Marlene Brüggemann

Kaffeetrinken, Lieben und Spazierengehen

  • 24.06.2013, 15:07

Der Philosophieprofessor Robert Pfaller spricht von Hamsterrädern, Ozeanen als Swimmingpools und flüsternden Bars. Im progress-Interview erklärt er, was sie mit dem guten Leben zu tun haben.

Der Philosophieprofessor Robert Pfaller spricht von Hamsterrädern, Ozeanen als Swimmingpools und flüsternden Bars. Im progress-Interview erklärt er, was sie mit dem guten Leben zu tun haben.

progress: Herr Pfaller, gibt es etwas, dass Sie sich jeden Tag gönnen?

Robert Pfaller: Ein bisschen Philosophie. Braucht ein gutes Leben die luxuriöse Ausschweifung? Was wir für ein gutes Leben brauchen, ist kein Luxus. Die kleinen Unterbrechungen wie Kaffeetrinken, Lieben oder Spazierengehen, die uns das Gefühl lohnenden Lebens verschaffen, sind nicht teuer. Sie setzen aber Größe voraus. Man muss eingesehen haben, dass man ein endliches Wesen ist – und eben darum auch relativ leicht zufriedenzustellen ist.

progress: Wann ist man zufrieden?

Pfaller: Unsere Gier nach gigantischen oder kostspieligen Vergnügungen beruht immer auf einer Größenphantasie – nämlich, dass wir unendlich genussfähig oder sogar unsterblich wären. Demgegenüber setzt die Einsicht, dass wir zum Beispiel keinen ganzen Ozean zum Schwimmen brauchen, einen gewissen Humor voraus. Also die Fähigkeit, sich selbst als begrenzt zu betrachten
und sich in dieser Eigenschaft ein wenig liebevoll zu belächeln.

progress: Bleiben wir bei der Maßlosigkeit. Muss man sich in einer Wegwerfgesellschaft überhaupt noch für ein maßloses Leben rechtfertigen oder schämen?

Pfaller: Es stimmt – wir produzieren zwar immer mehr Müll., aber zugleich wird Nichtstun oder Glück immer argwöhnischer beäugt.

progress: Wieso ist das Glück – aber vorallem das Nichtstun – so stark in Veruf geraten?

Pfaller: Da wir den Anderen nur noch als Privatperson wahrnehmen, glauben wir, sein Glück ginge immer auf Kosten des unseren. Darum hassen wir sein Glück, vor allem seinen Müßiggang. Wir glauben dann, wir müßten an seiner Stelle schuften. Würden wir den Anderen hingegen, wie es bis vor etwa 15-20 Jahren noch üblich war, auch als etwas Allgemeines, als politischen Bürger oder als „public man“, sehen, dann wären wir fähig, sein Glück auch als unser Glück zu betrachten. Denn wenn wir uns auf dieser zivilisierten Ebene des „public man“ begegnen, ist immer klar, dass die Qualitäten auf Wechselseitigkeit beruhen. Das heißt wenn der Andere nicht glücklich ist, können wir es auch nicht sein; wenn er keine Würde hat, haben wir auch keine; wenn er nicht frei ist, sind wir es auch nicht.

progress: Werbung und Unterhaltungsindustrie boomen. Steht die Konsumgesellschaft nicht im krassen Widerspruch zu einer Moral der Sicherheit und des Maßhaltens?

Pfaller: Natürlich kann eine Konsumgesellschaft sogar aus dem Maßhalten noch eine Ware machen. Man kann sich auf teurere, feinere, exklusivere Weise mäßigen, als andere das tun.

progress: Selbst bei geringem Einkommen sind wenige bereit auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten. Warum ist das so?

Pfaller: Weil das eben Genußmittel sind, die uns die kostbaren Momente der Unterbrechung des Alltags eröffnen. Bei einem Schluck Wein mit Freunden treten wir einen Schritt aus unserem Hamsterrad heraus und stellen uns leichter die Frage: Was ist nötig, damit wir unser Leben wirklich ein Leben nennen können?

progress: Wollen Sie damit sagen, dass wir die Gemeinschaft brauchen, um unser Glück erkennen zu können?

Pfaller: Nicht die Gemeinschaft, sondern die Gesellschaft. Es sind nicht die tatsächlichen Anderen unserer Umgebung, die uns zum Genuss befähigen, sondern virtuelle, abstrakte Größen. Das ist die Kultur, das Mondäne - zum Beispiel die Eleganz einer Bar, die mir leise zuzuflüstern scheint: „Jetzt benimm dich mal nicht wie ein Kind und bestell dir bitte ja keinen Fruchtsaft.“

progress: Muss etwas Besonders immer exklusiv sein, um besonders zu bleiben? Anders gesagt: Ist Luxus als ein Allgemeingut realistisch?

Pfaller: Keine Sorge. Sogar jetzt gibt es in den Überflussgesellschaften sehr viel Luxus für ziemlich viele Menschen – allerdings ist darunter nur wenig, das sie glücklich macht. Dagegen sind die
Dinge, die das Leben lohnend machen, sehr erschwinglich. Mahatma Gandhi hat deshalb mit Recht gesagt: „There is enough for everybody's need, but not enough for anybody's greed“. Darin zeigt sich Gandhi als würdiger Nachfahre des antiken griechischen Philosophen Epikur, der lehrte, dass das, was für die menschliche Lust notwendig ist, für alle Menschen auch jederzeit leicht zu beschaffen ist.

progress: Die Mieten in Wohnheimen explodieren, die Familienbeihilfe wird gekürzt und an den Unis wird gespart. Der Druck auf die Studierenden nimmt immer mehr zu. Ist in einem Studierendenalltag überhaupt noch Platz für Genuss und Gemeinschaft?

Pfaller: Genau dagegen – vor allem gegen die Universitätsreformen, wodurch die Unis zu Zwangs- und Kontrollanstalten mit permanentem Prüfungsstress wurden – haben sich die Studierenden und Lehrenden beim europaweiten Streik 2009 gewehrt. Die kleinsten Freiräume, die früher selbstverständlich waren – etwa, dass Studierende Zeit haben, ein ganzes Buch zu lesen, oder dass Lehrende mit ihnen in Ruhe eine Arbeit besprechen können – diese Freiräume müssen heute mühsamst erkämpft werden.

progress: In ihrem Buch Wofür es sich zu leben lohnt fordern Sie die Menschen auf, sich eine hedonistische Lebensweise nicht verbieten zu lassen. Sprechen Sie damit nicht ausschließlich eine gebildete, weiße Mittelschicht an, die es sich leisten kann, sich zu empören?

Pfaller: Nein. Ich wende mich gegen eine Politik, die den aktuellen Beraubungen der Mittel- und Unterschichten willig assistiert, indem sie zusätzlich Ängste erzeugt – zum Beispiel in bezug auf Gesundheit, Sicherheit, Umwelt, Schulden. Diese Angstmache zielt darauf ab, die Menschen in Todesfurcht zu versetzen und sie dementsprechend feige, gehorsam, würdelos und neidisch auf das Glück der Anderen zu machen.

Es geht aber nicht, wie diese Politik uns ständig weißmachen will, um das Überleben – denn sterben müssen wir ohnehin; es geht vielmehr um das gute Leben. Auf die Frage nach dem guten Leben zu beharren, ist darum der erste Schritt, um sich all das nicht gefallen zu lassen. Dieses materialistische Beharren war den Unterschichten traditionell sogar viel vertrauter als den idealistischeren, asketischer gestimmten und gehorsamsbereiteren Mittelschichten. Darum lässt Brecht die Pariser Kommunarden sagen:

„In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.“

Winter is coming

  • 12.01.2016, 18:59

Während sich die Medienberichterstattung auf Nickelsdorf oder Spielfeld konzentriert, hat progress sich die Situation für Flüchtlinge in Oberösterreich angesehen. Nach der Schließung der Notunterkunft im ehemaligen Postverteilerzentrum in der Nähe des Linzer Hauptbahnhofs, verschärft sich die Frage der Versorgung der Geflüchteten erneut.

Während sich die Medienberichterstattung auf Nickelsdorf oder Spielfeld konzentriert, hat progress sich die Situation für Flüchtlinge in Oberösterreich angesehen. Nach der Schließung der Notunterkunft im ehemaligen Postverteilerzentrum in der Nähe des Linzer Hauptbahnhofs, verschärft sich die Frage der Versorgung der Geflüchteten erneut.

„We don't know where we are going. Or when we are leaving“, sagt Mohammed, der mit seinem etwas schüchternen Freund_ auf einer Bierbank inmitten einer großen, schlecht beleuchteten Halle sitzt. An den Rändern der Halle sieht eins nebeneinander Feldbetten und Zelte aufgereiht. Eine_r hat am Ende seines_ihres Bettes einen kleinen Spiegel an die Wand gelehnt.

Neben Mohammed und seinem Freund_ sind in der Halle im Vergleich zu den vorherigen Tagen und Wochen nur mehr wenige Geflüchteten. Insgesamt 24.000 Geflüchtete hatten hier seit der Eröffnung der Notunterkunft, am 11. September, bis zur Schließung am 29. Oktober ein Bett. In dem Schlafsaal in dem zuvor noch 600 bis 1.000 Geflüchtete für ein Nacht bleiben konnten, klappen nun junge Bundesheerler in grünen Pullovern, Hosen und Schirmmützen Feldbetten zusammen.

FLÜCHTIGE VERSORGUNG. Die zirka 50 Geflüchteten, die noch übriggeblieben sind, sitzen auf Bänken; ein Kleinkind kickt einen schmutzigen Schaumstoffwürfel durch die Gegend; ein Jugendlicher probiert sich auf den glatten Böden des ehemaligen Postverteilerzentrums im Skateboard fahren. „Die Flüchtlinge, die heute hier sind, werden auf Quartiere in ganz Oberösterreich aufgeteilt“, versichert Rabeder, Koordinator des Postverteilerzentrums (PVZ) und Mitarbeiter des Roten Kreuz. Immer wieder hebt er sein Handy ab und telefoniert in kurzen, direkten Anweisungen. „Tut mir leid, dass es hektisch ist. Heute ist Aufbruchstimmung.“

Aufgrund der sinkenden Temperaturen muss das Postverteilerzenrum in der Waldeggstraße als Notunterkunft für Flüchtlinge geschlossen werden. Auch wenn es ausserhalb des PVZ 10°C hat, ist in der Halle in der sich Mohammed und die anderen Flüchtlinge befinden von der Kälte nicht allzu viel zu spüren. „Die Wärme in der Halle kommt nur von den Menschen. Heizung gibt es hier keine“, erklärt Wolfgang Rabeder. Er ist fast jeden Tag im PVZ und kümmert sich um die Infrastruktur und die Koordination vor Ort. Doch nicht nur die fehlende Heizung macht das PVZ als winterfestes und längerfristiges Quartier unbrauchbar. „Wenn das Wasser für die Toiletten und die Duschen in den Tanks gefriert, dann haben wir ein großes Problem. Erst wenn wir Wasser und Strom haben, können wir das PVZ wieder benutzen“, erklärt Rabeder. In der Quarantäne in der noch einige Feldbetten für frühere Patient_innen stehen, hat jemand das Fenster geöffnet. Nachdem Rabeder es schließt, fällt die Klinke ab. Doch Rabeder hält sich nicht damit auf, er hat noch viel zu erledigen.

Foto: Marlene Brüggemann

LEARNING BY DOING. Neben der Quarantäne zeigt er progress im Schnellschritt die Essens- und Kleiderausgabe, Waschbereiche in niedrigen Zelten, die Ambulanz und auch einen kleinen, engen Raum in dem eine Bierbank und einige Tücher liegen. „Die Frauen wollten ihre Kinder nicht öffentlich stillen, deswegen richteten wir ein Stillzimmer ein. Für uns ist die Situation ganz neu, wir mussten einiges, was die Bedürfnisse der Flüchtlinge und die Organisation anbelangt, dazulernen.“

Dass die Geflüchteten sich nicht als eine homogene Masse verhalten und Konflikte auf der Flucht nicht einfach verpuffen, zeigt sich in der Praxis, wenn Helfer_innen mit den Geflüchteten arbeiten. Manuel Schwarzl war Leiter der Dolmetscher_innen im PVZ und weiß von den anfänglichen Konflikten. „Wir mussten einige Dolmetscher_innen rauswerfen, da sie Informationen nur gewissen Bevölkerungsgruppen weitergaben und diese bevorzugten. Das sorgte am Anfang für Wirbel.“ Nach dem Rauswurf, blieben jedoch genug Dolmetscher_innen übrig, die von ausgrenzenden Praktiken absahen. „Ohne die Dolmetscher_innen ginge hier gar nichts“, mahnt Rabeder.

ÜBERLEBENSMITTEL KONDOM. Ruhiger als im PVZ geht es in der Drehscheibe, einem ehemaligen Lokal im Hauptbahnhof Linz, zu. Dort rastet sich eine Familie aus, einige Freiwillige plaudern bei Keksen miteinander. „In der Drehscheibe versorgen Caritasmitarbeiter_innen gemeinsam mit Freiwilligen Flüchtlinge mit Nahrung und Getränken. Vieles bekommen wir als Spenden, den Rest kauft die Caritas zu Großhandelspreisen ein“, so Gerhard Reischl, Stellvertreter des Direktors und Geschäftsführer der Caritas. Im September übernahm die Caritas die Arbeit, die bis dahin von den Freiwilligen des Bündnis Linz gegen Rechts gestemmt wurde. Als erste vor Ort schufen sie eine Infrastruktur am Hauptbahnhof Linz, bildeten Gruppen, vor allem auf der Plattform Facebook, zur Koordination von Spenden und Freiwilligen und kommunizierten über Social Media mit Helfer_innen in Städten wie Wien und Salzburg und in weiterer Folge in ganz Europa.Foto: Marlene Brüggemann

Die Caritas baut auf diesen Strukturen auf, versucht aber mehr nach System vorzugehen. „Wir haben einen fixen Lagerstand und ausgebildete Sozialarbeiter_innen. Wir sind auch mit dem Anbieten defensiver. Wenn die Flüchtlinge in Wien schon gut versorgt wurden, dann stürmen wir nicht durch den Zug.“ Als verlängerter Arm des Sozialstaates sieht sich die Caritas nicht, versucht aber dessen blinde Flecken auszuleuchten: „Die Christen haben ein Auge dafür wo Not ist, und deswegen eine Vorreiter_innenrolle inne, wenn es um die Unterstützung für Menschen in Not geht. Der Staat ist damit überfordert und justiert nur nach.“ Auf die Frage, ob bei der Versorgung der Flüchtlinge mit Verhütungsmittel die christlich-katholischen Grundsätze in die Quere kommen, antwortet Reischl: „Wir beschränken uns auf Überlebensmittel, also Wasser und Nahrung.“

FORDERN STATT NÄCHSTENLIEBEN. Rubia Salgado arbeitet für maiz, Autonomes Zentrum von und für Migrantinnen_, und gibt sich mit der Rolle der Regierung nicht zufrieden. „Unsere Feststellung ist, dass Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und auch Somalia kaum Informationen haben. Da ist die Regierung gefragt.“ maiz legt den Schwerpunkt nicht auf karitative, sondern auf politische Arbeit. Gemeinsam mit Flüchtlingen und Migrantinnen_ haben die Frauen_ von maiz, die Arabisch, Somalisch und weiter Sprachen sprechen, einen Forderungskatalog formuliert. Darin fordern sie keine Rückführungen von Geflüchteten nach Bulgarien oder Ungarn oder auch menschenwürdigere Unterkünfte für Flüchtlinge. Während sie auf ihre Drängen hin eine rechtliche Beratung für Geflüchtete in Linz durchsetzen konnten, sieht es bei der Umsetzung anderer Forderungen, z.B. bei der Öffnung des Arbeitsmarktes für Geflüchtete und Asylantragsteller_innen, schlecht aus. Salgado macht der restriktive Umgang mit Flüchtlingen und Migrant_innen Sorgen und sieht Handlungsbedarf bei der Linken. „Wir verstehen uns bei maiz als radikal-demokratisch und wir haben etwas versäumt. Es ist höchste Zeit, dass die Linke sich wieder organisiert und Strategien überlegt. Es steht uns viel bevor.“

Foto: Marlene Brüggemann

KATASTROPHENKOSTEN. Düster sieht es auch bei der Suche nach einem Ersatzquartier für das Postverteilerzentrum aus. „Die Entscheidung liegt bei der Landespolizeidirektion, die für das Bundesministeriums für Inneres fungiert. Das Rote Kreuz steht hier in zweiter Reihe“, so Stefan Neubauer, Pressesprecher des Roten Kreuz OÖ. Eine weitere Frage bleibt, wer welche Kosten übernimmt und welche Kosten davon das BMI dem Roten Kreuz, der Feuerwehr, der Polizei, dem Bundesheer, dem Arbeiter-Samariter-Bund, der Caritas und beteiligten NGOs, rückerstattet. Für Neubauer ist klar: „Erst wenn sich das BMI entscheidet die Kosten für eine neue Unterkunft oder eine Instandsetzung des Postverteilerzentrums zu zahlen, wird klar sein ob, wann und wo es eine neues Quartier geben wird.“

Bis dahin wurden vom Roten Kreuz drei Großraumzelte mit jeweils 1.000 Plätzen für Flüchtlinge an den Grenzübergängen bei Schärding, Braunau am Inn und Kollerschlag-Wegscheid aufgestellt. Dort verschärft sich jedoch das Problem der Kälte. „Die Flüchtlinge und mit ihnen die Rot-Kreuz-HelferInnen stehen an den Übergängen bis zu 50 Stunden. Speziell in der Nacht ist die Kälte eine große Belastung“, weiß Neubauer. Für das Rote Kreuz ist die Versorgung von Flüchtling eine Herausforderung, da es keine Richtlinien gibt, wie mit einer solchen Situation umzugehen sei. „Das Rote Kreuz ist eine humanitäre Einsatzorganisation und bei uns gibt es einen Katastrophenplan. Es klingt blöd, aber für das Rote Kreuz ist die Flüchtlingssituation eine Katastrophe und wird auch so gehandhabt. Wir müssen in kurzer Zeit eine Struktur aufbauen. Aber so einen Einsatz haben wir noch nie erlebt.“

Rabender stößt hingegen schon bei der Schließung des Postverteilerzentrums und der Unterbringung der Flüchtlinge für eine Nacht auf Probleme. „Das ist wie wenn zuhause der Strom ausfällt und du musst mit Kerzenlicht weiterarbeiten.“ Daraufhin widerspricht sein Kollege: „Nein, wir arbeiten im Dunkeln ohne Kerzenlicht. Wir haben keine Alternative.“

 

Marlene Brüggemann studiert Philosophie an der Universität Wien.

Superheldin in Zivil

  • 05.02.2015, 13:02

Comic-Rezension

Comic-Rezension

Da geht’s rund, dêh! In der Graphic Novel „Aya“ von Marguerite Abouet wird das Leben der jungen Aya in Yop City an der Elfenbeinküste erzählt. Mit allen Ecken und Kanten – differenziert und detailreich in Farbe bebildert von Clément Oubrerie. Es wäre eine klassische Coming-of-Age- Geschichte mit partywütigen Teenies, Herzschmerz und Missverständnissen, wenn da nicht auch Aya wäre, die sich ihr Leben anders vorstellt. Sie will nach ihrem Schulabschluss Medizin studieren. Schmusen im Hotel der Sterne? Keine Zeit. Heiraten? No way. Aber Aya ist keine egozentrische Streberin. Mit Weitblick und Gerechtigkeitssinn hilft sie nicht nur ihren Freund_innen Bintou und Adjoua aus der Patsche, sondern auch vielen anderen in Yop City. In einer Stadt, in der es wie in einer Telenovela zugeht, ist das keine leichte Aufgabe. Aya unterstützt nicht nur Bintou dabei, sich ein Leben als Alleinerzieherin aufzubauen, als diese unerwartet schwanger wird, und verhilft dem schüchternen Hérve zu Selbstvertrauen und einem Job als Automechaniker; sie wird auch die Vertraute des schwulen Innocent, der mit seiner homophoben Umgebung kämpft. Als ob das nicht schon genug wäre, organisiert sie eine Rettungsaktion, um Félicité, die von ihrem Vater ins Dorf verschleppt wird, wieder nach Yop City zurückzubringen und spürt mit Adjoua die heimlichen Affären ihrer Liebhaber auf. Aya, die Superheldin in Zivil. Als sich Aya jedoch gegen ihren Biologie-Prof wehrt, der seine Student_innen vergewaltigt, droht er ihr die Zukunft als Ärztin zu zerstören. Scham und Hilflosigkeit setzen Aya stark zu, alles wird zuviel – sie kann nicht mehr und wird krank. Nun sind ihre Freund_innen am Zug und sie lassen Aya nicht hängen. Vor allem die wütende Adjoua sorgt dafür, dass Ayas Biologie-Prof schlussendlich verhaftet wird. Abouets und Oubreries Graphic Novel rechnet auch mit eurozentristischen Vorurteilen gegenüber Afrika ab. Mit vielfältigen Charakteren, aufwendigkonkreter Bildsprache und Geschichten über Alltag und Abenteuer schenken sie den Leser_innen eine Alternative zum kolonialistischen Blick auf ein Leben an der Elfenbeinküste.

Marguerite Abouet, Clément Oubrerie: „Aya“ und „Aya: Leben in Yop City“ Reprodukt, 360 und 364 Seiten jeweils 39 Euro

 

Marlene Brüggemann studiert Philosophie an der Uni Wien.

Rückentattoos und Ratten im Kopf

  • 15.12.2014, 11:16

Comic-Rezension

„Meine Persönlichkeit hatte also eine Störung, die nicht einzigartig war.“ Ellen Forney ist manisch-depressiv. Eine Diagnose, die sie anscheinend vor eine Entscheidung stellt: geniale maniac Künstlerin oder medikamentös behandelte Normalokünstlerin? In ihrer Graphic Novel „Meine Tassen im Schrank“ beschreibt und bebildert Ellen Forney den Verlauf ihrer bipolaren Störung und ihren Umgang damit. Als ihre Therapeutin zu Beginn des Buches die Diagnose stellt, ist die Autorin mitten in einer manischen Phase. Für Forney ist klar: Sie will nicht, dass ihr Leben von ihrer Krankheit bestimmt wird – schließlich ließen Jackson Pollock, Virginia Woolf und Anne Sexton das auch nicht zu. „Das manische Ich heute sorgt für das depressive Ich später“ wird ihre Devise. Sie plant weiterhin pompöse Queerpartys, lässt sich den Rücken tätowieren und macht Fotoshoots mit Freundinnen für einen Pornocomic. Bis sie ihre Freundinnen mehr oder weniger in den Keller eines Bekannten entführt. Nach einer Verkleidungssession mit Hilfe des Drag-Queen-Fundus dieses Bekannten packt sie die Einsicht: Ihre Krankheit macht sich auch für andere bemerkbar.

Mit einem Kratzen im Hals und einem Druck in der Nasenhöhle kündigt sich die andere Seite der bipolaren Störung an. Angst und Gefühle wie das, dass der eigene Kopf „ein Käfig voller wütender Ratten“ sei, bringen Forney dazu, sich mit Lithium behandeln zu lassen. Es folgt eine depressive Phase und Forney ist am Boden oder besser gesagt im Bett. Die schwarz-weißen Zeichnungen der Graphic Novel werden schlichter, einfacher, weniger beeindruckend. Man sieht einen Hügel im Bett, eine Figur, die in eine Decke gewickelt einen neuen Raum betritt und auf dem Sofa erneut zu einem Hügel wird – es ist Ellen Forney. Mit Selbstporträts und Yoga, einem Wirr-Warr aus Medikamenten und Gesprächen mit ihrer Therapeutin findet Forney langsam einen Weg als Künstlerin mit bipolarer Störung leben zu können. Mit „Meine Tassen im Schrank“ schaffte sie ein Lebensprotokoll, das mit Witz und Pointiertheit den Ernst einer psychischen Erkrankung illustriert.

Ellen Forney: „Meine Tassen im Schrank“ Egmont Graphic Novel, 256 Seiten - 19,99 Euro

Marlene Brüggemann studiert Philosophie an der Uni Wien.

No kids on the block

  • 11.12.2014, 09:01

2014 feiert das Internationale Jahr der Familie sein 20. Jubiläum. Statt ein weiteres Loblied auf die Mutter-Vater-Kind-Familie zu singen, hat progress das zum Anlass genommen, Menschen, die keine Kinder wollen, ins Zentrum zu rücken.

2014 feiert das Internationale Jahr der Familie sein 20. Jubiläum. Statt ein weiteres Loblied auf die ‚Mutter-Vater-Kind’-Familie zu singen, hat progress das zum Anlass genommen, Menschen, die keine Kinder wollen, ins Zentrum zu rücken.

Warum keine Kinder bekommen? „Kinder sind doof. Ist das nicht Grund genug?“, fragt @Mr.Bubbles auf Twitter. Und stellt sich damit gegen eine allgemein verbreitete Selbstverständlichkeit: die des Kinderkriegens. Es gibt auch andere Lebensentwürfe als jenen des heterosexuellen Ehepaars mit zwei Kindern.

Momentan ist der Kinderwunsch in Österreich die Norm. Laut Tomáš Sobotka, Leiter der Forschungsgruppe für vergleichende europäische Demographie am Vienna Institute of Demography, wollen nur 4-5 Prozent der 20- bis 29-Jährigen keine Kinder bekommen. Am Beliebtesten bleibt das klassische Konzept der Kernfamilie bestehend aus zwei Elternteilen und zwei Kindern. Weniger gebildete Frauen sowie bestimmte Migrant_innengruppen (v. a. aus der Türkei, dem Kosovo und Albanien) haben die meisten Kinder. Entgegen der gängigen Klischees sind die Unterschiede zu anderen Österreicher_innen jedoch nicht dramatisch: Diese Bevölkerungsgruppen haben im Durchschnitt ungefähr zwei Kinder, während die Norm etwas unter zwei Kindern liegt. Auch stirbt Österreich nicht aus. Denn die Anzahl der Geburten in Österreich steigt – laut Sobotka werden in Österreich bis Ende 2014 mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Menschen geboren als gestorben sein.

Kinderlos? Klar! Trotzdem gibt es Menschen, die sich am Kinderkriegen nicht beteiligen können – oder wollen. 27 Prozent der 44-jährigen Frauen in Wien haben keine Kinder. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die betroffenen Personen. Laut Tomáš Sobotka sind die veränderten Möglichkeiten zum Aufschub einer Schwangerschaft eine wichtige Ursache. Zum Beispiel ist durch die „Pille danach“ ein hohes Maß an Kontrolle über Schwangerschaften gewährleistet. Vor allem trifft das auf Frauen mit höherer Bildung  zu, denen eine Karriere wichtig ist. Dass sich der Wunsch, Karriere zu machen, häufig nicht mit dem Großziehen von Kindern vereinen lässt, ist laut Sobotka ein wichtiger Grund, keine Kinder zu bekommen. Auch Sonja, die anonym bleiben möchte, passen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht: „Ich bin ambitioniert“, erklärt die Studentin: „Ich will später auch Bestätigung aus meinem Beruf ziehen. Da ist kein Platz für ein Kind neben einer Vollzeitbelastung im Beruf.“ Ein weiterer Grund ist, dass Frauen die Opfer, die das Aufziehen von Kindern erfordert, nicht bringen wollen. So auch Sonja: „Ich müsste auf meine Karriere verzichten und wäre auf meinen Partner angewiesen.“ Geringe Karrierechancen, der Verzicht auf Vollzeitbeschäftigung und die Aussicht auf Altersarmut sind keine attraktiven Zukunftsvisionen für ein Frauenleben.

2013 gingen in Österreich 80 Prozent der erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter sechs Jahren einer Teilzeitbeschäftigung nach. Ökonomisch düster sieht es besonders für Hausfrauen aus. Denn um Mindestpension beziehen zu können, müssen Frauen 15 Jahre versichert gewesen sein. Zwar ist es möglich, sich pro Kind maximal vier Beitragsjahre anrechnen zu lassen. Bei mehreren Kindern erhöht sich die monatliche Bemessungsgrundlage von 1649,84 € jedoch nicht. Auch werden nicht mehr Jahre angerechnet, wenn die Geburten der Kinder nicht mindestens vier Jahre auseinander liegen. Fehlende Beitragsjahre können nur über eine Erwerbstätigkeit anerkannt werden. Das bedeutet, dass heutige Hausfrauen ohne eigenes Einkommen in 40 Jahren finanziell genauso abhängig von ihren Partner_innen sein werden wie die Generation ihrer Großmütter und Mütter, falls diese Hausfrauen waren. Für Lisas Mutter war das während ihrer Ausbildung zur Krankenpflegerin beispielsweise keine Option. Sie begann nach dem Mutterschutz wieder Vollzeit im Krankenhaus zu arbeiten. Lisa wurde währenddessen von einer Tagesmutter betreut. Lisa ist 24, studiert Anglistik und Germanistik in Salzburg und möchte selbst keine Kinder bekommen. Jedoch nicht aufgrund der finanziellen und sozialen Rahmenbedingungen, sondern weil sie nicht das Bedürfnis danach hat. „Ich hatte nie den Traum, einen Mann zu finden, zu heiraten und Kinder zu bekommen.“

Österreich verlangt Kinder. Der Entscheidung, keine Kinder haben zu wollen, wird oft mit gesellschaftlichem Druck begegnet. Zum Beispiel indem der österreichische Staat die Familie als das höchste Gut definiert. So steht in der Informationsbroschüre „Der Familien-Kompass“ des Bundesministeriums für Familie und Jugend auf der ersten Seite: „Für das Wichtigste im Leben – unsere Familien“. Aber Ein-Kind-Familien reichen der Familienministerin Sophie Karmasin nicht: „‚Mehr Kinder in den Familien – mehr Familien in der Gesellschaft’ – unter diesen Titel haben wir unsere Familienpolitik gestellt.“ Im Allgemeinen wird diese Politik auf der Homepage des Ministeriums für Familie und Jugend folgendermaßen gerechtfertigt: „‚Familie und Kinder‘ bzw. ‚Partnerschaft‘ stehen nach wie vor an erster Stelle der als besonders wichtig erachteten Lebensbereiche der Österreicherinnen und Österreicher. Die Familie ist und bleibt zentraler gesellschaftlicher Werte- und Leistungsträger.“ Sind und waren das Österreicher_innen ohne Kinder nicht?

(c) Luiza Puiu

Der Vorwurf an und die Herabsetzung von Kinderlosen passiert alltäglich aber auch viel indirekter. Kinderlos zu bleiben braucht Ausdauer und Selbstbewusstsein. Die 25-jährige Sonja berichtet von ihren Verwandten in der Steiermark: „Immer wieder rufen mich Verwandte an und erzählen, sie hätten Kindergewand für mich gewaschen und den Kinderwagen für mich aufbewahrt. Noch ist es spielerischer Druck, aber wenn ich mal über 30 bin, wird es wahrscheinlich mühsamer.“ Ihre steirischen Freund_innen akzeptieren ihr Studium als Ausrede dafür, dass sie keine Kinder haben möchte. „Wenn dieses Argument nicht mehr gilt, wird es schwieriger werden.“ Auch der in Wien aufgewachsene Raphael, 19, sagt: „Meine Familie meint immer, ich würde schon sehen. Wenn ich älter werde, würde ich meine Meinung ändern.“

Wir sind keine Kinderhasser_innen.“ Im Gegensatz zu Männern werden Frauen, die keine Kinder haben wollen, häufig negativ dargestellt. Bilder wie das der kinderhassenden Karrierefrau herrschen vor. Für die Berlinerin Sarah Diehl ist das ein Missstand, der auch Grund für ihr aktuelles Buch „Die Uhr, die nicht tickt“ war. „Es fällt Frauen schwer, sich mit Kinderlosen zu identifizieren und sich selbst nicht negativ zu beschreiben.“, so Diehl im Interview. „Aber warum sollten sie denn in ihrer Lebensplanung an etwas anderes denken als an sich? Oft wird das bei Frauen mehr in Frage gestellt als bei Männern.“ Diehl will mit ihrem Buch nicht nur eine Analyse bieten, sondern den Frauen Handwerkszeug geben, um Kinderlosigkeit für sich positiv beschreiben und ein positives Selbstbild entdecken zu können.

„Wenn du als kinderlose Frau von der Gesellschaft als Mangelwesen beschrieben wirst und du dich selbst so wahrnimmst, dann wirkt sich das aus. Als wären Kinder die einzige Sinnstiftung für ein wirkliches Frauen-Dasein.“ Diehl meint, dass die Vorstellung von Weiblichkeit mit Fürsorglichkeit gekoppelt wird. Die Fähigkeit Liebe geben zu können, erscheint dann besonders problematisch bei Kinderlosen. „Das Schwierigste ist, sich aus diesem Stereotyp rauszuwinden und sagen zu können: ‚Ich bin ein liebevoller Mensch, auch wenn ich keine Kinder habe.‘“ Sowohl Sonja als auch Raphael betonen, dass sie Kinder sehr mögen. „Ich sehe mich als wundervolle Tante, als wundervolle Schwester, als wundervolle Kusine – aber nicht unbedingt als Mutter“, sagt Sonja.

Aber – was aus der Norm fällt, wird kritisiert. Stigmatisierungen finden sowohl bei Familien ohne Kinder als auch bei solchen mit vielen Kindern statt. Sonja fühlt sich oft so, als müsse sie sich rechtfertigen. Ihre Verwandten bringen Gegenargumente wie „Du bist doch eine Frau!“, „Man macht das so!“ und „Ihr liebt euch doch!“. Äußerungen dieser Art spiegeln das gesellschaftliche Unbehagen gegenüber Kinderlosen, die nicht selten auch abgestraft werden, wider. Denn wenn sich Frauen der Selbstverständlichkeit der Mutterschaft entziehen, hat das weitreichende soziale und ökonomische Folgen. Diehl dazu: „Die Gesellschaft erwartet, dass Frauen die Arbeit in der Kleinfamilie umsonst machen und das Problem der Vereinbarkeit ihres bleibt. Sobald das hinterfragt wird, hat unsere Gesellschaft Schiss. Denn dann müssen wir Kinderbetreuung auf einmal gesamtgesellschaftlich organisieren, weil die Frauen sie nicht mehr alleine erledigen wollen oder sich dem durch Kinderlosigkeit ganz entziehen.“

Familie reloaded. Argumente fürs Kinderkriegen spiegeln eine enge, oft konservative Vorstellung davon wider, was Familie ist. Dass Familie keineswegs für jeden Menschen das gleiche bedeutet, wird oft ignoriert. Sowohl für Sonja als auch für Raphael ist Familie nicht mit Verwandtschaft gleichzusetzen. „Familie ist ein Verein von Menschen, die zu einander stehen, gefühlsmäßig miteinander verbunden sind, sich unterstützen und gegenseitige Anteilnahme zeigen“, sagt Raphael. Sonja betont die Konstruiertheit von Familie: „Familie ist ein gedankliches Konzept. Sie besteht aus all jenen, die ich für meine Familie halte.“

Um eine Familie zu haben, muss man also keine Kinder bekommen. „Meinem Freund ist es wichtiger, eine glückliche Partnerin zu haben als ein Kind mit einer traurigen Mutter“, berichtet Sonja. Sarah Diehl weiß auch von ihren Interviewpartner_innen, dass sich viele aus Liebe zu ihrer Beziehung gegen Kinder entscheiden: „Die Gleichberechtigung in der Partner_innenschaft hört oft auf, wenn ein Kind kommt.“ Besonders im Fall einer Trennung von unverheirateten Paaren kommen Frauen in eine schwierige Position. Die Zahlen belegen, dass in diesem Fall mehrheitlich Frauen Alleinerzieher_innen werden. Während 2013 mehr Mütter in Österreich alleinerziehend waren als es in der Stadt Salzburg Einwohner_innen gibt, decken die alleinerziehenden Väter zahlenmäßig nicht einmal Mödling ab.

Dass immer mehr Frauen misstrauisch gegenüber dem Konzept der heilen Familie und Mutterschaft sind und sich gegen Kinder entscheiden, liegt nicht an einer feministischen Paranoia. Sondern daran, dass sie in der Realität die meiste Verantwortung übernehmen, Kompromisse eingehen und einen Großteil der Arbeit leisten müssen. Dieses Ungleichgewicht endet nicht mit der Geburt. Auch in der Kinderbetreuungsarbeit stellt sich in der Regel keine fifty-fifty Aufteilung zwischen Frauen und ihren Partnern ein. Diehl führt in ihrem Buch an, dass laut einer Studie des Allensbach-Instituts von 2013 berufstätige Männer im Schnitt zwölf Minuten täglich mit ihren Kindern verbringen – bei vollzeitbeschäftigten Frauen sind es drei Stunden. Auch was die Hausarbeit betrifft, gab jeder zweite Mann zu, dass Frauen den Großteil erledigen. Die Männer aber als Sündenböcke hinzustellen, geht für Diehl zu weit: „Menschen nutzen nun einmal die Strukturen, die sich ihnen bieten. Und so ist es in gewisser Weise verständlich, dass Männer unhinterfragt von ihren Freiräumen Gebrauch machen und ihnen manchmal gar nicht bewusst ist, wie viele Privilegien sie genießen.“

(c) Luiza Puiu

Schwangerschaftsabbruch. Ein hart umkämpftes Privileg der Frauen ist der sichere Schwangerschaftsabbruch im Falle, dass sie ein Kind nicht möchten. Laut dem Österreichischen Verhütungsreport 2012 wird mehr als die Hälfte aller Frauen in Österreich einmal in ihrem Leben ungewollt schwanger. 55 Prozent der befragten Frauen gaben an, sich dabei für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden zu haben.

„Es ist mein Körper“, sagt Sonja. „Ich entscheide darüber, ob ich Kinder haben möchte oder nicht. Man kann von keiner Frau verlangen, gegen ihren Willen ein Baby zu bekommen.“ Auch Lisa würde eine potentielle Schwangerschaft abbrechen. In Österreich ist ein Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate erlaubt. Eine Angabe von Gründen ist nicht erforderlich und der Abbruch kann völlig anonym verlaufen. Im Gegensatz zu den meisten westeuropäischen Ländern wird er jedoch nicht von den Krankenkassen bezahlt. Die Kosten schwanken zwischen 350 und 800 Euro. Außerdem werden Schwangerschaftsabbrüche nicht in allen Krankenhäusern angeboten. In Bundesländern wie Salzburg, Oberösterreich, Vorarlberg und Tirol gibt es jeweils nur eine und im Burgenland keine entsprechende Anlaufstelle – obwohl alle Ärzt_innen in ihrer Ausbildung lernen, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. In einer Umfrage der SPÖ-Frauen, dem „Frauenbarometer 2014“, gaben fast drei Viertel der befragten Männer und Frauen an, dass ein Schwangerschaftsabbruch in allen Krankenhäusern möglich sein sollte.

Auch wenn die Mehrheit der Österreich_innen eindeutig die heterosexuelle Kernfamilie favorisiert, muss der Wunsch nach einem kinderlosen Leben respektiert werden. Dazu gehört auch der freie, kostenlose und sichere Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. Diehl wünscht sich ein solidarischeres Miteinander – auch für Kinderlose. „Es geht nicht darum die Grabenkämpfe auszuweiten und die Blockbildung zwischen Müttern und kinderlosen Frauen zu verschärfen. Ich lege die Betonung hier ganz bewusst auf Frauen, denn sie sind es vornehmlich, die diese Kämpfe führen. Es geht mir nicht um Wertungen, sondern um die gesellschaftliche Akzeptanz verschiedener Lebensentwürfe.“

Marlene Brüggemann und Patricia Urban studieren Philosophie und Kultur- und Sozialanthropologie sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft  an der Uni Wien. 

Pornos sind niemals Missbrauch

  • 15.05.2014, 10:10

 

Feministische Pornos sind ein Versuch den Porno neu zu definieren. Dabei sollen Frauen ihre sexuellen Einschränkungen ablegen und zu neuen Lustufern aufbrechen. Und am besten die Männer noch mit ins Boot nehmen.

Von der Feuchte des letzten Ficks Zwei formlose Körper winden sich, nähern sich einander an. Sie treffen sich, immer wieder, drücken sich aneinander. Zwei Mal zwei längliche Auswölbungen. Küsse. Zwei hautfarbene Stoffhüllen, Silhouetten menschlicher Körper, die sich aneinander reiben. Ein Arm streichelt den anderen, der unter der Berührung erschaudert. Mit der zunehmenden Heftigkeit ihrer Bewegungen finden sich immer mehr markante Auswölbungen, die ihren glatten Hüllen mehr Form geben. Die Berührungen, die zwischen den beiden stattfinden, sind zutiefst menschlich, doch erst dunkle Stellen im Stoff verraten zwei Menschen unter den Anzügen. Es sind die Stellen, die nass werden mit Speichel, Sperma, Schweiß und Scheidenflüssigkeit. Nach und nach werden mit einer Schere immer mehr Teile des Polyesteranzugs herausgeschnitten und die Haut der DarstellerInnen wird sichtbar.

Skin ist der erste Teil einer Sammlung von insgesamt zwölf erotischen Kurzfilmen, die den Titel Dirty Diaries trägt. Es ist eine DVD voll mit feministischem Porno. Die per Handykamera aufgenommenen Kurzfilme zeigen wie vielfältig Porno ist, dessen Fokus nicht auf der männlichen, sondern auf der weiblichen Sexualität liegt. Die von Mia Engberg produzierte Sammlung Dirty Diaries widerspiegelt sexuelle Ausdrucksweisen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Neben Skin wird ein Sexdate mit einem Mann über die Website Bodycontact ausgemacht; ein illustrierter, masturbierender Mann wird als Dildo verwendet bis er tot ist; eine verhaftete Frau wird von einer Polizistin in BDSM Sex verwickelt; und eine Frau vor Fahrgästen in einer Pariser Ubahnstation gefilzt .

Ausgehend von dem Film Come Together, in dem sich Mia Engberg und andere mit Handykameras beim Masturbieren und anschließendem Orgasmus selbst filmten, wurde die Idee zum Projekt Dirty Diaries geboren. Als Reaktion auf sexistische Kritiken von Männern, die die in Come Together vorkommenden DarstellerInnen als zu hässlich schimpften, wurde ein Manifest formuliert, das den Kurzfilmen in Dirty Diaries zu Grunde liegt. Es ist eine Kritik an gängigen Schönheitsidealen, dem Patriarchat und dem Kapitalismus, der einen selbstbestimmten Umgang mit der weiblichen Sexualität und Lust, auch im Porno, im Wege steht.

 

 

Wissen ist sexy Dass sich am Porno nicht nur Konservative stoßen, zeigt die rege PorNObewegung unter FeministInnen, die besonders in den 70ern diskutiert wurde. Eines der bedeutendsten Gesichter war damals die Pornodarstellerin Linda Lovelace aus dem Porno Deep Throat, einer der ersten Mainstreampornofilme, der in den USA in den Kinos gezeigt wurde. Linda Lovelace, deren bürgerlicher Name Linda Boreman war, klagte nach der Veröffentlichung des Films, mit besonderer Unterstützung der Feminstin Gloria Steinem, die Umstände an, unter denen sie den Film gedreht hatte. Sie sprach von mehrfachen Misshandlungen und minimaler Bezahlung, die angesichts dessen, dass der Film geschätzte 600 Millionen US-Dollar einspielte, unangemessen war.

Für viele FeministInnen wurden die Ausbeutung und sexuelle Gewalt im Porno als Auswirkungen des Patriarchats, zu etwas das es zu bekämpfen und zu verbieten galt. Dass Porno aber per se nicht sexistisch und böse sein muss, ist für die 29-jährige unabhängige Pornoproduzentin Åslög Enochsson Ausgangspunkt ihrer sexpositiven Arbeit. Für sie steht fest, dass man als junges Mädchen mit der eigenen Sexualität und Lustbefriedigung konfrontiert ist. Sie selbst fand zum Porno, als sie anfing mit ihrem Körper zu experimentieren. Ihren ersten Orgasmus hatte sie nicht mit ihrem Freund, sondern nach einem Mainstreamfernsehporno. “Es war sehr lehrreich und die Wahrheit ist, dass unsere Körper auf sexuelle Stimulation reagieren, auch wenn die Bilder und Körper nicht nach unserem Geschmack sind. Sex riecht wie Sex, so oder so.” Niemand ist also gefeit vor Sex. Umso wichtiger wird die Etablierung einer fundierten Wissensbasis über Sexualtität, der eigene Körper und der Umgang mit dem Körper anderer kann nicht unter den Tisch gekehrt werden. Die Sexaktivistin Laura Méritt sieht darin eine wichtige Funktion des reflektierten, feministischen Pornos: “Pornografie, also die Darstellung von Sexualität, ist Teil einer Kultur, die gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegelt. Sexualität ist lernbar und wenn wir eine erotische Kultur etablieren und selbstbestimmte Sexualität fördern wollen, ist sexpostitiver Porno eine Möglichkeit. Das Private ist politisch und Wissen macht sexy.” Laura Méritt will sexpositives Angebot betonen und versucht in ihren sexualpolitischen Aktivitäten, Konditionierungen aufzulösen, die Frauen und Männer in ihrer Sexualität beschränken. Sie ist eine Stimme von vielen, die in der Zensur von erotischem Filmmaterial eine einseitige Ausrichtung der Frauenbewegung fürchtet. Denn auch in Deutschland verbreitete sich unter einer Fraktion von Feminst_innen, unter anderem auch durch die von Alice Schwarzer geführte PorNO Kampagne, die Forderung nach einem generellen Verbot von Porno.

Auch Dirty Dairies sorgte für einige Kontroversen. Vor und nach der Veröffentlichung von Dirty Diaries entzündete sich heftige Kritik an dem Umstand, dass die feministische Pornosammlung finanziell hauptsächlich über das Schwedische Filminstitut und damit staatlich gefördert wurde. Die Leiterin des Instituts Cissi Elwin Frenkel verteidigte die Förderung in einem Brief an die Schwedische Kulturministerin Lena Adelsohn Liljeroth damit, dass Dirty Diaries eine neue Herangehensweise weibliche Sexualität darzustellen aufzeigt.

Dauerständer und Wunscherfüllerin Enochsson wollte ebenfalls in Schweden als unabhängige Pornoproduzentin Fuß fassen, doch sie wurde enttäuscht. “Vier Jahre habe ich versucht in Schweden eine Produktion zum Laufen zu bringen, aber es war fast unmöglich.” Um ihrer Arbeit nachgehen zu können, zog sie nach Berlin und fand dort eine rege Aufnahme ihre Projekte. Seitdem hat sie in eineinhalb Jahren mehr Workshops, Filmdrehs, Vorträge und Ausstellungen gemacht als ihr ganzes Leben lang in Schweden. Enochsson will mit ihren Filmen den Porno für die Frauen erobern. Es ist ein Versuch die weibliche Sexualität, die auf “beschämende Weise falsch interpretiert” und “unzureichend dargestellt” wird, in den Mittelpunkt zu rücken. Mit ihrer Arbeit will sie dazu aufrufen, mehr Selbstbewusstsein gegenüber der eigenen sexuellen Erfahrung zu finden. “Ich möchte, dass mehr Frauen, vor allem heterosexuelle Frauen über ihre Feuchte vom letzten Fick prahlen, als darüber wie glücklich sie ihre männlichen Partner gemacht haben.”

Auch Méritt ist überzeugt, dass im Mainstreamporno Frauen zu passiven Wunscherfüllerinnen und Männer zu “unsensiblen, irrealen Dauerständern” reduziert werden, indem eine feste Struktur der Standard-Sexpraktik, also Fellatio, die Penetration mit dem Penis in alle Öffnungen der Frau, der Höhepunkt und die Ejakulation des Mannes als Abschluss,abgearbeitet werden. “Das lässt wenig Raum für einen positiven Umgang mit dem eigenen und anderen Körper.”

Szenen aus der Dokumentation 9 to 5 - Days in Porn des deutschen Regisseurs Jens Hoffmann belegen Méritts Eindruck mit Bildern. Die Dokumentation begleitet über ein Jahr MainstreampornodarstellerInnen aus San Fernando Valley beruflich und privat. Die Stadt San Fernando Valley ist PornomacherInnen bekannt, denn sie ist der Sitz der US amerikanischen Pornoindustrie. Hier werden jährlich mehr als 10.000 Pornofilme produziert. In 9 to 5 – Days in Porn wird gezeigt, wie Sex zur Arbeit werden kann, bei der sich die ProtagonistInnen ebenfalls mit gerechter Bezahlung und gerechten Arbeitsbedingungen, Anerkennung, Ausnutzung, Machtkämpfen, Gesundheitsschutz und Gewalt am Arbeitsplatz auseinandersetzen müssen. Hinter die Kulissen eines Pornos zu blicken, ist eine seltene Möglichkeit. In9 to 5 – Days in Porn sieht man Pornodarsteller hinter der Kamera nackt in einer Reihe stehen und Hand an ihren Penis legen bis er hart und steif ist, um dann ins Set einsteigen zu können. Sobald sie aus einer Szene raus sind, wird wieder der Platz in der Reihe eingenommen, wie Ständermaschinen mit automatisierten Bewegungen. Was zu sehen ist, ist Leistungsdruck pur.  

Für Méritt sind die Umstände des Mainstreampornos Anlass genug die Pornolandschaft wieder mit einer Vielfalt zu bereichern und auf bereits bestehende Pionierinnen, wie Petra Joy, Maria Beatty oder Catherine Breillats zu verweisen. Sie und Corinna Rückart wollten dem frauenfreundlichen Erotikfilm zu mehr Öffentlichkeit verhelfen und die grundsätzliche Frage klären, was eigentlich feministischer Porno sei. Aus diesen Überlegungen heraus, entstand die Idee zu einem europaweiten, feministischen Pornofilmpreis, der 2009 unter dem Namen PorYes Award gegründet wurde. Er soll eine Umdeutung des Mainstreampornos herbeiführen, hin zu einem feministischen Porno, der Frauen vor und hinter der Kamera in den Fokus nimmt. Dass im Sinne der Vielfalt nicht nur heterosexueller Sex zum Tragen kommt, sondern auch queere Formen von Sexualität dargestellt werden, ist erwünscht. „Vielfalt und sexuelles Bewusstsein, sowie sexuelle Kommunikation sind der Schlüssel zur erotischen Kultur oder zur Integration von Sexualität in die gesellschaftliche Kultur.“ Unter diesen Bedingungen wurde auch die Produzentin von Dirty Diaries Mia Engberg ausgezeichnet.

Mehr Sex Eine kritische Frage bleibt, ob der feministische Porno in eine erotische und sexualisierte Form von Kunst übergeht. Auch wenn diese Szene wie eine erotische Performance wirkt, lässt sich darüber streiten, wie viel der Kurzfilm Skin in Dirty Diaries mit Kunst zu tun . Méritt ist der Meinung, dass Porno nicht strikt getrennt werden sollte vom herkömmlichen Spielfilm und spricht sich für mehr Sexszenen in diesem aus. Dem französischen Film La vie d’Adèle – chapitres 1&2 (Blau ist eine warme Farbe) von Abdellatif Kechiche, der auf Grunde der darin vorkommenden Sexszenen zwischen den Protagonistinnen Adéle und Emma kritisiert wurde, steht Méritt eher positiv gegenüber. “In Blau ist eine warme Farbe werden Klischees, auch lesbische Klischees reproduziert, aber immerhin ist lesbischer Sex zu sehen und auf dem Hintergrund der französischen Debatte um Homosexualität ist das ein großer Schritt, daher ja auch die Auszeichnung in Cannes.” Dass sich die Darstellerinnen aber oft zu Szenen gedrängt und sich beim Drehen der Sexszenen unwohl fühlten, darf nicht unerwähnt bleiben. Die Unklarheit der Anforderungen an die Schauspieler_innen macht es schwierig eine Gleichsetzung von Porno und Spielfilm durchzuführen. Enochsson will ihre Pornoproduktion strikt von Kunst getrennt verstanden sehen. Für sie ist das Produzieren von Pornos eine sehr soziale Angelegenheit. Die Vermutung liegt nahe, dass in einer reflektierten und einvernehmlichen feministischen Pornoproduktion die Gefahr des Missbrauchs sinkt. Das, was Enochsson zum Schluss des Gesprächs mit progress online über Porno sagt, zeigt in der Klarheit ihrer Aussage Wirkung: “Porno ist niemals Missbrauch. Wenn es Missbrauch ist, dann ist es nur Missbrauch.” Es ist zugleich eine Kampfansage und ein Weg zu einem neuen Verständnis von Porno.

 

Marlene Brüggemann studiert Philosophie an der Uni Wien.

 

 

Feministische Pornotips von Åslög Enochsson und Laura Méritt:

Dirty Diaries, Mia Engberg

Heterosexuell: Anna Span

Queer: Courtney Trouble

Punk Rock: Burning Angel

BDSM (Bondage and Discipline, Domination and Submission, Sadism and Masochism): Maria Beatty

Makelovenotporn.tv

Kink.com

 

Sich zu verlieben, heißt Souveränität einzubüßen

  • 14.04.2014, 10:58

Es ist nicht so einfach, wie manche es gerne hätten. KritikerInnen, Konservative wie FeminstInnen, stießen sich daran und taten es ab - als literarisch zu schlecht, zu pornografisch, zu sexistisch. Das Etikett Mamiporno klebt fest auf den Seiten von Shades of Grey. Die israelische Universitätsprofessorin Eva Illouz hat sich in Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey  dem Phänomen Shades of Grey aus soziologischer Sicht gewidmet und ist dabei auf so einiges Unerwartetes gestoßen. 

Wunscherfüller - Bestseller

Illouz Thesen bauen auf der Voraussetzung auf, dass Bestseller soziales Unbewusstes verschlüsselt sichtbar machen und in dem Sinn Zeitmarken gesellschaftlicher Begehren sind. Ein Verkaufsprinzip, das lukrativ ist. In diesem Sinn scheint die Kommerzialisierung des Buches, als literarische Erfüllung kollektiver Wünsche, ganz im Zeichen des Kapitalismus zu stehen. Eine kalkulierte Verkaufsmasche nach der bekannten Formel: Sex sells, nur eben diesmal ein bisschen härter nach der Kunst des BDSM (Bondage and Discipline, Domination and Submission, Sadism and Masochism).

Illouz entgegeht in dem schmalen Band diesem ersten, vereinfachten Blick. Dass Shades of Grey bei weitem den gängigen erotischen Groschenroman übertrifft, zeigen seine Verkaufszahlen. Weltweit wurde die Trilogie Shades of Grey 70 Millionen Mal gekauft und das vor allem von Frauen. Im Vergleich dazu: der Roman Der kleine Prinz  von Antoine Saint-Exupéry wurde 80 Millionen Mal verkauft.

Ausgehend von der Skurrilität der Auflagezahlen und dem besonderen Interesse der Frauen an den Romanen, bietet Illouz eine differenziertere und überzeugendere These als das „Mamiporno“-Vorurteil an. Sie nimmt die Ansprüche der Leserinnen ernst und untermauert ihre These zum Erfolg von Shades of Grey unter anderem mit Fakten zu dessen Entstehungsgeschichte.

Gefesselte Autonomie

Der erste Band Fifty Shades of Grey wurde auf einer Fanpage zu Stephanie Meyers Twilight Saga von den Fans abgetestet und mitgeneriert. E. L. James, die Autorin von Shades of Grey, veröffentlichte dort unter einem Pseudonym erstmalig ihren Roman als Fanfiction und integrierte UserInnenvorschläge mit in die Geschichte ein. Shades of Grey ist ein UserInnen-generierter Content,  sozusagen ein kollektiver AmateurInnenroman. Illouz sieht darin eine unkonventionelle Form mit dem konventionellen Inhalt einer Liebesgeschichte zu einem Werk verdichtet.

Ausgehend davon ist Illouz überzeugt, dass eben nicht das Erotische/Pornographische ausschlaggebend für die breite Resonanz der Frauen ist, vielmehr schwingt in der sadomasochistischen Beziehung zwischen den Hauptcharakteren Christian Grey und Anastasia Steele mit, wie es um unsere heterosexuellen Beziehungen in der Spätmoderne steht.

Shades of Grey als verschlüsselter Ratgeber und Selbsthilferoman vermittelt den LeserInnen ein Gefühl von Lösungen. Die Triologie gibt scheinbar Antworten auf die Frage, wie heterosexuelle Paare in einer Zeit in der der Feminismus noch in der Entwicklung ist in ihren Beziehungen zu Sicherheit gelangen. Illouz klagt hier den Feminismus nicht moralisch an, sie zeigt vielmehr auf, dass das Aufbrechen von traditionellen Geschlechterrollen mit einer Unsicherheit einhergeht, auch in der Sexualität der Frauen. Wie ist es um die Frauen in der Spätmoderne bestellt? Illouz Antwort lautet: Ja, sie sind autonomer, aber paradoxerweise bleibt laut Illouz der Wunsch nach sexueller Befreiung in der Unterwerfung. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet der Feminismus nach Illouz Auffassung, der nichts weniger versucht als „die Natur ihres [der Frau, Anm. d. Red.] Begehrens (und des Begehrens der Männer) zu verändern.“ Die Frauen stecken in einem Dilemma der Emanzipation, die Befreiung die listig nach den Fesseln fleht. Die Sextoy-Industrie gibt Shades of Grey Recht. Nach der Veröffentlichung explodierten der Vertrieb von Sexspielzeugen wie Vaginalkugeln oder Handschellen, später von eigenen Shades of Grey Sextoy-Packages. Die Praktiken des BDSM sehen vor, dass die Rollen des/der Dominaten und des/der Unterwürfigen strikt verteilt und eingehalten werden, damit sich ein Ort der fixen Autonomie einstellt.

 

 

Ausserhalb der Kammer der Qualen

Die Sphäre des Sex findet dadurch die begehrenswerte Enge der Definition die sich aber außerhalb der „Kammer der Qualen“ mit dem Abklingen des Rausches verflüchtigt. Was bleibt ist ein Abschätzen von Absichten. Serieller Sex oder monogame Liebesbeziehung?

Ab da wird es erst richtig knifflig. „Sich zu verlieben, heißt Souveränität einzubüßen“, schreibt Illouz in der Mitte des Buches und stellt uns spätestens ab hier vor eine harte Entscheidung. Liebe und Leidenschaft oder Souveränität? Begehren oder Autonomie? Dass es aber praktisch kein Entweder-Oder ist bezeugt, dass monogame Beziehungen noch immer eher die Regel als die Ausnahme sind. Für Illouz bewegen sich Beziehungen in ihren Kämpfen und Verhandlungen zwischen Souveränität und Leidenschaft.

Im Gegensatz zur Romantik, in der das Subjekt in der Unterordnung in eine Beziehungseinheit bis zur Selbstauflösung verstummt, steht in der Spätmoderne das Subjekt, das sich in einer ständigen Selbstprüfung zu sich selbst verhält, im Mittelpunkt. Wie viel Macht bin ich bereit aufzugeben? In einem Interview mit PROGRESS zu ihrem Buch Warum Liebe wehtut, antwortete Illouz auf die Frage, ob Leidenschaft in der Lage ist herrschaftliche Beziehungen zu unterwandern: „Es [die Bereitschaft zur Leidenschaft, Anm. d. Red.] ist eine Form der Emotionalität, die weniger reflexiv und weniger beschäftigt mit dem eigenen Wohlergehen ist.” Ihrer Meinung nach “sollten wir wieder Spaß an Leidenschaft haben und weniger ängstlich dabei sein.” Kurz: Die Ängste abstreifen und leidenschaftlich loslegen. In einer Gesellschaft, die von einer Therapiekultur überschwemmt wird und ein Gefühl von Bestätigung durch andere ständig einfordert, zu widerstehen.

Eva Illouz
Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey.
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
Taschenbuch, 88 Seiten, 8,30 EUR

 

Marlene Brüggemann studiert Philosophie an der Uni Wien.

siehe auch dazu: Aufhören, uns die Schuld zu geben - ein Interview mit Eva Illouz

 

Als wäre ein Professor mehr wert als ich

  • 07.12.2013, 17:52

Sexuelle Belästigung an der Uni hat viele Gesichter. In den meisten Fällen bleibt sie jedoch unbemerkt.

Ein Professor, der seine Studentin auf einen gemeinsamen Kurzurlaub einlädt; ein Lektor, der seine Seminarteilnehmerin plötzlich küssen möchte, und ein Arzt, der sich im OP-Saal über den Beziehungsstatus seiner Studentinnen informiert. Sexuelle Belästigung an der Uni hat viele Gesichter; in den meisten Fällen bleibt sie jedoch unbemerkt.

Er ist eigentlich sehr beliebt“, erzählt Sophie*. Die Studierenden mögen ihn, wegen seiner lockeren Art in den Lehrveranstaltungen, er ist lustig und jung – Mitte 30 – und unterrichtet an der Universität Wien. Nach dem Unterricht lädt er die Kursteilnehmerinnen ein, mit ihm etwas trinken zu gehen, und flirtet mit Studentinnen. „Die meisten finden das nett. Ich fand es komisch, dass ein Lehrender ständig danach fragt, ob man gemeinsam fortgeht“, erinnert sich die 24-Jährige an ein Seminar vor mittlerweile zwei Jahren. Als Studentin fühle man sich doch „irgendwie gezwungen“ mitzugehen.

Im Jahr 2012 veröffentlichte die Ruhr-Universität Bochum eine Studie, die 22.000 Studentinnen von 34 höheren Bildungseinrichtungen in Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien zu den Themen sexualisierte Gewalt, Belästigung und Stalking befragte. In dem EU-Projekt gaben 61 Prozent der Befragten an, während ihres Studiums mindestens einmal Opfer von sexueller Belästigung geworden zu sein. Rund ein Drittel der Frauen schilderte, dass ihnen nachgepfiffen wurde oder anzügliche Bemerkungen gemacht wurden. Knappe 15 Prozent gaben an, dass ihnen jemand auf unangenehme Weise zu nahe gekommen sei.

MEDIALER TABUBRUCH. Trotzdem ist sexuelle Belästigung ein an den Unis sowie in den Medien kaum besprochenes Thema. Diesbezügliche Aufregung gab es hierzulande 2009, als in einem profil-Artikel mit dem Titel „Altherrenschwitze“ etwa Heinrich Schmidinger, Rektor der Universität Salzburg, beschuldigt wurde, von 20 bis 30 Fällen von sexueller Belästigung gewusst und es unterlassen zu haben, diese zur Anzeige zu bringen. Die lokale Gleichbehandlungsbeauftragte Daniela Werndl vermutete eine hohe Dunkelziffer an Opfern. Schmidingers Kommentar dazu: „Ich fühle mich persönlich sehr schlecht.“ Genaue Angaben sind laut der Vorsitzenden des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen (AKG) an der Uni Salzburg, Siegrid Schmidt, bis heute aus „rechtlichen bzw. Gründen des Datenschutzes nicht möglich“.

Direkt an der Uni ist Sophie nie etwas passiert. Nachdem sie ihre Lehrveranstaltung abgeschlossen hatte, begegnete sie ihrem Lektor zufällig beim Fortgehen im Club – sie erinnert sich, dass er „ziemlich betrunken“ gewesen sei. Miteinander unterhalten haben sie sich nicht. Plötzlich stand er vor ihr und sprach sie mit ihrem Namen an. Er meinte, er würde sie gerne küssen. Sophie hat damals sofort den Club verlassen und hat sogar über den Lektor gelacht. Sie konnte sich gegen die Anmache „wehren“. Trotzdem war sie froh, dass ein Freund neben ihr stand und die Situation mitbekam. „Er war nicht aufdringlich oder aggressiv. Aber es war mir einfach trotzdem sehr unangenehm“, erzählt sie. Seither hat sie es vermieden, bei diesem Lehrenden Seminare zu besuchen. Sie fühlt sich „komisch“ in seiner Gegenwart. Außerdem fürchtet sie sich vor den Konsequenzen ihrer Ablehnung. „Ich hätte Angst, dass er mir die Abfuhr übel genommen hat und sich das dann auf meine Note auswirken könnte“, meint sie.

Zum Zeitpunkt des Vorfalls hatte die Studentin bereits einige Gerüchte über diesen Lehrenden gehört. Er würde mit jüngeren Studentinnen schlafen, sie beim Fortgehen treffen und dann nach Hause begleiten. „Man weiß ja aber nicht was stimmt, von dem, was erzählt wird“, sagt sie. Als Sophie überlegte, sich beim Institut zu beschweren, war es ein Lehrender, der ihr Unterstützung anbot. „Er meinte aber, dass man wenig machen kann, da ich das Seminar bei besagtem Lehrenden zum Zeitpunkt des Vorfalls schon abgeschlossen hatte.“ Dazu kam, dass dieser nicht im Unigebäude oder in Zusammenhang mit dem Unialltag passiert war und Sophie wollte den Vorfall nicht dramatisieren – viele Studienkolleg_innen verteidigten den Lehrenden eher und beschwichtigten, dass das ja alles „auf Gegenseitigkeit basiert“. Sophie ließ von einer Beschwerde ab. „Ich glaube, dass durch seine Jugendlichkeit niemand das trotzdem existierende Machtverhältnis sieht. Es ist nicht dieses klassische Bild von einem alten Professor, der junge Studentinnen angräbt“, sagt sie. „Aber es ist doch schräg, dass ein Lehrender systematisch 20-Jährige anbrät und sich seine Dates über Lehrveranstaltungen checkt.“

Foto: Joanna Pianka

MACHTMISSBRAUCH. Sexuelle Belästigung ist laut Sylwia Bukowska, Leiterin der Abteilung Frauenförderung und Gleichstellung an der Universität Wien, eine komplexe Angelegenheit. Dabei gehe es immer auch um Macht, weshalb das Thema immer noch stark von Tabuisierung betroffen ist. Eine beträchtliche Rolle spielt auch die nach wie vor gesellschaftlich und medial weit verbreitete Degradierung von Frauen zu Sexualobjekten. Von dem Machtgefälle an der Hochschule weiß auch Katharina Hawlik zu berichten. Sie ist studentisches Mitglied im Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen der Medizin-Uni Wien und stellt fest: „Die Krankenhaushierarchie schlägt sich auch im Alltag vieler Medizinstudentinnen nieder.“ Gerade bei Famulaturen oder im Operationssaal bekämen Studentinnen immer wieder sexistische Kommentare zu hören: „Ich habe es schon erlebt, dass männliche Ärzte ihre Studentinnen vor allen Kolleg_innen bezüglich ihres Beziehungsstatus ausfragten.“ Die Medizinische Universität trägt laut Hawlik aber nicht primär die Verantwortung für dieses „Dilemma“. Das Hauptproblem seien eben die „hierarchischen Krankenhaussysteme“. „Da Hochschule und Krankenhäuser eng miteinander verbunden sind, müsste die Universität hier aber mehr Sensibilisierungsarbeit leisten.“ Immer wieder kommt es auch zu unklaren Situationen, wenn Ärzte speziell Studentinnen fördern. „Es entsteht ein Graubereich, wo die Intention nicht mehr klar ist“, sagt Hawlik. Gleichzeitig trauen sich die meisten Studentinnen nicht, über das Problem zu sprechen, und melden sich daher nicht bei den Anlaufstellen. „Sei es aus Angst vor den Konsequenzen oder wegen der Unsicherheit, ob die eigene Wahrnehmung auch richtig ist“, erklärt Hawlik. Gerade bei einmonatigen Famulaturen scheint dabei für die meisten „Durchtauchen die einfachere Lösung zu sein“. Darüber hinaus wissen die Studierenden meist nichts von den Möglichkeiten, sich zu beschweren. Die Universitätsvertretung der ÖH an der Medizin Uni Wien führt daher seit diesem Wintersemester eine Kampagne, um Einrichtungen für Hilfe bei sexueller Belästigung bekannter zu machen.

Grundsätzlich ist an jeder öffentlichen Universität ein Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen eingerichtet. Neben der Mitwirkung und Kontrolle bei Habilitations- und Berufungskommissionen ist der Arbeitskreis auch für Fälle von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zuständig. Eine solche liegt laut Bundes-Gleichbehandlungsgesetz (B-GBlG) vor, wenn Studierende von einer Vertreterin oder einem Vertreter der Universität sexuell belästigt werden oder diese es unterlassen, bei einer ihnen bekannten Belästigung einzuschreiten. Dabei ist die Definition der sexuellen Belästigung sehr offen gehalten und bezieht sich auf „ein der sexuellen Sphäre zugehöriges Verhalten“, das die „Würde einer Person beeinträchtigt“ oder deren Beeinträchtigung „bezweckt“. Zusätzlich muss dieses Verhalten laut Gesetz für die betroffene Person „unerwünscht, unangebracht, entwürdigend, beleidigend oder anstößig“ sein und eine „einschüchternde, feindselige oder demütigende Studienumwelt“ für die betroffene Person schaffen oder dies bezwecken.

UNKLARE DEFINITION. Da die Definition des Begriffs „sexuelle Belästigung“ im B-GBlG schwammig ist, haben die Universitäten Wien, Salzburg und das Mozarteum eigene Leitfäden in Form von Broschüren herausgegeben, um klarere Verhältnisse zu schaffen. In der Broschüre „Grenzen. Erkennen. Benennen. Setzen.“ der Uni Salzburg und des Mozarteums wird zwischen verbaler und non-verbaler Gewalt unterschieden. Nicht nur unerwünschte körperliche Nähe bis hin zur Vergewaltigung wird als sexuelle Belästigung klassifiziert. Auch „Ausziehblicke“, herabwürdigende, sexuell konnotierte Gesten, das Verbreiten von pornographischen Bildern sowie unerwünschte Geschenke, abwertende Namensgebungen, lästige Fragen zum Sexualleben oder unerwünschte Einladungen werden als Formen von sexueller Belästigung angeführt.

Neben ihrer Broschüre versuchen Universität Salzburg und Mozarteum auch verstärkt auf die entsprechende Telefon-Helpline hinzuweisen. Eine Einschätzung der Gesamtsituation findet Schmidt aber noch immer „sehr schwierig“. Vor allem weil die „Bereitschaft der Opfer nicht besonders groß ist, die Beratungs- und Hilfsangebote anzunehmen“. Jedoch liegt dies wohl weniger an der mangelnden Bereitschaft der Betroffenen, das Schweigen zu brechen, sondern vielmehr daran, dass der Umgang der Institutionen mit der Problematik bis heute zu wünschen übriglässt. Sylwia Bukowska geht davon aus, dass Betroffene häufig im persönlichen Umfeld und außerhalb der Universität Hilfe suchen. Bukowska hat an der Uni Wien am Gesamtkonzept für Belästigung und Mobbing in Österreich mitgearbeitet. Eines der wichtigsten Anliegen war dabei von Anfang an die absolute Wahrung der Schweigepflicht und die Möglichkeit auf Anonymität: „Wir versuchen eine Balance zu finden zwischen der Tatsache, dass wir eine universitäre Institution sind, und dem Anspruch, hochwertige Beratung anbieten zu können, die sich auch außerhalb der universitären Strukturen bewegt.“ Nur ihre Kollegin, die die Beratungsgespräche führt, kennt die Namen der Betroffenen.

Foto: Joanna Pianka

PSYCHISCHE BELASTUNG. Veronika* wurde vor einem Jahr von ihrem Professor auf eine Konferenz eingeladen. Als dieser davor noch einen gemeinsamen Kurzurlaub plante, lehnte die 28-Jährige ab. Auf kleine Anspielungen folgten E-Mails und Einladungen zu Dienstreisen und Kongressen. Als sie auch die Einladung zu einer Dienstreise per E-Mail ablehnte, wurde er wütend. Die Zusammenarbeit mit dem Professor wurde für Veronika unmöglich. Seitdem kämpft sie jeden Tag mit Schikanen. Seit zwei Jahren sucht sie Hilfe gegen die sexuellen Belästigungen durch ihren Professor – vergeblich. Veronika versuchte gegen ihren Professor vorzugehen und wandte sich an die Frauenbeauftragte ihrer Universität und an eine Psychologin. Die Erfahrungen damit waren für Veronika durchwegs enttäuschend. Der Fall wurde nicht ernst genommen. Ihr Anwalt meinte, er könne ihr nicht helfen, da ihr Professor sie ja nicht außerhalb ihres Arbeitsplatzes „stalken“ würde.

Erst als Veronikas Professor aufgrund anderer Projekte zu beschäftigt war, ließ er von ihr ab. „Aber ich denke, dass wieder etwas passieren wird“, fürchtet sie. Er werde zwar nie übergriffig, aber es spiele sich alles auf der „mentalen Ebene“ ab. Der Professor setze sie unter Druck und versuche sie „fertig zu machen“. Dass er etwas falsch macht, sieht er nicht ein. Jeden Tag recherchiert Veronika am Institut für ihre Masterarbeit – er arbeitet im Nebenzimmer.

Nicht nur in der Uni sind Studierende sexueller Belästigung ausgesetzt. Zwei Drittel von ihnen müssen neben dem Studium arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. So auch Frank*. Der 22-Jährige kam diesen Herbst nach Wien. Da er Geld brauchte, fing er in einem Lokal zu arbeiten an. Sein Chef begann bald, ihm persönliche SMS zu schreiben, einmal zwickte er ihn in den Hintern. Für Frank ist dadurch eine schwierige und belastende Situation entstanden: „Ich habe Angst, wenn ich nachts allein mit ihm das Lokal zusperre. Aber ich kann es mir nicht leisten zu kündigen.”

Allein im Dunkeln, womöglich mit dem/der potentiellen Täter_in in der Nähe – das ist auch auf der Uni furchteinflößend. Sexuelle Übergriffe zu bekämpfen heißt unter anderem auch, bauliche und logistische Maßnahmen zu setzen, damit sich Studierende sicher fühlen können. Aus diesem Grund hat die Medizin-Uni Wien zweijährliche Evaluierungen von Gefahrenquellen und Angsträumen in ihren Frauenförderungsplänen verankert. Auf dieser Basis sollen gezielte Konzepte zur Verbesserung der Sicherheit entwickelt werden. Denn dunkle Gänge in den Bibliotheken, am Campus oder in den Universitätsgebäuden sind Angstherde. Da die Universitäten nachts oft weitgehend menschenleer sind, ist es gerade nach Lehrveranstaltungen am Abend schwierig, im Fall eines Übergriffs Hilfe zu finden.

KLARES STATEMENT. Bis das Ziel einer Universität frei von sexueller Belästigung erreicht ist, ist es ein langer Weg, der aus vielen kleinen Schritten besteht. „Ein klares Statement gegen sexuelle Belästigung seitens der Universität ist notwendig, um einen Wandel des Blickwinkels innerhalb der Institution Universität zu erreichen. Deshalb fand dieses Thema explizit Eingang in den Verhaltenskodex der Universität Wien“, so Sylwia Bukowska. Siegrid Schmidt sagt über die Salzburger Uni: „Die Universität ist sehr interessiert daran, dass nichts im Verborgenen bleibt, dass jede Form der sexuellen Belästigung abgestellt wird.“

Für jene, die von sexueller Belästigung betroffen sind, bleibt die Tabuisierung jedoch ein reales Problem. Das weitgehende Fehlen eines Bewusstseins für sexuelle Belästigung an Hochschulen findet Veronika fatal. Für sie wurde mit der Zeit immer deutlicher, dass sie mit einem Problem kämpft, für das sich niemand zuständig fühlt. Auch nicht die Universität. „Mir kommt es vor, also ob die Universität in meinem Professor mehr Wert sehen würde als in mir – ich bin nur eine von tausend Studierenden.“

Namen wurden von der Redaktion geändert. Die Autorinnen Marlene Brüggemann und Oona Kroisleitner studieren Philosophie und Rechtswissenschaften an der Uni Wien.

 

Telefon-Helpline Uni Salzburg und Mozarteum:

Mi, 13–14 Uhr, 066/499 9 59 68 ÖH-Helpline (österreichweit): 01/585 33 33

http://www.oeh.ac.at/#/studierenleben/sozialesundgeld/ helpline/

 

Vorgegaukelte Seriosität

  • 06.07.2013, 16:01

Von Kristallen, die Quanten ins Trinkwasser übertragen, hält der Quantenphysiker Florian Aigner nichts. Was es mit ihnen und den Parawissenschaften auf sich hat, erklärt er im progress-Interview.

Von Kristallen, die Quanten ins Trinkwasser übertragen, hält der Quantenphysiker Florian Aigner nichts. Was es mit ihnen und den Parawissenschaften auf sich hat, erklärt er im progress-Interview.

Laut einer SPECTRA-Studie glauben 68 Prozent aller ÖsterreicherInnen an übernatürliche Phänomene. An der Wirtschaftskammer sind 15.000 unzertifizierte EnergetikerInnen aus ganz Österreich gewerblich gemeldet. Quantenheilung, Heilsteine und Handauflegen sind voll im Trend. Die Wirksamkeit parawissenschaftlicher Methoden bleibt jedoch zweifelhaft und bis zum jetzigen Zeitpunkt wissenschaftlich unbelegt.

progress: Was sind Parawissenschaften?

Florian Aigner: Das sind Theorien, die Seriosität vorgaukeln, indem sie sich als Wissenschaften darstellen, ohne aber den tatsächlichen wissenschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Man versucht, wissenschaftlich zu wirken, obwohl man es nicht ist. Esoterische Produkte wie sogenannte Heilsteine oder „belebtes Wasser“ werden mit wissenschaftlichen Begriffen wie „Quantenschwingung“ in Verbindung gebracht. Eine logische Verbindung zwischen diesen Begriffen und der angeblichen Wirkung wird dann aber gar nicht hergestellt. Das ist Missbrauch von Wissenschaft und macht es für Leute ohne wissenschaftliche Bildung schwierig zu unterscheiden, was Wissenschaft und was Humbug ist.

Sogar die ASFINAG hat versucht mit Hilfe von Kristallen Unfallstellen auf Straßen zu entschärfen. Auch andere öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser setzen gerne esoterische Produkte ein, ohne deren Wirkung nachzuprüfen. Die Wissenschaft beruht aber darauf, dass die Aussagen, die man macht, getestet werden.

progress: Welche gesellschaftlichen Probleme können entstehen, wenn öffentliche Einrichtungen esoterische Produkte verwenden?

Florian Aigner: Ein Problem ist, wenn Steuergeld für etwas verwendet wird, das nicht wirkt. Das Problem geht aber weiter: Eine aufgeklärte, demokratische Gesellschaft funktioniert nur dann, wenn man sich darauf einigt, welche Argumente für den demokratischen Diskurs akzeptabel sind. Seit der Aufklärung hat sich der Standpunkt entwickelt, dass wir basierend auf Fakten argumentieren sollen, die man im Popper‘schen Sinn überprüfen kann: Wenn ich Behauptungen aufstelle, muss ich auch angeben, unter welchen Bedingungen ich bereit wäre, diese fallen zu lassen. Wenn wir den esoterischen Parawissenschaften zu viel Platz einräumen, dann haben wir einen gesellschaftlichen Diskurs, der von Fakten vollkommen entkoppelt ist. Bauchgefühle und Eingebungen, wie sie in den Parawissenschaften als Begründungen verwendet werden, dürfen in einer aufgeklärten Gesellschaft nicht Basis der Entscheidungsfindung sein. Auch wenn Parawissenschaften verständlicherweise eine gewisse Attraktivität haben.

progress: Worin liegt diese Attraktivität?

Florian Aigner: Erstens kann ich mich als etwas Besonderes fühlen, wenn ich behaupte, über spezielle Fähigkeiten oder außergewöhnliches Wissen zu verfügen. Ich hab etwas verstanden, was andere nicht verstehen und ich kann dieses Wissen nutzen. Auch ein Arzt hat eine gewisse Autorität durch ein langjähriges Medizinstudium. Viel einfacher ist es natürlich, einen dreiwöchigen EnergetikerInnenkurs zu machen. Der Anspruch, etwas Besonderes zu sein und etwas Besonderes zu können, lässt sich auch dadurch erfüllen.

Zweitens liegt den Parawissenschaften dieselbe Art von Neugier zugrunde, die man in Bezug auf die Wissenschaften hat. Es ist einfach schön, etwas Neues zu lernen – das gilt für die Wissenschaft genauso wie für die Esoterik. Aber bei näherer Betrachtung differenzieren sich die Dinge. Da gibt es dann Apparate, wie Kupferpendel, die nicht funktionieren, und echte Wissenschaft, die man sauber argumentieren kann.

progress: Wie lässt sich eine vermehrte Zuwendung zu den Parawissenschaften erklären?

Florian Aigner: Ich glaube, in Krisen versuchen die Leute etwas Neues zu finden. Es passiert oft, dass Leute mit persönlichen oder finanziellen Schwierigkeiten ihr Leben umkrempeln wollen, was an sich nichts Schlechtes ist. Das sind legitime Reaktionen. Oft wäre aber eine Psychotherapie oder eine intensive Aussprache mit Leuten, die man gut kennt, heilsamer und kostengünstiger.

progress: Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), bei der Sie tätig sind, beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Faszination für Parawissenschaftliches. Was ist euer Antrieb?

Florian Aigner: Die GWUP ist eine Vereinigung, die versucht, wissenschaftlich rationales Denken zu propagieren und zu verbreiten. Wir wollen klar aufzeigen, welche Behauptungen wissenschaftlich sind und wo die Grenze zur bloßen Esoterik verläuft. Einmal im Jahr werden die sogenannten „Psi-Tests“ durchgeführt: EsoterikerInnen werden eingeladen, ihre Behauptungen unter sauber definierten Laborbedingungen unter Beweis zu stellen. Wer das schafft, könnte hohe Geldpreise gewinnen, doch bis jetzt ist das noch jedes Mal misslungen. Bei übersinnlichen Phänomenen ist die Einbildungskraft ein mächtiger Faktor. Der Selbstbetrug, also das zu sehen, was ich mir erwarte, ist eine ganz natürliche menschliche Eigenschaft. Die Wissenschaft ermöglicht uns, einen Schritt weiter zu gehen, um Selbstbetrugsphänomene aufzudecken und zur Wirklichkeit zu kommen, die stärker ist als mein Bauchgefühl.

progress: Im Falle der Homöopathie: Ist sie Medizin oder Täuschung?

Florian Aigner: Homöopathie ist mittlerweile Mainstream. Trotzdem weist die wissenschaftliche Faktenlage klar darauf hin, dass Homöopathie nicht besser wirkt als ein Placebo. Menschen sind aufgrund des Placeboeffekts schwieriger zu testen als simple physikalische Objekte. Der Placeboeffekt ist sehr mächtig, dazu gibt es viele Studien. Man kann viele verschiedene Placebobehandlungen anwenden, von Pillen ohne Wirkstoff über Spritzen bis hin zu Scheinoperationen. Diese Placebotherapien haben bei den PatientInnen oft gut gewirkt. Das liegt daran, dass der Kranke schon allein durch die Behandlung die persönliche Einstellung zur Krankheit ändert. Der Placeboeffekt ist zwar etwas Gutes, in der Medizin kommt man mit esoterischen Mitteln aber in gefährliches Gebiet. Wenn man Menschen von wirksamer medizinischer Versorgung abhält, indem man sie nicht richtig und ausreichend informiert, wird es äußert problematisch. Diese Verantwortungslosigkeit gegenüber den PatientInnen kommt selbst bei schwerwiegenden Krankheiten wie Krebs oft genug vor und kann bis zum Tod führen.

progress: Also gilt die Aussage „Information ist Macht“?

Florian Aigner: Esoterik, allgemein Heilungsprozesse haben sehr viel mit Macht zu tun. Die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit ist für den Durchschnittsverbaucher nicht gegeben. Wie auch? Esoterische Webseiten schauen oft sehr wissenschaftlich aus und verwenden wissenschaftliche Fachausdrücke. Da haben wir letztlich ein Konsumentenschutzproblem. Es braucht Einrichtungen, die esoterische Angebote prüfen und klassifizieren. Man muss klare Worte finden und offen sagen, worum es sich bei den Angeboten handelt. Konsumentenschutzeinrichtungen und Universitäten sollten sich hier mehr engagieren. Gerade Universitäten, an denen stetig neue Wissenschaft entsteht, hätten eigentlich ein Interesse daran, die Gesellschaft aufzuklären darüber, was Wissenschaft ist und was nicht.

Weblink: www.skeptiker.at

Zwischen den Fronten

  • 24.02.2013, 10:07

Christina und Simon gehen in die Maturaklasse. Beide haben sich vorgenommen, nach der Matura ein Studium zu beginnen. Die Entscheidung, welches Studium sie wählen wollen, fällt schwerer als gedacht.

Christina und Simon gehen in die Maturaklasse. Beide haben sich vorgenommen, nach der Matura ein Studium zu beginnen. Die Entscheidung, welches Studium sie wählen wollen, fällt schwerer als gedacht.

Die Studienwahl ist für viele angehende Studierende eine Herausforderung. Was will ich studieren, wo will ich studieren und welche Besonderheiten, wie Studiengebühren, Fristen oder Zulassungsprüfungen, muss ich beachten? Genaue Informationen sind Voraussetzung für die individuell richtige Studienwahlentscheidung.

Internet geht immer. Wenn das Angebot groß ist, fällt die Wahl des Studiums nicht leicht. Das Onlinestudienverzeichnis studienplattform.at zeigt bei der Eingabe „Bachelorstudien“ 826 Treffer an. Hinzu kommen 325 Lehramts- und 86 Diplomstudien. Speziell für die ersten Studieninformationen können Onlineplattformen hilfreich sein. Der 18jährige Simon und die 19jährige Christina nützen sie als erste Anlaufstelle. Aktuelle und zuverlässige Informationen über alle Studiengänge, Studienstandorte und mögliche Zugangsbeschränkungen bieten die ÖH-Seite studien­plattform.at und studienwahl.at vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (bmwf), wobei man als Maturant_in bei letzterer leicht über Begriffe wie „ECTS“, „Master“ und „ÖH-Beitrag“ stolpert.

Begriffe wie „Kompetenzerwerb“, „Prozess- und Qualitätsmanagement“ oder „fachspezifische Methoden“ dominieren die Angaben bezüglich Studieninhalt und werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Das ÖH-Projekt studienplattform.at will dem entgegensteuern. „Es war die Absicht, Fremdworte einfach zu erklären und damit den Zugang zu dieser beängstigenden und verwirrenden neuen Welt zu erleichtern“, sagt Karin Kuchler, Koordinatorin der studienplattform.at. Eine weitere Verfeinerung ist, dass es eine Suchfunktion für Interessen gibt.

Diese soll den MaturantInnen möglichst viele verschiedene Studienrichtungen anbieten, um auch aufzuzeigen, dass es viel differenziertere Studiengänge, abseits der Mainstreamstudien wie Rechtswissenschaften, Humanmedizin und BWL gibt. Wer sich jedoch nicht sicher ist, dem und der empfiehlt Kuchler eine persönliche Beratung. Beratung im Gespräch. Für eine persönliche Beratung stehen MaturantInnen zwei Projekte zur Verfügung: Der Studienchecker und die Maturan­tInnenberatung. Der Studienchecker ist ein Projekt des Wissenschaftsministeriums (BMWF) und des Ministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, in Kooperation mit der ÖH und der Psychologischen Studen­tenberatung. Es stellt ein Bündel an Maßnahmen für alle SchülerInnen in ganz Österreich dar, um sie im Entscheidungsprozess zu begleiten. Das Projekt reicht von einem Interessensfragebogen,  Kleingruppenberatung mit PsychologInnen der Psychologischen Studen­tenberatung bis zu der MaturantInnenberatung direkt an den Schulen. „Studienchecker soll dazu beitragen die Drop Out Quoten an den Universitäten zu reduzieren. Oft brechen Studienanfänger ihr Studium ab, weil sie sich das vorher nicht genau überlegt haben“, sagt Marion Kern vom BMWF. Neben dem Studien­checker und studienwahl.at bietet das BMWF wenig Zusätzliches an. Den wohl authentischsten Einblick in den Studienalltag bietet das von der ÖH organisierte und vom BMWF finanzierte Projekt Studieren Probie­ren. Hier haben StudienbeginnerInnen die Möglichkeit, Studierende einer Studienrichtung zu Lehrveranstaltungen zu begleiten und ihnen konkrete Fragen zu dem jeweiligen Studiengang zu stellen.

Die MaturantInnenberatung der ÖH bietet außerdem anonyme und kostenfreie Beratung an. Die Mitarbeitenden sind selbst StudentInnen und können mit Erfahrungsberichten direkt auf individuelle Fragen eingehen. Entweder werden Fragen im Rahmen des Studiencheckers, der von Schulen organisiert und angeboten wird, oder auch unabhängig davon in Form  von E-Mail, Telefon- oder persönlichen Gesprächen beantwortet. Mitarbeitende der MaturantInnenberatung haben laut eigenen Angaben in den Jahren 2011 und 2012 knapp 15.000  StudienanfängerInnen in allen Bundesländern, außer in Kärnten, beraten. In einer Presseaussendung von ÖH und BMWF am 3. Jänner diesen Jahres bestätigten diese einen Zuschuss von 40.000 Euro, was das Gesamtbudget der Maturant­Innenberatung auf rund 294.000 Euro pro Jahr erhöht. Damit wird künftig auch den kärntnerischen MaturantInnen eine Beratung an den Schulen ermöglicht. 311 Schulen, das entspricht etwa der Hälfte aller Schulen, haben 2011 am Projekt Studi­enchecker teilgenommen, bis 2014 soll es an allen Schulen Österreichs umgesetzt werden.

Die Qual der Wahl. Die Frage, ob Christina und Simon auch persönliche Beratung in Anspruch nehmen, verneinen beide. Beratungsangebote wie die MaturantInnenberatung, Studieren Probieren und Studienchecker kennen sie nicht. Wie gelangen sie dennoch zu Informationen? „Für mich sind besonders die persönlichen Gespräche mit Studierenden aufschlussreich“, so Christina, die derzeit die Maturaklasse eines Gymnasiums im oberösterreichischen Kirchdorf absolviert. Christina und Simon sind beide der Meinung, dass  Schulen und Hochschulen zu wenig Informationsangebot für MaturantInnen zur Verfügung stellen. „Es ist wichtig, wie viel Eigen­engagement man investiert“, meint Simon, der die Abschlussklasse eines Linzer Sportgymnasiums besucht. Kern weist darauf hin: „Jene, die Eigeninitiative zeigen, sich organisieren können und einen Plan haben, was sie tun wollen,  eignen sich für ein Studium.“ Punkt. Zwischen dem Schulbegriff von Selbstständigkeit und dem der Hochschulen herrscht jedoch eine große Diskrepanz, die von BMWF und den Universitäten weitgehend ignoriert wird. Die Kompetenz wird von der Schule auf die Uni geschoben und umgekehrt – übrig bleiben ratlose Maturan­tInnen. „Wenn man eine Klasse fragt, schätzen sich fast alle SchülerInnen als selbstständig ein. Bei den meisten StudienanfängerInnen aber hinterlässt die Organisation des Studienalltags und die Vorbereitung darauf große Unsicherheit“, schildert Theresa Kases vom Projekt Studieren Probieren. Die Vorbereitung auf ein Studium stellt sich also als ein Probelauf für das  eigentliche Studium heraus.

Die Bürokratisierung und Zugangsbeschränkungen stellen Neulinge vor eine Voraussetzungskette, die sich mit der STEOP fortsetzt. Fristen, Aufnahme- und Eignungsprüfungen setzten MaturantInnen unter großen psychischen Druck, bestätigt Magdalena Hangel, Referentin der MaturantInnenberatung. Auch Christina fühlt sich in der Vorbereitung auf ihr Studium oft allein gelassen. Trotz allem möchte sie Philosophie studieren. „Aber das kann sich noch ändern, ich bin mir noch nicht sicher.“

Linktipps:

ÖH:

www.oeh.ac.at/studienberatung
www.studierenprobieren.at
www.studienplattform.at

Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung:
www.studienwahl.at
www.Studienchecker.at
www.studentenberatung.at

Messen, Informationsveranstaltung: http://bestinfo.at

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