unserer postmigrantischen Gesellschaft angemessenes Gesicht geben, mit neuen Akteur_innen und neuen Theatermacher_innen“ und beinhaltet auch eine eigene Schauspielschule für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.

Die Budgets von Werk X und DiverCITYLAB werden übrigens separat verwaltet: Während das Werk X mit über 1,5 Millionen Euro von der Stadt Wien gefördert wird, gehen an Asli Kislal und ihr DiverCITYLAB gerade einmal 100.000 Euro jährlich.

Sara Schausberger ist freie Journalistin und hat in Wien Germanistik studiert.

Lesestoff für den Sommer

  • 02.08.2014, 09:01

Für faule Nachmittage am See, lange Zugfahrten oder als Abwechslung zum faden Ferienjob. progress empfiehlt vier Neuerscheinungen für die heiße Jahreszeit.

Für faule Nachmittage am See, lange Zugfahrten oder als Abwechslung zum faden Ferienjob. progress empfiehlt vier Neuerscheinungen für die heiße Jahreszeit.

Wie sollten wir sein?

„Wir leben in einer Zeit ziemlich großartiger Blowjob-Künstlerinnen. Jede Ära hat ihre Kunstform. Das 19. Jahrhundert, das weiß ich, war super für den Roman.“ Ein bisschen ist Sheila Hetis Roman wie die HBO-Serie „Girls“. Er handelt von schlechtem, ungeschöntem Sex und von Kunst, vor allem aber geht es um die Freundschaft zwischen zwei Frauen. Als „Wie sollten wir sein?“ 2012 in den USA erschien, wurde es zum großen Erfolg. Zu Recht. Der Kanadierin Sheila Heti ist ein Künstlerroman gelungen, der ganz ohne Form auskommt und die Grenzen zwischen Dokumentarischem und Literarischem auflöst. Eine junge Frau namens Sheila soll seit Jahren ein feministisches Theaterstück fertigschreiben, lässt sich von ihrem Mann scheiden und führt mit ihrer besten Freundin, der Malerin Margaux, zahllose Gespräche darüber, was der Mensch, das Ich, die Kunst sein sollte. „Margaux ergänzt mich auf eine Weise, die spannend ist. Sie malt mich, und ich nehme auf Band auf, was sie sagt. Wir tun beide, was wir können, damit die andere sich berühmt fühlt.“ Die transkribierten Gespräche sind dann auch ein großer Bestandteil von Hetis Roman, der in seiner Stillosigkeit alles sein kann: geschwätzig, banal, klug, berührend und komisch. Antworten gibt er im Übrigen keine. (Sara Schausberger)

Sheila Heti: „Wie sollten wir sein? Ein Roman aus dem Leben“, aus dem Amerikanischen von Thomas Überhoff, Rowohlt Verlag, 2014, 336 S., gebunden 19,95 Euro, als e-book 16,99 Euro.

 

Mit Kindersicherung der Apokalypse entgegen

Jess ist 15, und allein schon die Nennung dieses Alters reicht ja, die Dämonen der späten Kindheit, die erwachenden Begehrlichkeiten des ungeschlachten Körpers, die ganze geballte Unzufriedenheit und fahrige Euphorie zu beschwören. Der Fall von Jess ist aber noch ein bisschen härter; sie ist die Tochter fundamentalistischer Christen, die glauben, dass die Endzeit unmittelbar bevorsteht, weshalb sie mit Jess und ihrer 17-jährigen Schwester Elise einen Roadtrip von Alabama nach Kalifornien unternehmen – mit aktivierter Kindersicherung der Apokalypse entgegen. Elise ist Vegetarierin, unglaublich hübsch und heimlich schwanger, während Jess, die pummelige Ich-Erzählerin, mit ihren Eltern von Fiesta Omelette zu Hamburger, von Schoko-Milchshake zu Bean Burrito zieht. Geschlafen wird in billigen Motels oder im Days Inn, die Familie ist sparsam, obwohl sie das Geld im Jenseits ja nicht mehr braucht. Das Bemerkenswerte an diesem Buch ist, dass das Szenario nie zum Ausnahmezustand gerät; die Figuren sind alle so himmelschreiend normal und plausibel – die schwitzige Autonähe, die schlecht verheimlichte Arbeitslosigkeit des Vaters. Dieses Buch ist eine großartige Mischung aus klassischem Road Trip, Coming of Age und liebevoll angeekelter Phänomenologie der amerikanischen Gegenwart. (Hannah Lühmann)

Mary Miller, „Süßer König Jesus“, aus dem Amerikanischen von Alissa Walser, Metrolit Verlag, 2. Auflage Berlin 2013, 288 S., gebunden 19,99 Euro, als e-book 14,99 Euro.

Geniale Fingerübung

In der deutschen Feuilletonlandschaft taucht in jüngster Zeit immer dann das Wort „Institutsprosa“ auf, wenn der Rezensent oder die Rezensentin darauf hinaus möchte, dass ein Werk, vorzugsweise ein Debüt, irgendwie „blutleer“ und „erfahrungsarm“ sei und man ihm anmerke, dass der Autoroder die Autorin einem bildungsbürgerlichen Elternhaus entstammt, welches ihm oder ihr das Studium an einem der großen Literaturinstitute ermöglicht habe. Fabian Hischmann, der sowohl am Hildesheimer als auch am Leipziger Literaturinstitut studiert hat, hatte es nach Erscheinen seines Debüts nicht leicht, weil sich die RezensentInnen förmlich auf ihn stürzten und in seinem Roman eine „Fingerübung“ oder gar „infantile Hilfsverb-Prosa“ sahen. Neben diesen rezensorischen Gleichgültigkeits- bis Wutbekundungen steht die Nominierung für den Leipziger Buchpreis. Was ist los mit diesem Buch? Es ist ein solider, am Anfang wirklich und am Ende nur noch sanft verstörender, nun ja, Debütroman. Er erzählt die Geschichte des werdenden Lehrers und Hobbytierfilmers Max Flieger, der während eines Griechenlandurlaubs der Eltern in sein westdeutsches Herkunftsdorf zurückkehrt. Aus einem beunruhigenden Geflecht latent psychotischen Naturerlebens erhebt sich die reale Katastrophe, die den Ich-Erzähler nach Kreta und schließlich nach New York führt. Ziemlich großes Kino eigentlich. (Hannah Lühmann)

Fabian Hischmann, „Am Ende schmeißen wir mit Gold“, Berlin Verlag, 2. Auflage Berlin 2014, 256 S., gebunden 19,60 Euro, als e-book 14,99 Euro.

Der Nazienkel

Es ist die Geschichte von Martin, der jeden Abend das gleiche Ritual vollzieht, den exakt vermessenen Aufstrich in kleinen Portionen auf verschiedene Stellen des Tellers verteilt, der seine Zigarre mit der Laubsäge portioniert, „weil Tabak Laub ist“. Martin ist Anthroposoph, „Kulturmensch“, körperlich behindert, die Nazis wollen ihn sterilisieren lassen. Es ist aber auch die Geschichte von Martins Bruder Friedrich. Friedrich wird Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS. Er glaubt, dass körperliche Eigenschaften natürlicher Ausdruck von „Rasse" und Charakter seien; seine Aufgabe ist es, die Bevölkerung in den Grenzgebieten zu selektieren, zu entscheiden, wer „eingedeutscht“ werden soll und wer nicht. Und es ist die Geschichte von Friedrichs Enkel Per, einem deutschen Historiker, der zu Beginn der Handlung einen etwas plakativen Nazi-Enkel- Trauma-Zusammenbruch erleidet und dann beginnt, in einem Akt biographischer Selbstermächtigung der verästelten Geschichte seiner uralten protestantischen Bildungsbürgerfamilie nachzuspüren. Leos autobiographisches Buch ist besonders, weil es, wenn es das Genre „Aufarbeitungsliteratur von Nazienkeln“ gibt, dieses völlig neu verhandelt. Es ist gleichzeitig Bildungsroman von fast Thomas Mann’schem Geist, historische Forschungsarbeit und existenzielle Grundsatzreflexion. Nicht immer leicht zu lesen, aber unbedingt lesenswert. (Hannah Lühmann)

Per Leo, „Flut und Boden“, Klett-Cotta, zweite Auflage Stuttgart 2014, 350 S., gebunden 21,95 Euro, als e-book 17,99
Euro.

Eine Jugend im Konzentrationslager Theresienstadt

  • 31.03.2014, 13:56

Helga Pollak-Kinsky, 1930 in Wien geboren, war zwölf als sie im Jänner 1943 zusammen mit ihrem Vater Otto Pollak nach Theresienstadt deportiert wurde. “Mein Theresienstädter Tagebuch 1943-1944 und die Aufzeichnungen meines Vaters Otto Pollak” wurde im eigens dafür gegründeten Verlag edition Room 28 veröffentlicht. progress online hat mit der Herausgeberin Hannelore Brenner über dieses einzigartige, zeithistorische Dokument und über die Schwierigkeiten für dieses einen Verlag zu finden gesprochen.

Helga Pollak-Kinsky, 1930 in Wien geboren, war zwölf als sie im Jänner 1943 zusammen mit ihrem Vater Otto Pollak nach Theresienstadt deportiert wurde. “Mein Theresienstädter Tagebuch 1943-1944 und die Aufzeichnungen meines Vaters Otto Pollak” wurde im eigens dafür gegründeten Verlag edition Room 28 veröffentlicht. progress online hat mit der Herausgeberin Hannelore Brenner über dieses einzigartige, zeithistorische Dokument und über die Schwierigkeiten für dieses einen Verlag zu finden gesprochen.

progress online: Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Helga Pollak-Kinsky?

Hannelore Brenner: 1996 habe ich ein Hörfunk-Feature über die Kinderoper „Brundibár“ von Hans Krása und Adolf Hoffmeister für den Sender Freies Berlin gemacht; ein Jahr später übrigens für den ORF. Im Rahmen der Recherchen lernte ich einige Überlebende von Theresienstadt und Auschwitz kennen. Ich war damals auch in den USA, um Ela Weissberger zu sprechen, die in den Theresienstädter Aufführungen von ‚Brundibár‘ die Katze gespielt hatte. Sie erzählte viel von ihren ‚Freundinnen vom Zimmer 28‘. Beim Abschied ermunterte sie mich, im September nach Prag zu kommen, wo sie sich mit einigen ihrer Freundinnen treffen wollte. Das tat ich, und das war der Beginn. Ich lernte einen außerordentlichen Freundeskreis kennen und erfuhr eine Geschichte, die mich nicht mehr losließ. Ich besuchte die Frauen – zunächst Anna Hanusová in Brünn und Helga Pollak-Kinsky in Wien.

Und dann haben Sie mit der Arbeit an dem Buch „Die Mädchen von Zimmer 28“ begonnen?

So schnell ging das nicht. Aber als ich Flaška (Anna Hanusová) in Brno und Helga in Wien besuchte, zeigten sie mir wertvolle Dokumente. Flaška ihr Poesiealbum und Helga ihr Tagebuch. Dabei sprachen sie davon, dass sie etwas tun wollten zur Erinnerung an die Mädchen, die nicht überlebten, auch etwas zur Erinnerung und Würdigung der Erwachsenen, die sich um sie gekümmert haben. Ich wollte diese Idee spontan unterstützen Wir haben uns gut verstanden, trafen uns dann öfters und sprachen immer wieder über dieses Vorhaben. Dann wurde ein Projekt daraus.

Ab 1998 trafen wir uns  - Helga, Flaška und weitere Überlebende von Zimmer 28 –regelmäßig im September in Spindlermühle, Riesengebirge, um an dem Projekt zu arbeiten. Sechs Jahre später erst, im März 2004, kam endlich das Buch heraus - „Die Mädchen von Zimmer 28“. Ohne Helgas Tagebuch und die Aufzeichnungen ihres Vaters hätte das Buch nicht geschrieben werden können. Es diente nicht nur mir als roter Faden, um die Geschichte dieser Mädchen zu erzählen, es diente auch ihren Freundinnen als Katalysator der Erinnerung.

Dachten Sie damals schon daran, Helgas Tagebuch als separates Buch zu veröffentlichen?

Ja, natürlich. Ich hätte damals schon gerne Helgas Tagebuch als eigenständiges Buch veröffentlicht. Es ist ja ein wunderbares Dokument. Aber es galt, die gemeinsame Geschichte dieser Mädchen zu schreiben. Das war das Anliegen, der Ausgangspunkt. Es sollte ein Buch werden zur Erinnerung an die Mädchen, die umgekommen sind. Helga hat ihr Tagebuch ganz bewusst in den Dienst dieses Anliegens gestellt.

Als ich später für Helgas Tagebuch einen Verlag suchte, lehnten alle ab. Es stehe doch schon alles in dem Buch über ‚Die Mädchen von Zimmer 28‘, hieß es oft. Aber das stimmt natürlich nicht. Es ist eine ganz andere Geschichte, Helgas genuin persönliche Geschichte.

Sie haben extra einen Verlag gegründet, um die Tagebücher herauszugeben, warum war es so schwierig einen Verlag zu finden?

Das verstehe ich selbst am wenigsten. Ich habe immer wieder Briefe und Exposés an Verlage geschrieben, aber es kamen nur Ablehnungen. Eigentlich ein Wahnsinn – wenn ich an die vielen Lesungen mit Helga, an die vielen Zeitzeugengespräche und Veranstaltungen mit ihr denke und an das Interesse an ihr und dem Tagebuch. Helga ist eine äußerst sympathische und beeindruckende Persönlichkeit und alle waren immer sehr berührt von ihr und den Lesungen und viele haben gefragt: Warum ist das Tagebuch nicht längst veröffentlicht? Irgendwann war für mich klar: Ich muss das Buch einfach selber herausbringen.

Das Buch besteht ja nicht nur aus Helgas Tagebüchern, sondern auch aus den Notizen des Vaters, Briefen, Postkarten, historischen Fakten und Interviews. Wie ist entschieden worden, was ins Buch hineinkommt?

Wir wollten ein Buch machen, das vor allem von jungen Menschen gelesen wird. Das heißt, es genügte nicht, einfach die Dokumente abzudrucken. Sie mussten in den historischen und biografischen Kontext gestellt werden, vieles musste erklärt werden, verständlich gemacht werden. Vor allem die Kindheitsgeschichte musste erzählt werden. Erst durch sie erfährt man, wer Helga war, wie sie in Wien und dann in Gaya/Kyjov (heute Tschechische Republik) gelebt hat bevor sie nach Theresienstadt kam. Ihre Kindheit zu kennen heißt, ihr Tagebuch besser zu verstehen und das, was ihr und ihrem Vater widerfahren ist. In dem Kapitel ihrer Kindheit lernt man auch viele der Verwandten kennen, von denen am Ende fast alle nicht mehr da sind.

Ja, und dann stellten sich einige Fragen. Wie mit der Tatsache umgehen, dass der dritte Band von Helgas Tagebuch verloren gegangen ist, dass ihre Aufzeichnungen im April 1944 aufhören? Wie die Geschichte zu Ende erzählen? Die Antwort lag auf der Hand. Denn in den Aufzeichnungen ihres Vaters spiegelt sich vieles von dem wieder, was Helga erlebte. So musste das Kalendertagebuch eingeflochten werden, so dass die Aufzeichnungen des Vaters dort, wo Helgas Tagebuch endet, die Geschichte weiter erzählen. Es kommt hinzu, dass ich natürlich weiß, dass Helga sich an vieles erinnert, was nicht in ihrem Tagebuch steht; ich bin sicher, im dritten Band wäre einiges zu lesen gewesen – über die Kinderoper Brundibár, Friedl Dicker-Brandeis, die Konzerte, die sie besuchte, Rafael Schächter, über die Transporte im Mai und über vieles andere. Also war es nötig, auch dies zu beleuchten und so kam es zu den Interviews.

Das Kulturleben in Theresienstadt und die Bedeutung, die es gehabt haben muss, ist auch beim Lesen der Tagebücher auffallend.

Vor allem Musik, Konzerte. Sie beschreibt immer wieder Konzerte. Und dann ihre Erinnerungen an Verdis Requiem, an Rafael Schächter. Ja, Sie haben vollkommen Recht – es bedeutete ihr sehr viel.

Und auch die Literatur.

Auch die Literatur, ja. Oder die philosophischen Gespräche, die sie mit ihrem Vater führte. Sie wird ja manchmal sehr philosophisch. Da sind wunderschöne Stellen drin! Zum Beispiel schreibt sie einmal nachdem sie ein Konzert erlebt hat: „Musik ist die schönste Schöpfung der menschlichen Seele, die der Mensch aus dem Nichts geschaffen hat.“ Oder sie schreibt darüber, dass sie oft an sich zweifele, und dass sie mit Rita darüber gesprochen habe und Rita ihr sagte: „Nur dumme Leute sind sich ihres Handelns und ihrer selbst sicher. Je klüger ein Mensch, desto mehr zweifelt er.“ Und dann fügte sie hinzu: “DENKEN IST DIE SCHÖNSTE SACHE“.

Es sind so kluge Sachen drin. Helga denkt viel über die Welt nach, verliert sich manchmal für Augenblicke in ihrer Gedankenwelt, träumt von der Zukunft, malt sich in ihrer Vorstellung die Zukunft aus, dass sie eines Tages studieren und Ärztin oder Wissenschaftlerin wird.

Es erzählt ja auch die Geschichte einer Jugend.

Ja, Helga kommt mit zwölf Jahren nach Theresienstadt, sie ist noch ein Kind. In den folgenden Monaten reift sie heran, man spürt den Übergang von der Kindheit hin zum Erwachsenenalter, erlebt mit wie sie sich verändert und immer reflektierter wird, nachdenkt über Dinge, über die viele junge Menschen nachdenken. Ich glaube, dass heutige Jugendliche sich in sie einfühlen, sich mit ihr identifizieren können. Und ich glaube, dass die Lektüre von Helgas Tagebuch vergleichbar ist mit dem Tagebuch der Anne Frank.

Ich bedaure sehr, dass der dritte Band verlorenging. Denn gerade gegen Ende des zweiten Bandes fängt sie an, erstaunlich dichterisch zu werden. Der letzte Eintrag vom 5. April 1944 – er ist phantastisch! Sie erzählt ein wunderbares Märchen -  es liest sich wie eine Parabel auf ihre eigene Geschichte. Ein Märchen, das ihr die Musik eingab, während sie einem Beethoven-Konzert zuhörte. Dieses Märchen könnte genauso wie es geschrieben ist, als Kinderbuch veröffentlicht werden.

Was ist mit dem dritten Tagebuch geschehen?

Helga hatte 1951 geheiratet und lebte mit ihrem Mann zunächst in Bangkok, dann in Addis Abeba. Als sie 1956 wieder nach Europa zurückkehrten und sie ihr Umzugsgut auf dem Schiffsweg nach London transportieren ließen, kam ein großer Teil zerstört am Hafen an. Auf dem Schiff war ein Feuer ausgebrochen und hatte einige Container in Brand gesetzt, in einem war der dritte Band des Tagebuchs.

Ein Glück, dass es die Kalendernotizen von Otto Pollak gibt.

Otto Pollak erzählt die Geschichte weiter. Von ihm erfahren wir, was er erlebte und was Helga erlebte, ehe sie am 23. Oktober 1944  nach Auschwitz deportiert wurde. Doch nach dem 19. Oktober 1944 sind die Seiten im Kalender von Otto Pollak leer. Zu schwer war es für ihn, mit ansehen zu müssen, wie seine Tochter nach Auschwitz deportiert wurde. Er konnte nicht mehr schreiben. Was dann geschah, können nur Erinnerungen und vereinzelte Dokumente vermitteln.

 

Am 1. April um 19:00 Uhr wird “Mein Theresienstädter Tagebuch 1943-1944 und die Aufzeichnungen meines Vaters Otto Pollak” im Top Kino in Anwesenheit von Helga Pollak-Kinsky mit anschließender Podiumsdiskussion präsentiert:

http://edition-room28.de/Termine.html

Hier kann man das Buch bestellen: http://edition-room28.de/index.html

 

Sara Schausberger hat Germanistik studiert und arbeitet als Kulturjournalistin (u.a. für den Falter) in Wien. 

 

 

 

 

 

Das Theater an die Uni, die Frauen in die Wissenschaft!

  • 03.03.2014, 11:59

Was suchen Strahlung, Kernspaltung und Frequenzsprungverfahren am Theater? Von der Liebe zur Wissenschaft und ihren herausragenden Frauen erzählt die aktuelle Inszenierung des portraittheaters: „Curie_Meitner_Lamarr_unteilbar”.

Was suchen Strahlung, Kernspaltung und Frequenzsprung-verfahren am Theater? Von der  Liebe zur Wissenschaft und ihren herausragenden Frauen erzählt die aktuelle Inszenierung des portraittheaters:  „Curie_Meitner_Lamarr_unteilbar”.

Marie Curie steht am Chemiepult und hält ihre Antrittsvorlesung. Es ist das Jahr 1906 und sie ist die erste Frau, die an der Sorbonne unterrichten darf. Die Chemikerin und Physikerin erzählt von der Entdeckung der Radioaktivität und von ihrer Liebe zur Wissenschaft. Auch für die Kernphysikerin Lise Meitner steht die Liebe zur Wissenschaft über allem anderen. Die Österreicherin Meitner war die erste Frau, die in Deutschland eine Physikprofessur erhielt, sie steht an der Tafel und schreibt Formeln auf. Die österreichische Hollywoodschauspielerin Hedy Lamarr ist nicht nur bekannt, weil sie die erste Frau war, die sexuelle Erregung in einem Film zeigte, sondern auch durch ihre Erfindung des Frequenzsprungverfahrens. Ohne Frequenzsprungverfahren gäbe es heute kein Bluetooth oder WLAN, insofern reiht sie sich ein in die Riege der Entdeckerinnen, vor allem aber ist sie eine Diva.

In „Curie_Meitner_Lamarr_unteilbar“ werden alle diese drei Frauen von einer einzigen gespielt: Die Schauspielerin Anita Zieher ist die Nobelpreisträgerin, die Kernphysikerin und die Filmdiva. Und es ist vor allem Ziehers Darstellung, die in dieser Inszenierung hervorsticht. Die Regisseurin Sandra Schüddekopf und die Schauspielerin Zieher haben biographisches und wissenschaftliches Material vermischt und zusammen ein Theaterstück entwickelt, das mit Originalzitaten der dargestellten Persönlichkeiten versetzt ist.

Hier wird ein klarer Bildungsauftrag verfolgt

Das portraittheater hat es sich zum Ziel gesetzt, Personen, die durch ihr politisches, wissenschaftliches oder künstlerisches Wirken herausragend waren, durch Filme, Theateraufführungen oder andere Formen der künstlerischen Darstellung einem breiteren Publikum vorzustellen. Vor allem Frauen sollen porträtiert und ihre Wirkung und Bedeutung sichtbar gemacht werden. Nach Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Bertha von Suttner und George Sand, widmet sich das portraitheater in seiner neuesten Produktion den beiden Wissenschaflerinnen Marie Curie und Lise Meitner sowie der österreichischen Hollywood-Schauspielerin Hedy Lamarr. Obwohl Lamarr insofern ins Bild passt, als sie 1997 für ihre Beteiligung an der Erfindung des 1942 patentierten Frequenzsprungverfahrens den EFF Pioneer Award erhalten hat, wirkt die affektierte Filmdiva zwischen der Nobelpreisträgerin Curie und der Kernphysikerin Meitner ein bisschen fehl am Platz. „Jede Frau kann glamourös sein. Sie muss nur still da stehen und dumm aussehen“, soll Lamarr gesagt haben.

Kleine Details veranschaulichen die technische Darstellung der Naturwissenschaften auf der Bühne, so lässt Zieher als Lise Meitner mit leichtem Wiener Akzent einen Luftballon zerplatzen. Zwei kleine Bälle fallen heraus, das Zerplatzen des Luftballons ist wie das Zerplatzen des Urans, die Kernspaltung wird so plastisch erklärt. Frauen in die (Natur-)Wissenschaft ist der sehr deutliche Auftrag von „Curie_Meitner_Lamarr“. Für die Ästhetik einer Theatervorstellung ist eine solche Schwerpunktsetzung nicht unbedingt förderlich. Nachdem es dem Verein aber um die verständliche Vermittlung von Wissen mittels kreativer Ausdrucksformen geht, kann man über manches auch hinwegsehen.

Die Monologe werden von belehrenden Videos unterbrochen, in denen drei Mädchen vom Tod Curies an der Strahlenkrankheit erzählen, die Wirkung von Radioaktivität erklären und über radioaktive Stoffe informieren. Das erinnert streckenweise leider ans ORF-Kinderprogramm, vor allem wenn die Kinder die Radioaktivität von Strahlen messen. Das ist schade, man hätte sich für die Pausen, die zwischen den drei Monologen entstehen, eine bessere Lösung einfallen lassen können. Auch die Musikuntermalung, die den Spannungsaufbau des Wissenschaftlerinnen-Lebens unterstreichen soll - Marschmusik bei Kriegsausbruch, französische Akkordeonmusik als die Polin Curie nach Frankreich zieht, traurige Cello-Musik als der Nationalsozialismus im Leben der Jüdin Lise Meitner zum Thema wird - ist manchmal ein bisschen zu viel. Das Stück würde auch ohne diese Hilfsmittel auskommen. Anita Zieher, die alle drei Frauen spielt, beeindruckt durch ihre Performance dieser drei sehr unterschiedlichen und herausragenden Persönlichkeiten und bringt sie einem tatsächlich ein ganzes Stück näher.

Spielort Hörsaal

Nach der Premiere im Theater in der Drachengasse werden die nächsten Vorstellungen an der Uni gezeigt. Am 3. und am 4. März im Lise Meitner-Hörsaal an der Fakultät für Physik und am 14. und 19. März im Margarete Schütte-Lihotzky-Hörsaal an der Technischen Universität Wien: http://www.portraittheater.net/dates.php

Sara Schausberger hat Germanistik studiert und arbeitet als Kulturjournalistin (u.a. für den Falter) in Wien.

35 Jahre Frauenhäuser, 25 Jahre AÖF, 15 Jahre Frauenhelpline. Ein Rückblick und ein Ausblick

  • 22.11.2013, 13:49

Am kommenden Sonntag, den 24. November 2013, feiern die Wiener Frauenhäuser mit einer Benefiz-Matinee im Wiener Volkstheater ihr 35-jähriges Bestehen. progress online hat mit Silvia Samhaber vom Verein Autonome Frauenhäuser über deren Geschichte gesprochen.

 

Die Gründung der Wiener Frauenhäuser geht zurück auf das Engagement von Sozialarbeits-Studentinnen. Am Sonntag den 24. November feiern die Wiener Frauenhäuser mit einer Matinee im Wiener Volkstheater ihr 35-jähriges Bestehen. progress online hat mit Silvia Samhaber vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) gesprochen.

 

progress: Vor 35 Jahren wurde das erste Frauenhaus in Wien gegründet. Wie kam es dazu?

Silvia Samhaber: Zurück geht die Gründung des ersten Frauenhauses auf ein Projekt der damaligen Sozialakademie. Sozialarbeits-Studentinnnen haben unter der Veranstaltungsleitung von Frau Irmtraut Karlsson dieses Projekt konzipiert. Sie waren fasziniert von der Idee einen Raum zu schaffen, in dem sich Frauen und ihre Kinder vor Gewalt schützen und so der Gewalt entfliehen können. Die Studentinnen haben dann andere Städte besucht, wo schon Frauenhäuser etabliert waren, wie beispielsweise in London, und haben sich angeschaut, wie dort gearbeitet wird. Sie haben es tatsächlich geschafft ein Frauenhaus in Wien zu eröffnen. Was gerade zur damaligen Zeit, wie man sich vorstellen kann, eine ganz, ganz große Leistung war.

 

Waren es ausschließlich Studentinnen, die das erste Frauenhaus gegründet haben?

Sie hatten zwar großen Rückhalt von Irmtraut Karlsson, die auch SPÖ-Politikerin war und Verbindungen zur Politik mitgebracht hat, aber letzten Endes geht die Eröffnung des ersten Frauenhauses auf das Engagement der Studentinnen zurück.

 

Foto: Autonome Österreichische Frauenhäuser

 

Gab es große Widerstände gegen die Gründung eines solchen Hauses?

Man muss sich vorstellen, zur damaligen Zeit war Gewalt an Frauen ausgehend vom Partner oder vom Expartner, ein großes gesellschaftliches Tabu. Auch so etwas, wie das Gewaltschutzgesetz, das nach dem Prinzip „wer schlägt, der geht“ funktioniert, gab es damals noch nicht. Es musste also sehr viel Bewusstseinsbildung, sowohl auf politischer Ebene, damit überhaupt die Finanzierung gesichert ist, als auch auf gesellschaftlicher Ebene geschehen.

Nichts desto trotz, wurde das Frauenhaus von Anfang gut angenommen und sehr viele Frauen und Kinder haben Schutz und Unterkunft im ersten Wiener Frauenhaus gefunden. Es hat nicht lange gedauert, bis das zweite Frauenhaus in Wien eröffnet wurde. Mittlerweile gibt es insgesamt vier Frauenhäuser in Wien und 30 in Gesamtösterreich.

 

Gab es parteipolitisch große Widerstände?

Es war ein sehr steiniger Weg, dass es wirklich als Frauenhaus errichtet werden konnte, in dem dezidiert Frauen aufgenommen werden, die von Gewalt betroffen sind und aus der Familie flüchten. Auch die Prinzipien der Frauenhausarbeit, dass die betroffenen Frauen ausschließlich von Frauen betreut werden, haben zu großen Diskussionen geführt.

 

Können Sie kurz die Arbeit, die innerhalb der Häuser und rund um die Häuser passiert skizzieren?

Den Mitarbeiterinnen ist es wichtig, dass die Frauen und ihre Kinder im Frauenhaus erstmals wirklich ankommen können. In weiterer Folge richtet sich die Arbeit danach, was eine Frau gerade braucht. Generell bieten die Mitarbeiterinnen Hilfe und Unterstützung in sehr vielen Punkten an. Zum einen die psychosoziale und psychologische Unterstützung, zum anderen juristische Beratung, wenn zum Beispiel eine Scheidung ansteht, ein Obsorge-Verfahren oder wenn Anzeige erhoben wird. In weiterer Folge, wenn es zu einem Prozess kommt, bieten wir auch die Prozessbegleitung an. Es gibt außerdem in jedem Frauenhaus eigene Mitarbeiterinnen, die sich nur mit den Kindern beschäftigen, damit auch die Kinder die Möglichkeit haben, das Erfahrene und Erlebte zu verarbeiten.

 

Kommen die Frauen durchschnittlich öfter mit Kindern?

Wenn man die Zahlen anschaut, kann schon davon ausgegangen werden, dass der Großteil der Frauen mit ihren Kindern flüchten. Im Vorjahr sind insgesamt 3502 Frauen und Kinder ins Frauenhaus geflüchtet, davon waren 1735 Frauen und 1767 Kinder.

 

Wie lange bleiben die Frauen durchschnittlich im Frauenhaus?

Auch das ist unterschiedlich. Manche Frauen bleiben nur für einen kurzen Krisenaufenthalt, der in unserer Statistik mit 1-3 Tagen erhoben wird, andere bleiben bis zu einem halben Jahr, der große Prozentsatz bleibt zwischen einem halben Jahr und einem ganzen Jahr.

 

Vor 25 Jahren ist der Verein AÖF ( Verein Autonome Frauenhäuser Österreich) gegründet worden. Was für Erneuerungen hat das mit sich gebracht?

Der Verein AÖF geht darauf zurück, dass die Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser sich zusammenschließen wollten. Zum einen um sich untereinander vernetzen und in ihrer Arbeit besser austauschen zu können, zum anderen aber auch, um gemeinsam an die Öffentlichkeit zu gehen. Mittlerweile ist der Verein ziemlich gewachsen. 1991 ist die Interventionsstelle gegen Gewalt hinzugekommen. Wir veranstalten zwei Mal jährlich die Frauenhaus-Tagungen, bieten Workshops für Schulen an und stellen Infobroschüren her, zum Beispiel über das Gewaltschutzgesetz, oder darüber, welche Gewaltformen es überhaupt gibt und wo man Hilfe bekommen kann. 1994 ist das Europäische Netzwerk gegen Gewalt an Frauen Wave (Women against Violence Europe) dazugekommen, wo auch der AÖF der Träger ist, und 1998 dann die Frauenhelpline.

 

Auch die Frauenhelpline feiert heuer ein Jubiläum. Erzählen Sie ein bisschen was zu ihrer Entstehung.   

Die Frauenhelpline gegen Gewalt gibt es nun seit 15 Jahren und ist eine bundesweite Hotline, die 1998 unter der damaligen Frauenministerin Barbara Prammer als die erste große, österreichweite Frauenhelpline begründet wurde. Eine Hotline ist ein sehr niederschwelliges Angebot. Die Mitarbeiterinnen versuchen herauszufinden, welche Problemfelder es überhaupt gibt, um dann in weiterer Folge zu schauen, wie man die Frauen am besten in ihrem Weg raus aus der Gewalt unterstützen kann. Die Mitarbeiterinnnen sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr erreichbar. Sie beraten auch mehrsprachig auf türkisch, arabisch, bosnisch, kroatisch, serbisch, englisch und rumänisch. Die Zielgruppe sind in erster Linie Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind, aber es rufen auch Angehörige von Gewalt-betroffenen Frauen an, die sich erkundigen, wie sie helfen und unterstützen können.

 

Hat sich das Bewusstsein für die Hotline im Laufe der letzten fünfzehn Jahren verbessert?

Wir hoffen natürlich sehr, dass die Hotline nach fünfzehn Jahren eine Stelle ist, die sich etabliert hat. Viele Beratungseinrichtungen, vor allem Frauenberatungseinrichtungen, haben die Nummer auf ihrer Website.

 

Stichwort Männerberatung: Gibt es da eine Art von Zusammenarbeit?

Ja, es ist uns wichtig, dass da ein reger Austausch existiert. Es gibt auch ein Netzwerk, das sich zur Täterarbeit austauscht, in dem natürlich auch die Männerberatungen vertreten sind und auch bei der Plattform gegen Gewalt in der Familie ist die Männerberatungsstelle vertreten. Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Männerberatungen finanziell besser unterstützt werden und Anti-Gewalt-Trainings österreichweit finanziert werden.

 

Stichwort Väterechtsbewegung: Haben sich in den letzten Jahren im Hinblick auf die Väterrechtsbewegung Probleme aufgetan, die es davor nicht gegeben hat?

Man hat zu Wahlkampfzeiten recht stark bemerkt, dass gerade die Väterrechtsbewegung versucht hat, sich zu positionieren und ihre Anliegen noch mehr nach außen zu tragen. Beispielsweise, wenn es um den Rechtsbereich und ums Obsorgerecht geht, gibt es Strömungen, die versuchen ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen zu Wahlkampfzeiten noch stärker einzubringen.

 

Wie ist die derzeitige Situation der Frauenhäuser? Politisch und finanziell?

Die Finanzierung der Frauenhäuser ist Ländersache, dementsprechend ist auch die Finanzierung der Frauenhäuser von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. In manchen Bundesländern ist die Finanzierung halbwegs gesichert, in anderen Bundesländern schaut es prekärer aus. Wir hören immer wieder, dass zum Beispiel Übersetzungskosten nicht so gedeckt werden, wie sie sollten, oder, dass es mehr Mitarbeiterinnen in den Frauenhäusern brauchen würde. Die Situation ist demnach also sehr abhängig vom jeweiligen Bundesland. Wir sind natürlich auch gespannt, was die neue Regierung mit sich bringen wird und hoffen auf große Unterstützung der Gewaltschutzarbeit.

 

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Wir würden uns wünschen, dass eine Bundesländer-übergreifende Aufnahme in die Frauenhäuser möglich wird. Auf Grund der unterschiedlichen Finanzierung ist das bis jetzt nicht möglich. Es gibt aber Fälle, wo es aus Sicherheitsgründen für die Frauen und Kinder notwendig wäre. Es ist wünschenswert, dass es, wenn die Gefährdung im eigenen Bundesland zu groß ist, in naher Zukunft machbar wird zu überstellen.

 

Welche aktuellen Projekte sind angedacht?

Am 25. November starten die Tage gegen Gewalt. Das ist eine internationale Kampagne gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, bei der  wir jedes Jahr sehr aktiv dabei sind. Im Zuge dessen veranstalten wir eine Filmnacht und bieten eine Ringvorlesung mit dem heurigen Themen-Schwerpunkt „Gewalt an älteren Menschen“ an. In der Vorlesung werden sowohl rechtliche Aspekte beleuchtet, als auch medizinische, soziologische, philosophische und ethische. Am 28. November veranstalten wir einen Poetry Slam und auf der Website „Der Wunschzettel der Frauenhäuser“ können Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser und Frauen und Kinder, die in einem der Frauenhäuser leben, ihre Wünsche aufschreiben. Man kann die Website besuchen und vielleicht ja den einen oder anderen Wunsch erfüllen.

 

Foto: Autonome Österreichische Frauenhäuser

 

Am 24. November ist die große Benefiz-Matinee „gestern für heute für morgen“. Wie werden die Jubiläen 35 Jahre Wiener Frauenhäuser, 25 Jahre AÖF und 15 Jahre Frauenhelpline gefeiert?

Am Vormittag findet im Volkstheater die Matinee statt, wo unter anderem die Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die insofern mit den Frauenhäusern recht eng verbunden ist als dass sie die Frauenhelpline initiiert hat und bei der Gründung vom Linzer Frauenhaus eine wichtige Rolle gespielt hat, die Laudatio halten. Zwei der Gründerinnen, Rosa Logar und Irmtraut Karlsson werden in einer Art Doppel-Conference miteinander sprechen und erzählerisch zurückblicken. Sybille Hamann wird eine Podiumsdiskussion moderieren, an der unter anderem Irmtraut Karlsson, Adele Neuhauser, Christoph Feuerstein und der Polizei Vizepräsident Karl Mahrer, der schon seit vielen Jahren ein wichtiger Unterstützer der Frauenhaus-Arbeit ist und für die Etablierung des Gewaltschutzgesetzes wichtig war, teilnehmen. Die Autorin Julya Rabinowich wird einen Text lesen und die Rounder Girls werden gesangliche Stücke darbieten.

Am Nachmittag gibt es auch noch in der Roten Bar und im Weißen Salon Veranstaltungen. Mika Vember spielt gemeinsam mit einer Akkordeonistin, zeitgleich sind im Weißen Salon die Leiterinnen der vier Wiener Frauenhäusern vertreten, die vom Jetztstand berichten. Später wird die Schauspielerin Pia Hierzegger ein szenisches Interview mit dem Leiter der Männerberatungsstelle Romeo Bisutti und Berivan Aslan von den Grünen führen. Außerdem gibt einen Büchertisch und einen Infotisch, wo die Leute mit den Mitarbeiterinnen ins Gespräch kommen können.

 

Benefiz-Matinee: 35 Jahre Frauenhäuser, 25 Jahre Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, 15 Jahre Frauenhelpline gegen Gewalt

Autonome Österreichische Frauenhäuser

Eine Praktikantin probt den Widerstand

  • 15.12.2014, 11:30

Buch-Rezension

Wie gelingt der Ausbruch? Wie der Widerstand im Kleinen? Wie beendet man den prekären Zustand des ewigen Praktikant_innen-Daseins? Das fragt sich die Protagonistin in Eva Schörkhubers Romandebüt „Quecksilbertage“, das eine sprachliche Bestandsaufnahme unserer heutigen (Arbeits-)Gesellschaft und zugleich ein Versuch ist, daraus auszubrechen. Valerie ist etwas über 30, Juristin und trotzdem ohne richtigen Job. Sie arbeitet 24 Stunden die Woche, davon 20 bezahlt, für das dubiose „Institut für die nachhaltige Kommunikation mit der Zivilgesellschaft“ und hört von allen Seiten, dass man als Praktikantin die Chance auf eine (baldige) große Zukunft hat. Aber anstatt in dem ewigen Zustand der Ausbeutung zu verharren, wird Valerie auf stille Art aktiv. Sie stellt nicht nur das Institut, für das sie arbeitet, in Frage, sondern darüber hinaus auch die politische Vergangenheit ihrer Familie, obwohl die Mutter befindet, dass „diese ganze Nachfragerei unangebracht“ sei.

Indem Schörkhuber die Protagonistin in ihrem inneren Konflikt auf lange Streifzüge durch Wien schickt, entwirft die 1982 in St. Pölten geborene und in Wien lebende Autorin obendrein das Bild einer Stadt und ihrer Geschichte. Genaue Bestandsaufnahmen von Wiens historischen Orten und Denkmälern entstehen. Da sind der Heldenplatz, die „Gedenksteinblöcke“ am Morzinplatz, eine Marmortafel in Gedenken an den KPÖ-Vorsitzenden Johann Koplenig: „Wie Valerie das Denkmal umkreiste, ihr Gang zuerst langsam, vorsichtig, schleichend, schließlich mit zunehmendem Gedankenstrom schneller, die Gedanken, die ins Strudeln gerieten, Anknüpfungspunkte, die sich überlagerten, verstrickten, Bilder, Sätze, die aufflackerten, die wieder verlöschten.“ Sätze wie dieser sind symptomatisch für „Quecksilbertage“, in dem ein übermäßiger Gebrauch von poetischen Formulierungen, Aufzählungen und Doppelungen vorherrscht. Weniger Verspieltheit hätte dem Romandebüt, in dem der Widerstand letztendlich auf textlicher Ebene geprobt wird, allerdings gut getan.

Eva Schörkhuber: „Quecksilbertage“ Edition Atelier, 200 Seiten - 17,95 Euro, E-Book 9,99 Euro

Sara Schausberger hat Germanistik studiert und arbeitet als Kulturjournalistin in Wien.

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