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Redaktionssitzung
Sommerpause!
Die letzte Ausgabe dieses Semesters ist fertig. Die nächste Redaktionssitzung findet im September 2010 statt.
Wir freuen uns aber auch weiterhin über Artikelvorschläge.
Die Welt hinter den Kulissen
Dass Uni nicht immer theoretisch sein muss, zeigt eine vom Kinder- und Jugendtheater Dschungel Wien im Wiener MuseumsQuartier angebotene Akademie. Ein Semester lang werfen Studierende und Interessierte einen Blick hinter die Bretter, die die Welt bedeuten.
In völlige Dunkelheit getaucht und nur mit einer Ahnung von Bewegungen auf der Bühne ist die Spannung im Publikum fast körperlich spürbar. Ein leises Geräusch von vorsichtigen Schritten, ein Räuspern in den hinteren Reihen, dann endlich: Licht. Etwa dreißig Kinderaugenpaare, weit aufgerissen, sind direkt auf die SchauspielerInnen gerichtet, die sich gerade noch geräuschlos ihren Weg durch das wirre Bühnenbild gebahnt haben. Die besondere Herausforderung des Kindertheaters, nämlich diese anfängliche Spannung je nach Alter der Kinder eine halbe bis ganze Stunde lang zu erhalten, lässt sich treffend mit dem Werbeslogan des Kinder Überraschungseies beschreiben: Spiel, Spaß und Schokolade. Und natürlich in der richtigen Kombination – wobei die Schokolade hier manchmal durchaus wörtlich zu nehmen ist.
Während Erwachsene sich im Theater an bestimmte Regeln halten – etwa während der Aufführung zu schweigen oder die gedachte Grenze zwischen Bühne und Publikumsbereich einzuhalten – ist dies bei Kindern schwieriger. Besonders bei den ganz Kleinen muss um die Aufmerksamkeit gekämpft und viel Kreativität eingesetzt werden, meint Valerie Kattenfeld, die dramaturgische Assistentin des Dschungel Wien und Leiterin der Akademie. Sie will Studierenden aller Studienrichtungen einen praktischen Einblick in den produktiven Teil des Theaterschaffens im Allgemeinen und in den Bereich des Theaters für Kinder und Jugendliche im Besonderen geben. „Durch verschiedene Regisseure, ihre Arbeitsweise und die Probenbesuche, die die Studierenden bis hin zum fertigen Stück begleiten, kann man wahnsinnig viel lernen“, sagt die 26-Jährige und spricht nicht zuletzt von ihrem eigenen Werdegang, der sie über das Verfassen eigener Stücke und verschiedenste Praktika im Theaterbereich, sowohl hinter als auch auf der Bühne, zum Kindertheater geführt hat.
Theater erleben. Im Sommersemester 2007 fand die Akademie erstmals mit einer TeilnehmerInnenzahl von 50 bis 60 Leuten statt. Dies geschah nach einer Idee von Stephan Rabl, dem Direktor und künstlerischen Leiter des Dschungel Wien, und Marianne Artmann, Dramaturgin beim Dschungel Wien, sowie der damaligen Praktikantin und heutigen Geschäftsführerin von Assistej Austria, Nina Wenk. Die Akademie hat sich bis heute erfolgreich gehalten. Mittlerweile hat das Institut für Theaterwissenschaft der Universität Wien die Akademie als Lehrveranstaltung für die gleichnamige Studienrichtung und im Zuge eines Wahlfachmoduls auch für andere Studienrichtungen anrechenbar gemacht. Tim Steinmetzger, Student der Theaterwissenschaft, sieht die Akademie als praktische Ergänzung zu dem teilweise sehr theoretischen Studium: „Neben Vorträgen von Regisseuren und Dramaturgen haben wir auch die Möglichkeit, ein Stück im Zuge mehrerer Probenbesuche in seiner Entstehung zu begleiten.“ Ähnlich geht es auch Margit Frohner und Julia Popp, beide Studentinnen der Publizistik und Kommunikationswissenschaft, die sich für Kinder- und Jugendproduktionen am Theater interessieren. „Ich finde es extrem spannend, nicht einfach nur theoretische Züge kennenzulernen, sondern auch Basis-Techniken der Schauspielerei selbst ausprobieren zu dürfen“, sagt Margit begeistert. Auch Julia würde die Akademie weiterempfehlen und findet es schade, dass nicht etwa Burg- oder Volkstheater ein ähnliches Angebot für Studierende im Programm haben.
Was die Dschungel-Akademie im Vergleich – beispielsweise zum TheaterJahr der Jungen Burg am Burgtheater in Wien – tatsächlich auszeichnet, ist der freie Zugang ohne ausschließendes Bewerbungsverfahren. Trotz der vergleichsweise kleinen Kapazität wird vielen Studierenden halbjährlich ermöglicht, Praxisluft zu schnuppern. Auf dem Programm stehen zehn Aufführungen auf einer der zwei Bühnen des Dschungel Wien, drei Vorträge über relevante Themen wie Dramaturgie, Tanz im Theater oder Kinder- und Jugendtheater im Allgemeinen und vier Probenbesuche eines Stückes in jeweils unterschiedlichen Schaffensphasen. „Neu sind dieses Jahr die Stammtische, die es den Studierenden ermöglichen, mit AutorInnen, RegisseurInnen und DramaturgInnen in Kontakt zu treten“, beschreibt Valerie Kattenfeld die gemütlichen Abende im Dschungel-deli. In diesem an das Theater angeschlossenen Café und Restaurant können sich die Teilnehmenden auch untereinander austauschen und Gleichgesinnte treffen.
Hautnah dabei sein. Für Studierende oder Interessierte, die sich gleich direkt ins Geschehen stürzen wollen, vergibt der Dschungel Wien auch produktionsbezogene Praktika – also für eine Assistenz bei einem speziellen Stück – sowie Praktika am Haus selbst in den Bereichen Kommunikation, Büro, Dramaturgie und Ausstattung. Je nach Proben- und Vorbereitungszeit wird sich dann an der Seite erfahrener Theaterschaffender sechs bis acht Wochen lang kreativ ausgetobt. Ausschreibungen sind meist in den Räumlichkeiten des Dschungel Wien selbst oder am Institut für Theater-, Medien- und Filmwissenschaft in der Hofburg zu finden.
Sich selbst sieht der Dschungel Wien als Drehscheibe für Kunst und Kultur, als lebendiges Haus für alle Altersgruppen und Kunstformen. Wie ein Dschungel eben, mit einer Vielfalt an verschiedenen Genres der darstellenden Kunst, SchauspielerInnen und TänzerInnen aller Altersklassen. Ein Ort, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen auf Safari gehen und Theater zu einem Abenteuer machen können.
Die nächste Akademie startet im Herbst. Informationen zu Ablauf und Programm unter: www.dschungelwien.at
